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Alt 30.01.2004, 15:10
wolfgang10 wolfgang10 ist offline
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Post Re: "Umgreifen" nach der Angabe

Zum Thema "Veränderte Schlägerhaltung beim Aufschlag" meine Meinung: Die beim Vorhandaufschlag veränderte Schlägerhaltung für Shakehand-Spieler kam meines Wissens Anfang der 80er Jahre auf, ich glaube vornehmlich aus Ungarn (Gergely? Jonyer?) und setzte sich bald auch in tiefere Klassen hinein fest. Das menschliche Handgelenk ist ein Scharniergelenk, aber kein Kugelgelenk. Lege Deinen ganzen rechten Unterarm so auf einen Tisch, daß die Hand flach mit der Innenseite auf dem Tisch liegt und versuche nun, sie in Richtung des Daumens (bei der rechten Hand also nach links) und dann in Richtung des kleinen Fingers nach rechts zu bewegen. Markiere irgendwie die maximale Auslenkung der Hand, um damit den maximalen Winkel der Beweglichkeit des Handgelenks zu ermitteln. Lasse den Ellbogen genau an der gleichen Stelle, drehe nun die Hand so, daß sie mit der Handkante (wie beim Karate) auf der Tischoberfläche aufliegt, der Ellbogen bleibt wie gesagt unverändert. Mache jetzt die gleiche Bewegung wie zuvor, also möglichst weit nach links und nach rechts. Jetzt wirst Du feststellen, daß die maximale Beweglichkeit viel viel größer ist!
Bei normaler Schlägerhaltung hat der Shakehand-Spieler das Problem, daß die Achse der Beweglichkeit beim Aufschlag (insbesondere ist hier vom Vorhand-Aufschlag die Rede) in etwa derjenigen im ersten Experiment entspricht. Verändert man die Schlägerhaltung aber, indem man Mittel-, Ring- und kleinen Finger vom Griff wegnimmt, um sie in irgendeiner Weise auf der Rückhandseite zu platzieren, gewinnt man die Beweglichkeit, wie sie im zweiten Experiment veranschaulicht wird. Die genaue Position der drei genannten Finger möchte ich bewußt nicht definieren, da hier der Spieler selbst viel experimentieren muß. Es gibt da alle möglichen Variationen.
Ich empfehle, zunächst nur Aufschläge mit dieser Schlägerhaltung trainieren zu lassen (oder selbst zu trainieren), die mit verschiedenen Variationsmöglichkeiten der Position und Stellung der Finger auf der Rückhandseite in Verbindung stehen. Jeder Spieler wird dabei seine individuell beste veränderte Schlägerhaltung herausfinden. Diese Experimentierphase wird begleitet vom Versuch, möglichst viel Spin oder Speed für den Aufschlag zu entwickeln. Es kann sein, daß der Spieler / die Spielerin mit einer bestimmten Variation mehr Spin bzw. mehr Speed entwickeln kann. So können die SpielerInnen erkennen, daß je nach beabsichtigtem Aufschlag die eine oder andere Variation in Frage kommen kann.
Wenn dann die ganze Bandbreite der möglichen Variationen hinsichtlich Schlägerhaltung und (!) Spin / Speed im Verstand des Spielers Plat gefunden hat, wird er / sie von alleine damit beginnen, hier noch weiter zu experimentieren.
Diese Phase wird durch stures Probieren und Wiederholen bestimmt. Es darf der Zeitpunkt nicht verpasst werden, an dem die Rückkehr zur normalen Shakehand-Haltung zum Zwecke des Zurückspielens des Returns des eigenen Aufschlags geübt wird. Zunächst kann auch dies mit dem "Balleimer" geübt werden. Nachdem in der oben beschriebenen Phase der Aufschlag gefestigt wurde und eine Grobform entwickelt wurde, muß der Spieler jetzt lernen, direkt nach dem Aufschlag die richtige Schlägerhaltung zu erreichen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß einzelne Spieler jetzt erkennen, daß die eine oder andere Variation mehr oder weniger Probleme verursacht, den Schlager rasch richtig zu halten. Auch dies ist ein Lernprozeß, der sehr wichtig ist.
In der nächsten Phase soll der Spieler nach dem Aufschlag möglichst rasch die richtige Schlägerhaltung einnehmen und den Return sauber spielen. Zu diesem Zweck halte ich es unbedingt für erforderlich, daß auch mit dem "Balleimer" gearbeitet wird und stets der gleiche Spieler aufschlägt, so daß eine intensive Festigung der Rückkehr zur normalen Schlägerhaltung geübt wird.
In der abschließenden Phase werden im freien Spiel (oder in Übungssätzen und Wettkampfbedingung) die Aufschläge mit veränderter Schlägerhaltung in Verbindung mit ganz anderen Aufschlägen (Rückhand oder Vorhand mit "normaler" Schlägerhaltung) geübt.
Im Jugendtraining äußern die Spielerinnen und Spieler immer wieder, daß es zu Problemen kommen kann, wenn man beim Vorhand-Aufschlag die Schlägerhaltung in der eingangs beschriebenen Weise verändert. In solchen Fällen demonstriere ich das Gegenteil wie folgt: ich stelle die Spielerinnen und Spieler seitlich des Tisches auf meiner Vorhandseite auf, möglichst auf Netzhöhe. Sodann führe ich (Rechtshänder) einen Aufschlag mit veränderter Schlägerhaltung vor. Vor dem Aufschlag zeige ich die Rückhandseite meines Schlägers, damit die Spielerinnen und Spieler sich von der veränderten Schlägerhaltung überzeugen können. Sodann fordere ich sie auf, nicht die Flugbahn des Balles zu verfolgen, sondern nur auf meinen Schläger zu schauen. Unmittelbar nach dem Aufschlag kehre ich zur normalen Schlägerhaltung zurück und zeige dies, indem ich mit nach rechts ausgestrecktem Arm den Spielerinnen und Spielern die Rückhandseite meines Schlägers mit der korrekten Position des rechten Zeigefingers auf der Rückhandseite zeige. Anschließend dasselbe nochmal, diesmal jedoch mit dem zusätzlichen Hinweis, daß die Spielerinnen und Spieler darauf achten sollen, daß ich zum Zeitpunkt des Aufsprungs des Balles auf der gegnerischen Hälfte bereits die korrekte Schlägerhaltung eingenommen habe. Dies verdeutlicht, daß ich in jedem Fall den Schläger während des nächsten Schlages bereits korrekt halte. Natürliche zeige ich während dieser Demonstration auch wieder die Rückhandseite meines Schlägers, die ich den Zuschauern entgegen halte.
Als Zusatz kann man dann noch das ganze im freien Spiel vormachen, d.h. ich mache einen der beschriebenen Aufschläge und fordere die Zuschauer auf, stets auf die Rückkehr zur normalen Schlägerhaltung zu achten.
Abschließend führe ich diese Demonstration noch mit einem Rotationsball vor, d.h. ich nehme einen weißen Trainingsball und färbe eine Hälfte mit einem wasserfesten Edding-Stift (kann auch eine andere Marke sein) dunkelblau, dunkelrot, dunkelgrün oder schwarz ein. Dadurch können die Zuschauer sehr genau erkennen, daß diese Aufschläge sehr viel Rotation bekommen. Zudem kann ich dann die ganze Bandbreite der Variationsmöglichkeiten (sidespin, Unterschnitt, Oberschnitt, Null Schnitt, Kombinationen Seit-Unterschnitt und so weiter) optimal vormachen.
wolfgang10
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