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AW: Matthew Syed, „Was heißt schon Talent?“
@Fozzi
Ein absolut lesens- und empfehlenswertes Buch, (vermutlich nicht nur für Trainer) danke für den Tip!
Eine wichtige Einschränkung aus meiner persönlichen Sicht betrifft im wesentlichen das 6. Kapitel wo es um das sogenannte "Choking" geht, und zwangsläufig jene Aussagen in den Folgekapiteln, die sich auf diese dort formulierten Theorien beziehen.
Alleine die Tatsache, daß auch heute noch die Betreuung von "Spitzensportlern" durch "Spitzenpsychologen" keinerlei Garantie für ein Nichteintreten von diesem speziellen "Leistungsabfall unter Druck" zu bieten in der Lage ist, zeigt aus meiner Sicht auf, wie wenig die Wissenschaft auch heute noch von diesem Ausnahmezustand (für den er ja gehalten wird) weiß.
Man kann, (wie so oft in den "nicht" naturwissenschaftlichen Diszipinen) das Phänomen zwar beschreiben und weitgehend charakterisieren, tappt jedoch bezüglich der Ursachen vollkommen im Dunkeln.
Die beschriebene Versuchsanordung auf S. 223 beispielsweise, die den Zustand "Choking" angeblich künstlich zu simulieren in der Lages sein sollte, kann dem was die betroffenen Personen beim sog. Choking empfinden (Matthew beschreibt es ja detailliert!) kaum gerecht werden.
Hier wird lediglich ein Vorgang beschrieben den jeder Tischtennissportler während des Trainings von neuen Techniken schon viele Male erlebt hat, und mit dem er dementsprechend gelernt hat umzugehen.
So kann der (sorgfältig) nachforschende Matthew Syed (auf der Suche nach einer sinnvollen Erklärung für einen der wichtigsten Abschnitte seines Sportlerlebens) nur auf "wissenschaftliche" Theorien zurückgreifen, die sich bei näherer Betrachtung als "oberflächlich" erweisen und verstrickt sich dabei in offensichtliche Widersprüche die dem Buch als Gesamtwerk zur Entzauberung des Talentmythos leider nicht gerecht werden.
- - - Beispielsweise, wenn er auf Seite 228 schreibt "...nur ein Spitzenkönner... ...hat überhaupt die Kapazität für ein Cocking...", während er wenige Seiten zuvor (215) diesen Zustand u.a. mit der Unfähigkeit, "beim ersten Date ein Wort herauszubringen" gleichsetzt und fragt, "...warum passiert uns das?...", womit er anstelle der betroffenden Person und deren besonderen Fähigkeit für Spitzenleistungen, die Besonderheit der Situation (die jedoch quasi jedem Menschen, also "uns allen", passieren könnte) in den Vordergrund stellt. - - -
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