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Alt 06.01.2004, 14:46
noreflex noreflex ist offline
speedschnecke
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Re: Hussein gefasst ... !

@cheftrainer

Du hast recht, dass man die Ursachen bekämpfen muss.

Dazu ein Bild: Wenn im Sommer auf sehr trockenem Waldboden ein Flächenbrand erfolgreich eingedämmt wurde, schwelt der Boden noch sehr lange. Vereinzelt aufflammende Brände zu bekämpfen und zu glauben, dass Ruhe einkehrt, macht dort keiner. Es wird solange gelöscht, bis der schwelende Waldboden nichts mehr zum Verbrennen findet oder restlos gelöscht ist.

Nun zu Palästina (oder Irak, oder...)

Wenn dort ein Selbstmordattentäter gefaßt wurde, sind zwei neue geboren worden. No school, no job, no future! Und die Terroristen unter religiöser Verkleidung finden gegen den Feind Nr. 1 (USA) neue Fans bei den naiven und auf Hass gegen die USA getrimmten Kids. Denen zeigt man die Fotos ihrer verstorbenen Väter und Geschwister, behauptet, dass alles Böse aus Israel/USA kommt und schwupps hat man einen neuen Fanatiker! Für Europäer kaum fassbar ist dabei, dass die Mütter diesen Fanatismus ihrer Söhne fördern und deren Tod selbstverständlich in Kauf nehmen. Warum? Weil die Mütter früher Mädels waren und mit der Milch des Krieges und des Hasses und des Todes ihrer Geschwister aufwuchsen...

Ergo: Und wenn Israel und die USA noch Jahrzehnte die Attentäter fassen und einsperren, der Waldboden schwelt weiter!

Was noch offen bleibt:

Was macht Europa oder die "Erste Welt", wenn die Attentate und Terrorakte in unsere Gefilde exportiert werden? (So verstehe ich allround+spieler und seine Frage nach der kurzfristigen Lösung gegen solch verheerende Anschläge)? Sitzen wir dann still und akzeptieren, dass wir Opfer hatten? Rufen wir nach Vergeltung? Fordern wir Krieg gegen .... ja wen denn eigentlich, wenn der Attentäter mit draufging?

Was erleben wir seit einigen Jahren?

In der Zeit, wo sich die USA und Israel darüber klar werden, dass man einen Schwelbrand weder mit Bomben noch mit dem Einfangen einzelner Attentäter beruhigt (im Gegenteil: das ist wie Benzin für das glimmende Feuer!), finden weitere Attentate statt! Die Intifada oder der Dshihad warten nicht auf Besserung, die kämpfen jeden Tag gegen die Besatzer. Was sollten sie sonst in ihren Ghettos ohne Schulen, Arbeit und Zukunft tun? Vor allem, wenn da so viele Waffen rumliegen... (Die Geschichte von Huhn und Ei sei hier ausgeklammert: War erst die Besatzung oder erst der Terror da?)

Bisher fanden die Kriege doch nach diesem Muster statt: Während die USA (Vietnam, Irak ...), GB (Falkland, Irak...), Russland (Afgh., Tschetschenien...) und andere weit jenseits der Heimat Kriege führten mit teilweise brutalen Folgen für die umkämpften Regionen, hat der Bürger zu Hause Burger und Pommes verspeist und bei Gelegenheit zum Super Bowl oder zu "Stirb langsam!" umgeschaltet. Um 20.00 Uhr sah man ein paar Bilder, ein paar Zahlen (meistens heftig getürkt durch die Militär-Zensur). Wobei in Moskau kaum Bilder von Grosny gesendet wurden und dadurch der normale Russe gar nicht wissen konnte, was da abging. Und während Golfkrieg I und II haben CNN und Co. darauf geachtet, dass keine sterbenden Kinder und keine sterbenden GIs gezeigt wurden. Gegner waren übrigens i.d.R. "stehende Heere" mit schwerer Militätechnik.

Die neue Qualität in diesem globalen Krieg ist doch folgende:

Der Gegner (gewaltbereite Palästinenser, terroristische Iraki oder kaum lokalisierbare Al Kaida-Kämpfer) verfügt weder über ein Heer noch über schwere Waffen. Er hat keine Kasernen und ist überall und nirgendwo, wie bei den Partisanen im 2. WK.

Nur während damals die gefangenen Partisanen kurzerhand erschossen wurden und keine Kamera lief, sind die heutigen Kämpfe und deren Folgen in aller Welt per Bild und Ton abrufbar. Heute ist der Zuschauer, der von "Rambo" wegzappt, plötzlich bei CNN und darf beinahe live einen Bombenabwurf auf ein Militärobjekt (oder wars wieder ein Krankenhaus?) verfolgen. Und im Internet sieht er sterbende Kinder oder gefangene GIs. Die Grenzen von Fiktion und Realität verschwimmen. Die Bedeutung der Medien ist extrem: Was senden die, warum senden die etwas, was wurde weggelassen, wer war "embedded" bei den Truppen, warum durfte was nicht gefilmt werden?

Und wer dann noch nicht kappiert hat, dass das real ist und das Amerikaner im Irak sterben, weil es eben keine Fernsehsendung, sondern das Leben höchtselbst ist, der erfährt es eben erst, wenn der Krieg bei ihm zu Hause an die Tür klopft. Der Amerikaner (in New York) weiß jetzt, wie Brandgeruch riecht und wie Leichen aussehen. Da ruft keiner "Cut" und die Leute stehen auf und wischen sich die Schminke weg. Das Loch bei Ground Sero bleibt auch nach Tagen mahnend groß.

Ob wir Deutschen jetzt auch einen Ground Sero - Schock brauchen? Oder kommen wir vorher drauf, dass Kriege nicht mehr nur Opfer für Nationen ganz weit weg von uns bedeuten?

Das ist die neue Qualität des globalen Krieges! Während es dem "Ami" oder dem Deutschen lange egal war, wieviele Opfer es nun am Tag 3 der Operation Wüstensturm (hört sich eher wie ein Manöver oder eine saubere taktische Massnahme an und klingt garnicht nach ekligem, todbringendem Krieg!) gab, so ist er plötzlich live dabei, wenn am 9.11. tausende Landsleute sterben! Die Terroristen erlauben sich nunmehr, uns an dem Krieg teilhaben zu lassen. Sie exportieren die Gewalt, die sie von den USA u.a. empfangen haben einfach in die Länder, woher sie kam. Für die USA quasi: Reimport!

Als ich die Bilder im TV sah, hatte ich arge Probleme, mir das auch nur ansatzweise vorzustellen. Es ist nach wie vor unfaßbar. Versucht nur mal, Euch ein einstürzendes Stadion in einer großen dt. Stadt während einer EM, WM vorzustellen. Wem es da nicht schaudert! Was empfinden wir denn, wenn Freunde oder Angehörige durch so ein Attentat umkommen?

Und was ist, wenn der Feind, der die Bombe brachte, nicht zu lokalisieren ist? Oder wenn es ein Selbstmordattentäter war?

Das passiert auch in Nordirland (IRA) oder in Spanien (ETA) und bisher glücklicherweise noch nicht in D.

Auf diesen tagaktuellen Terrorismus hat die USA die Antwort: Krieg. Ich meine, dass andere Massnahmen, wie Polizei und Spezialkräfte geeigneter sind.

Aber wir sollten uns im Klaren sein: Wer mit Steinen (Bomben) schmeist, muss mit Reaktionen rechnen! Die Zeiten, wo der Bürger abgestimmt hat und der Krieg irgendwo stattfand und nur bezahlt werden musste, sind vorbei. Wenn D sich für einen Krieg einsetzt, müssen wir mit Vergeltung rechnen (So sagt es Bush auch: Wer Terror gegen die USA richtet, muss mit Krieg rechnen!)

Und das eigentliche Übel, nämlich die gewalt- und todbereiten Attentäter, die aus tiefer, meist fanatischer Überzeugung handeln, stirbt nicht aus! Weder durch Krieg noch durch Polizeimassnahmen.

Fazit: Es ist geradezu lächerlich, die USA beim austreten vereinzelter kleiner Feuer zu beobachten, wenn man die "Temperaturen" im nahen Osten sieht. Der Boden schwelt weiter und Krieg/Besetzung ist Benzin für die Intifada und den Dshihad.

Ich schreibe diese Gedanken, um den einen oder anderen Leser darauf aufmerksam zu machen, wie nah uns der Krieg im Irak und ähnliche Konflikte in Zukunft kommen können. Und plötzlich sitzen wir hier in D in der ersten Reihe. Und erleben in Farbe, worüber unsere Großeltern gesagt haben, dass es (Krieg) das schlimmste ist, was es gibt. Lasst uns nach Jahrzehnten des Friedens in D nicht so unsensibel mit dem "JA" oder "Nein" zu einem Krieg umgehen.

In diesem Sinne kann ich auch Michi88 nicht beipflichten, dass Bush der "kleinere" Verbrecher ist. Wer Krieg fern der Heimat unter Vorwänden beginnt, die nicht bewiesen sind (im Gegenteil: deren hahnebüchene Beschaffung skandalös ist: man erinnere sich, dass das geheime Dossier über die Waffen Saddams, welches Blair als Argument anbrachte, eine Abschrift einer wiss. Arbeit eines Studenten von 199? war) und dabei tausende Menschenopfer einkalkuliert, ist in meinen Augen ein Verbrecher! Es sagt nur keiner so laut, weil die USA das wirtschaftlich mächtigste Land mit der stäksten Armee ist!

Hier wird ständig mit zweierlei Maß gemessen: Milosevic (Serbe) kommt vor das Tribunal, die NS-Generäle vor Gericht usw. Wenn also ein Volk (Serbien) Krieg entgegen dem Völkerrecht vom Zaun bricht, gehört der Verantwortliche vor Gericht und wird bestraft. Ist er jedoch zufällig Amerikaner, gilt Sonderregel 1. Wenn Amerika Krieg führt, ist das immer gemäß Völkerrecht. Und wenn das mal nicht stimmt, ist das Völkerrecht eben entsprechend anzupassen.

In diesem Fall: Sicht der USA: Wenn uns halt keiner angreift oder den Krieg erklärt und uns die UNO kein Mandat erteilt und einige Verbündete (D!) Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines Krieges haben: Dann können wir nicht warten, bis die es geschnallt haben, schließlich wissen wir ja genau, dass wir den Hussein nicht mögen. Und wenn er nicht alle C-Waffen verbraucht hat, die wir einst lieferten (!!!), dann müssten wir noch welche finden. Und dann haben wir einen Grund! Denn er hätte (!) sie gegen uns einsetzen können! Und er sollte sie doch nur gegen die Kurden oder den Iran einsetzen, der Schuft! Also handeln wir doch nach Völkerrecht und die Deutschen Zweifler werden es auch einsehen...

Ich bleibe dabei: Es war kein völkerrechtlich gedeckter Krieg, also ist Bush verantwortlich und ein Verbrecher! Und Hussein ist auch einer! Und beide haben den Tod unzähliger Menschen (siehe Cheftrainer und das Beispiel mit den 500.000 Kindern) berechnend in Kauf genommen.

noreflex
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