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AW: Zitate
„Kommt in der Medizin ein Medikament auf den Markt, hat es einen langen Prozess der Testung durchlaufen. Man kennt seine Wirkungen und Nebenwirkungen und man wägt die Risiken ab. Undenkbar wäre es, würde man eine neu entwickelte Substanz einfach in einem Bundesland dem Trinkwasser beimischen, weil ein Minister Gesundheit für wichtig hält und ihm (oder seinen Beratern) dieses Medikament irgendwie zusagt. Zehn Jahre später zählt in diesem Bundesland dann irgendjemand zufällig einmal die Toten und stellt fest, dass deren Zahl jetzt deutlich zugenommen hat. Die Sache wird untersucht, schuld ist das neue Medikament und so wird es auf ministerielle Anordnung wieder aus dem Trinkwasser entfernt … Undenkbar? – Im medizinischen System ja, im pädagogischen System nicht. Dort ist dieses Vorgehen der ganz normale Alltag, wie die Einführung und die „Ausführung“ nach einem Jahrzehnt oder länger der Ganzheitsmethode des Lesens oder der Mengenlehre in der Mathematik der ersten Klasse zeigt: In keinem Fall wurden erst einmal im Rahmen wissenschaftlicher Studien die Wirkungen und Nebenwirkungen der neuen Methode an einigen Schulen getestet, um sie dann entweder mit gutem Gewissen (und ohne Widerstand! – Wer ist schon gegen wirklichen Fortschritt) einzuführen oder nicht.
Und so wird weiter in Schulen und an Universitäten eingeführt: das achtjährige Gymnasium (G8), der Bolognia-Prozess, der Computer oder zuletzt die Smartboards (statt Tafeln), ohne dass es zu diesen Neuerungen mehr gibt als politische Meinungen (…). Wie Kinder lernen ist aber keine Frage der Parteizugehörigkeit der Landesregierung, auch wenn die „Kulturhoheit der Länder“ dies nahezulegen scheint. Wie Kinder am besten lernen ist vielmehr eine Frage, die mit empirischer Forschung zu lösen ist, mittlerweile unterstützt durch die Grundlagenwissenschaft der Gehirnforschung.“ (Manfred Spitzer – Dopamin und Käsekuchen; S. 54-56)
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