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AW: DTTB-BUNDESTAG: Eingleisige 2. Ligen und Einführung 3. Ligen ab 2014/15
Nicht alle sind von der Strukturreform begeistert. Nachfolgend die Meinung von Bernd Beringer vom Süd-Zweitligisten TV Hilpoltstein, immerhin Leiter des Ressorts Bundesligen Herren, also alles andere als ein "Nobody":
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie einer DTTB-Meldung auf tischtennis.de entnehmen können, hat
gestern der DTTB-Bundestag mit Mehrheit beschlossen, dass es ab der Saison
2014/2015 eine eingleisige 2. Bundesliga und zwei 3. Bundesligen (Nord und
Süd) - alle mit Vierer-Mannschaften - geben wird. Es ist nicht gelungen,
einen der größeren Landesverbände umzustimmen, so dass letztlich das
gegenüber dem Bundestag im Juni geänderte Votum von Hessen (das im übrigen
keinen Zweitligisten stellt) den Ausschlag für ein relativ knappes
Abstimmungsergebnis gab. Die Verbände waren genauso gespalten wie die
Vereine der 2. Bundesligen bei ihrer Abstimmung vor ca. eineinhalb Jahren.
Es wurde nicht berücksichtigt, dass es in der neuen Konstellation der Ligen
einen nicht geringen Stimmungsumschwung gab und dass nahezu alle Vereine bei
der letzten Jahrestagung im Mai 2012 den damaligen Geschäftsführer der TTBL
(1. Bundesliga) aufforderten, dafür zu sorgen, dass auch die TTBL
mit Vierer-Mannschaften spielt.
Ich persönlich bedaure diesen Beschluss zum jetzigen Zeitpunkt, weil er (in
Verbindung mit dem Beschluss vom Juni für Vierer-Mannschaften in den beiden
2. Bundesligen) zur Folge hat, dass
- in der kommenden Saison die höchsten drei Ligen bei den Herren in drei
verschiedenen Mannschaftsstärken und -Systemen spielen - wer soll das noch
verstehen?
- in der kommenden Saison 40 Spieler - wohl überwiegend deutscher Nachwuchs
oder "local heros" - aus den 2. Bundesligen wegfallen
- dass es mE bei einem steigenden Ausländeranteil nicht einfacher wird,
Sponsoren, Presse, die Politik oder Zuschauer zu gewinnen
- dass ab der Saison 2014/2015 unser Mannschaftssport in dann drei
Bundesligen deutlich teurer, aber kaum attraktiver wird
- dass dann 80 Spieler aus den 2. Bundesligen wegfallen
- dass wohl nicht wenige Vereine die eingleisige 2. Liga wegen kräftig
gestiegener Kosten, Fahrtzeiten und zwingender Übernachtungen trotz
sportlicher Qualifikation nicht annehmen werden, sondern sich aus dem
Hochleistungssport mit der Förderung des Nachwuchses zurückziehen
- dass die große, vor allem finanzielle Kluft zwischen 1. Liga und 2.
Bundesliga in keiner Weise beseitigt wird, so dass es weiterhin nahezu keine
Aufsteiger in die TTBL geben wird, was ja eines der wichtigten Ziele der
Bundesligareform war
- dass die Regionalligen geschwächt und der Weg von der Regionalliga in die
2. Bundesliga noch weiter, schwerer und teurer wird.
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass dieser Beschluss zu einer Zeit
gefasst wurde, wo in beiden 2. Bundesligen der Herren fantastischer
Tischtennissport mit vielen Überraschungen und Spannungselementen geboten
wird. Noch nie waren die beiden 2. Bundesligen der Herren so stark und noch
nie waren sie so stabil wie jetzt. Doch gerade jetzt zerschlägt man diese
Struktur und geht ein Wagnis ein, dessen Risiken nicht absehbar sind.
Man muss meine Bewertung der Beschlüsse des Bundestages nicht teilen, um zur
Erkenntnis zu kommen: Von den Sorgen, Problemen und Nöten eines
Zweitligavereins im Tischtennis haben nur wenige Entscheider Ahnung. Von den Wünschen der
vielen Tischtennisfreunde im Land wohl auch nicht. Die wollen bei den Herren
keine Spiele bis sechs, nur zwei Doppel oder eine Pause nach dem zweiten
Einzel. Die wollen vor allem ihren deutschen Nachwuchs und die "local heros" sehen
und keine "eingeflogenen Sportler aus aller Herren Länder", sondern sie wollen
"die großen Talente aus der Bundesliga" so spielen sehen, wie sie in der
Bezirks- oder Kreisliga selbst spielen - nur besser.
Man darf gespannt sein, welche Folgen dieses Abenteuer im Mannschaftssport
Tischtennis hat.
Bernd Beringer
TV Hilpoltstein
Leiter Ressort Bundesligen Herren
Geändert von News-Team (02.12.2012 um 09:52 Uhr)
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