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Der Materialspezialist Beast
1. Vorbemerkungen
Der Belag kam schon sehr glatt aus der Packung, so dass ich ihn, mit der beiliegenden Folie geklebt, ohne weiteres Säubern eingesetzt habe. Er musste im direkten Vergleich gegen einen extrem gut gepflegten Joola "Timeless" (TL) und einen Der Materialspezialist "Nightmare" (NM) antreten. Alle drei sind auf baugleichen Piethölzern montiert mit zwei entkoppelten Balsakernen und hartem Kirschbaumfurnier auf der RH-Seite.
Meine eigene Spielstärke ist derzeit Stadtklasse, maximal 1. BL.
Der erste Eindruck, den der Beast vermittelt: Der Sound des ganzen Schlägers verändert sich stark, er bekommt einen hohlen, für mich im Moment noch unangenehmen Klang. Das Gewicht liegt ungefähr auf dem Niveau des NM, deutlich über dem des TL.
Drei Stunden Training mit verschiedenen Partnern führten zu folgenden Erkenntnissen:
2. Angiffsoptionen
In dieser Hinsicht ist der Beast ein Traum: Gegen Unterschnitt sind sehr schnelle, unangenehm flach abspringede, sicher platzierte Druckschupfs möglich. Der Beast ist hierin allen Glantis, die ich kenne (neben den Vergleichsbelägen waren das ABS, Amy Control, Gorilla) überlegen. Langsame, spinnige, etwas hohe Topspins können mit praktisch der gleichen Bewegung sehr schnell retourniert werden; dies ist eine der Schwächen von TL und NM. Der Belag kann darüber hinaus mit einer Topspinartigen Bewegung eingesetzt werden, die zu einem schnellen aber leeren Ball führt, der, nicht zu oft eingesetzt, hohes Überraschungspotential besitzt.
3. Block und Ballabsprung
Der Ballabsprung liegt zwischen TL und NM, etwas höher als ersterer und flacher als letzterer. Das ist auf Dauer sowieso v.a. eine Trainingssache, aber ich habe manchen gegnerischen Schuss hinnehmen müssen, weil mir der Ball zu hoch absprang. Der passive Block ist mit ähnlichen Winkeln zu spielen wie bei den Vergleichsbelägen, Blocks sind mir auf Anhieb schon mit wenig Fehlern gelungen, besser als beim NM und nur wenig schwächer als mit dem TL. Eine besondere Stärke hat der Belag bei Schlagspins, bei denen der Ball nicht aufs Holz durchschlägt, eine Schwäche des TL. Anscheinend hat der Beast einen sehr wirksamen (orangeroten) Bremsschwamm mitbekommen.
4. Sicherheit
4.1. Klein-Klein-Spiel
In dieser Hinsicht liegt mir der Beast noch gar nicht. Ich habe den Eindruck, er muss viel aktiver gespielt werden als der TL, bei dem man auch einfach mal einen kurzen Ball durch simples Hinhalten im Spiel halten kann. Das gerät mir beim Beast zu harmlos und schnell einmal zu hoch, so dass man dann einen Flip um die Ohren bekommt.
4.2. Winkelabhängigkeit
Die Empfindlichkeit des NM in dieser Hinsicht fehlt dem Beast sehr weitgehend. Er liegt in dieser Hinsicht beinahe auf dem Niveau des TL. Da ich alle anderen getesteten Glantis wegen dieser Schwäche aus meiner Wahl genommen habe, ist dies ein dickes Plus für den Beast. Er ist, soweit ich das getestet habe, weitaus der winkelunabhägigste aller Glantis am Markt (der TL ist ja seit letzter Woche nicht mehr am Markt).
4.3. Platzierung
Der Beast erlaubt sehr präzise Platzierungen, insbesondere wenn er eher aktiv und lang gespielt wird, aber auch extrem cross gespielte Bälle. In der Platzieurng ist er allen gestesteten Glantis überlegen.
5. Störeffekte
5.1. Flatterbälle
Ich habe Monate gebraucht, um zu lernen auf welche Bälle des Gegenspielers man mit welcher eigenen Technik Flatterbälle erzeugen kann. Das funktionierte natürlich beim ersten Training mit dem Beast noch nicht so gut, aber das Potential ist eindeutig da: Einige unschöne Flugkurven sind mir durchaus schon gelungen.
5.2. Ablagen
Ablagen sind mittel gut möglich, zwar recht sicher aber tendenziell oft etwas hoch und/oder zu lang. Geschwindigkeitswechsel vom schnellen Spiel zum kurzen sind nicht so gut möglich wie beim TL, was insbesondere gegen lange und Mitteldistanz-Abwehr ein Nachteil ist, da der Gegner die Ablage leichter erreicht und dann schneller wieder in seine Wohlfühldistanz zurückkommt. Abwehrspieler sind eine absolute Domäne des TL.
5.3. Schnittumkehr
Enttäuschend!!! Vlt. hätte ich ihn doch vorher erst säubern sollen; ich werde ihn auf jeden Fall noch einmal gesäubert testen und dann bei Interesse noch einmal berichten. Aber das war nix. Topspinspieler, die gegen NM oder TL spätestens den dritten im Netz oder unter der Platte versenken, konnten gegen den Beast mehrfach nachziehen oder sicher ablegen, oder gar meinen Block mit einem Schuss versenken. Alles Dinge, die gegen keinen anderen Glanti gehen. Wie gesagt, das wird noch einmal unter günstigeren Bedinungen getestet, aber direkt aus der Box ist der Belag in dieser Disziplin der schlechteste Glanti, den ich kenne.
6. Bisher nicht getestet
Nicht testen konnte ich das Verhalten des Beast gegen leere Bälle, da kein entsprechender Gegner vor Ort war. Da ich v.a. am Tisch spiele, und den Anti hauptsächlich nutze, um meinen VH-Topspin ins Spiel zu bringen, habe ich auch lange Abwehr bisher nicht getestet; das kommt sicher in den nächsten Wochen.
7. Fazit
Wenn ich dis SU nicht besser hinbekomme, ist der Belag für mich derzeit keine Alternative zum Joola "Timeless", sobald dieser die Zulassung verliert. Was möglicherweie ja schon mit der nächsten LARC passiert, je nachdem, wie lange Joola seinen TL-Kunden die Treue hält und den TL auf der Liste hält.
Geändert von Arno_K (26.01.2013 um 08:31 Uhr)
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