Einzelnen Beitrag anzeigen
  #42  
Alt 05.04.2001, 19:36
Bernd Beringer Bernd Beringer ist offline
Registriert seit 2000
Foren-Stammgast 2000
 
Registriert seit: 06.12.2000
Beiträge: 2.053
Bernd Beringer befindet sich auf einem aufstrebenden Ast (Renommeepunkte mindestens +40)
Hallo "Cheftrainer", hallo Ihr lieben Funktionäre: Der deutsche Spieler spielt und der "ausländische" Spieler arbeitet - diesen Unterschied müßt Ihr mir wirklich noch mal klarmachen. Aber auch dann werde ich ihn wohl nicht kapieren. Wenn beide eine Entschädigung für ihren Aufwand oder ihre Kosten bekommen, dann gelten doch wohl für beide die gleichen steuerlichen Gesichtspunkte. Und die gehen weder beim einen noch beim anderen den Verband etwas an, sondern die Steuerbehörden. Deshalb sollten sich die Verbandsleute auch nicht zu Steuerprüfern aufschwingen, sondern lieber tun, was ihre Aufgabe ist: nämlich die Vereine, die Sportler und hier vor allem den Nachwuchs fördern.

Und genau das tun sie nicht, meine Lieben, denn wenn sich die Radikallösung mit Aufenthaltsgenehmigung und Beschränkung auf 1 "Ausländer" so durchsetzen würde, wie das von den Funktionären vorgesehen war, dann würden die Ligen unterhalb der 1. Bundesliga so schwach, daß unsere besten Jugendlichen absolut unterfordert wären, daß dann auch wichtige Trainings-und Sparringspartner fehlen würden und daß es nur noch einige wenige zentrale Orte und Vereine geben könnte, die als "Auffangbecken" für die Talente dienen würden. Die wiederum müßten ewig lange Fahrten ins Training auf sich nehmen (in unserem Fall rund 150 km einfach) oder im Alter von 14, 15, 16 Jahren von zu Hause weg, die Schule wechseln etc. Und das soll Nachwuchsförderung sein, das soll Vereinsförderung sein? Den Hang/Drang zur Zentralität (zumindest im BTTV) halte ich ohnehin langfristig für gefährlich, ja sogar für verhängnisvoll. Man zerstört nämlich die kleinen gewachsenen Strukturen und macht seinen Leistungssport (zumindest im TT) von e i n e m Zentrum/Verein abhängig. Und wenn das nicht funktioniert? Dann ist alles hin!

In meinem Verein (Oberliga), "auf dem Land", spielen zwei der besten deutschen Jugendlichen an Nr.1 und Nr.2. Wir haben für diese Saison zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins einen "Ausländer" zu uns geholt (er spielt an Nr.3), weil wir keinen gleich guten deutschen Spieler bekommen haben, weil wir für unsere Talente einen exzellenten Trainingspartner wollten (ist er, und er reist bereits donnerstags an, übrigens alleine, nicht im "Touristenbus") und weil wir w e g e n unserer Talente eine Aufstiegschance in die Regionalliga haben wollten (die haben wir noch). Doch was würde unseren Talenten eine Regionalliga nutzen, die (ohne "Ausländer") deutlich schwächer wäre als die jetzige Oberliga? Nix - vertane Zeit, vertane Kosten.

Das größte "Ausländer-Problem" haben wir in der 1. Bundesliga: denn da ist nur Platz für 5 bis 6 Deutsche. Aber an dieser "Ausländerschwemme" (pardon) ändert der Beschluß des DTTB überhaupt nichts. Wir wollen ja schließlich weiterhin "die stärkste Liga der Welt" in Deutschland haben - ganz gleich, ob junge Talente einen Platz im Profisport bekommen oder nicht.

Klar, "Cheftrainer": Wenn alle (Amateur)Vereine das Geld, das sie jetzt für "Ausländer" ausgeben, in hauptamtliche Jugendtrainer investieren würden, dann wäre das vielleicht die beste Jugendförderung überhaupt. Aber dafür brauchst Du einen A-Schein-Trainer, und der kann auch nicht umsonst arbeiten, kostet also etwa so viel wie zwei "Ausländer" (und löst das Problem der schwachen Ligen überhaupt nicht). Und z w i n g e n kannst Du die Vereine zu so einer Maßnahme, die ja auch erst in minimal 5 Jahren Erfolg zeitigen würde, auch nicht. Und bis dahin sind die Osteuropäer längst in der EU. Also stehen wir wieder am Anfang:

Der Beschluß taugt nichts, weil er (wegen weniger Auswüchse) die relativ wenigen Vereine, die überhaupt Leistungssportgedanken haben, mehr demoviert als motiviert, weil er alle Planungen und viele Verträge über den Haufen wirft, weil er zur Durchsetzung Gerichte braucht, weil er ausländerfeindliche Tendenzen in Kauf nimmt und weil er seinem Hauptziel, der Jugendförderung, zuwiderläuft. Und weil er in seiner Endkonsequenz wirklich eine Revolution im deutschen Tischtennis ausgelöst hätte - allerdings eine, die nach hinten losgeht.

Anmerkung zum Schluß: Die Verbände haben die "Ausländer", die sie heute los werden wollen, gestern noch honoriert - als "billige" Sparringspartner bei ihren Lehrgängen. Das nenne ich "Glaubwürdigkeit"!!!
Mit Zitat antworten