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AW: 2013 ITTF World Tour Austrian Open (Wels, 23.-27. Januar)
Hab mir - als Österreicher natürlich Ehrensache - gerade die Austrian Open im TV angesehen. Die Frage, warum TT eigentlich so unattraktiv für den Normalverbraucher (geworden) ist, ist wieder um eine (eigentlich sogar um drei) Facetten reicher.**
1. Spiel Lebesson gegen Fan: ein Spiel zum abgewöhnen, was insbesondere an Lebesson liegt. Kaum ein Ballwechsel, in dem es Lebesson schafft, den Ball dreimal über das Netz zu spielen. Geht wie ein Verrückter auf jeden Ball drauf. Eva Jeler hat diese typisch französische Spielanlage mal als Elektroschocktischtennis bezeichnet. Treffender kann man dieses Unspiel wohl nicht bezeichnen. Ich frage mich ernsthaft, wie man einem Laien erklären will, dass das ganz großartiger Sport ist, wenn selbst ich als einer der seit 30 Jahren TT spielt und zuschaut, sich nur mit Grauen abwenden kann. Ich sehne mich an Zeiten von Begegnungen zwischen Appelgren und Grubba zurück, in denen der Ball auch locker zwanzig Mal hochklassig übers Netz geflogen ist.**
2. Liu Jia disqualifiziert! Warum? Der leidgeprüfte TT-Fan wird es erraten, die Beläge waren zu dick. Statt der erlaubten 4mm, sage und schreibe 4,16mm. Das geht natürlich gar nicht und ist mit sofortiger Disqualifikation zu ahnden. Und in treffender ITTF-Logik gibts dafür auch kein Preisgeld, die Weltranglistenpunkte behält sie aber doch. Also wie jetzt? Unsportliches Verhalten wegen Schlägerdopings mit sofortiger Disqualifikation aber trotzdem Weltranglistenpunkte behalten? Wahrscheinlich deswegen, weil die einen Schiedsrichter in sträflicher Vernachlässigung ihrer Messpflicht die 0,16mm in den vorigen Runden nicht geahndet oder erkannt haben. Gott sei Dank gibt es noch andere Schiedsrichter, die pflichtbewusst über das gelungene Regelwerk der ITTF wachen.
3. Habe jetzt erfahren, dass die Plastikbälle offensichtlich schon beschlossene Sache sind. Ab Juni 2014 darf sich der TT-Spieler also wieder mal an neue Bälle gewöhnen und die Industrie wieder über neue Einnahmequellen freuen. War ja auch nicht anders zu erwarten, als unser chronisch aktiver Tischtennisweltverbesserer Sharara im Amt bestätigt wurde. Schauen wir mal wie lange der noch braucht, bis er unseren Sport endgültig ruiniert hat. Er ist auf jeden Fall am besten Wege dorthin.**
Kleines Detail am Rande: Liu Jia verliert wie gesagt ihr gesamtes Preisgeld in diesem Turnier, also alle 490 (!) Euro für das Erreichen des Achtelfinales. Hab mal gegoogelt, wieviel man bei den Australian Open in Melbourne als Verlierer im Achtelfinale bekommt: 88.300 Euro. Vielleicht ist das Preisgeld im Tennis deswegen soviel höher, weil man an diesem Sport seit seiner Entstehung nicht so viel "verbessert" hat wie im Tischtennis und das Publikum Tennis einfach sehen möchte. Bei den genannten Punkten 1-3 wundert es mich nicht, wenn Tischtennis ein Schattendasein führt.**
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"Die Phönizier haben das Geld erfunden, aber warum so wenig?" (Johann Nestroy)
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