Jetzt streitet Euch doch nicht darüber, wann jetzt der DTTB eine Newsmeldung über dieses traurige Ereignis gebracht hat und ob sie schnell oder langsam waren.
Im Vordergrund sollte stehen, dass
Rainer Ihle leider nicht mehr lebt und das ist einfach nur tragisch und sehr traurig.
Ich habe das Gefühl, dass es irgendwie vielen schwer fällt, damit umzugehen, alle sind betroffen und auch hier im Forum scheint es irgendwie schwer zu fallen, überhaupt Worte zu finden. Aber unkommentiert "zum Alltagsgeschäft übergehen", das wird einer Persönlichkeit des deutschen und europäischen Tischtennis Sports wie Rainer Ihle nicht gerecht. Daher möchte ich das Schweigen etwas brechen und einen persönlichen Kommentar als Andenken an Rainer hinterlassen.
Es ist nicht nur ein riesiger Verlust für Freunde, Familie und für die TTF Liebherr Ochsenhausen, das Liebherr Masters College und alle Aktivitäten und Projekte, die Rainer maßgeblich auf- und ausgebaut hat, sondern auch ein großer Verlust für die Bundesliga und für den Tischtennis Sport insgesamt.
Er wird eine riesige Lücke hinterlassen und ich kann es noch genauso wenig glauben wie viele andere.
Ich bin als gegnerischer Trainer 10 Jahre lang nach Ochsenhausen gefahren, 6 Jahre lang mit Würzburg und 4 Jahre lang mit Saarbrücken und eine Sache war immer sicher: Rainer Ihle wird da sein.
Und 10 Jahre lang ist Ochsenhausen als Gegner angereist - egal ob in der Bundesliga oder in Playoffs, egal ob in Würzburg, Saarbrücken oder in Stuttgart beim Pokalfinale, eine Sache war sicher: Man wird wieder Rainer Ihle treffen.
Egal ob er gesund war oder krank, Rainer war da.
Bei aller Konkurrenz, es waren immer nette Begegnungen und man konnte sich über interessante Dinge austauschen. Egal ob Ochsenhausen als Sieger oder Verlierer die Halle verlassen hat, auch wenn er mal angefressen war, er war immer ein fairer Gegner und hat unsere Leistung anerkannt.
Nach meiner Zeit in Saarbrücken war ich ein Jahr lang Trainer in Kroatien (Zagreb) und obwohl ich damit auch eine Saison lang nicht in der deutschen Bundesliga tätig war, habe ich mit Rainer Ihle so viel Kontakt gehabt wie nie zu vor und sind erst vor nicht allzu langer Zeit nach einem gemeinsamen Termin in Ochsenhausen zusammen im Auto zum Mittagessen gefahren und haben viele interessante Dinge besprochen. Einmal mehr hatte er mich sehr überrascht mit seinen Ideen und Visionen, seinem Gespür für Möglichkeiten und Chancen, auch im Onlinebereich obwohl er nicht mit dem Internet aufgewachsen ist.
Rainer Ihle hat hier auch noch zusammen mit Kristian Pejinovic und mir einige Dinge auf den Weg gebracht, die man noch in der Zukunft zu sehen bekommen wird. Ich denke ich kann auch für Kris sprechen: Für mich und uns ist das auch ein Teil von Rainers Vermächtnis, diese Ideen und Projekte voran zu treiben, genauso wie auch mit Sicherheit jeder in Ochsenhausen Rainers "Lebenswerk und Baby" TTF Liebherr Ochsenhausen und alle weiteren Bereiche im Sinne Rainers weiterführen wird.
Rainer Ihle hat Weitblick bewiesen und als Jüngster der "alten Garde der Tischtennis Bundesliga" (Wohlhaupter, Gstettner, Albrecht, ...) frühzeitig einen Nachfolger aufgebaut, diesen an den Profisport und die enormen Herausforderungen in Ochsenhausen mit Bundesliga und allen anderen Bereichen herangeführt und Verantwortung übertragen. Er hat es verstanden, alles so zu organisieren und für Transparenz zu sorgen, dass "der Laden auch läuft", wenn er (mal) nicht (mehr) da ist.
Dass Rainer jetzt tatsächlich nicht mehr da ist, ist unvorstellbar und sehr "unwirklich".
Ich kann es auch kaum glauben, nach meiner Rückkehr von Zagreb in die deutsche Bundesliga nach Plüderhausen, jetzt wieder nach Ochsenhausen zu fahren und zum ersten Mal wird Rainer Ihle nicht da sein.
Wir spielen auch direkt im September zweimal gegeneinander, erst im Pokal-Achtelfinale daheim, dann in der TTBL auswärts in Ochsenhausen. Es wird ein komisches Gefühl sein...
Erst vor kurzem hat Rainer Ihle meine Freundin angerufen, da er zu unserer Hochzeit eingeladen war (wir heiraten in einer Woche), hat erzählt dass er in den Urlaub will, sie hat Rainer im Anschluss zu mir weiter verbunden, er war noch voller Tatendrang, wollte mit mir nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub einen Termin vereinbaren. Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen...
Da macht man sich ganz schnell Gedanken über sein eigenes Leben, ob man sich den ganzen Stress tatsächlich geben muss oder ob man nicht nach mehr als einem Jahrzehnt Bundesliga (plus ML SPORTING plus TT-NEWS plus Hausumbau & Umzug, ...), nicht einfach aussteigen sollte und ein ruhigeres Leben führen sollte, bevor man auch irgendwann einen Herzinfarkt bekommt...
Rainers früher Tod ist für mich genauso ein Schock wie für viele andere und es ist kaum vorstellbar, wie Kris jetzt und zukünftig im gemeinsamen Büro sitzen wird und sieht den leeren Stuhl am Arbeitsplatz gegenüber und weiß, dass Rainer dort nie mehr sitzen wird.
Ich bin mir sicher, dass Kris Pejinovic diese große Verantwortung, die er zum großen Teil auch seither geschultert hat, auch zukünftig mit seinem Team meistern wird. Aber es tat einfach verdammt gut, einen guten Freund und ungemein kompetenten Berater zu haben, der einem Rückhalt gegeben hat.
Im Fußball sind alle Stars, da ist es egal ob Spieler wie Ribery, Messi, Gomez oder Schweinsteiger den Raum betreten oder Trainer wie Heynckes, Klopp, Mourinho oder Guardiola oder aber Topfunktionäre wie Sammer, Hoeneß, Rummenigge oder Allofs. Sogar Schiedsrichter werden zu Stars, bestes Beispiel der "Glatzkopf" Pierluigi Collina.
Im Tischtennis stehen oft nur die besten Spieler im Fokus. Alle anderen finden zu wenig Beachtung und viele vergessen die Macher im Hintergrund, die Manager und Präsidenten, die all das erst ermöglichen, was die Zuschauer in der Halle zu Gesicht bekommen.
Jedes Jahr kommt eine neue Generation an Spielern aus dem Jugendbereich, die besten landen im Profisport, daher gibt es auch jedes Jahr neue TT-Profis. Einen Timo Boll gibt es - zumindest in den europäischen Ländern - nur alle 20, 30 oder 40 Jahre. So jemand bleibt unvergessen.
Einen Macher und Visionär wie Rainer Ihle gibt es vielleicht auch nur alle 20, 30 oder 40 Jahre. Trotzdem bleibt Rainer einzigartig und genauso unvergessen, er hat sich in Ochsenhausen mit all dem was er dort aufgebaut und geleistet hat, sein eigenes Denkmal geschaffen.
Ruhe in Frieden.