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AW: TT-Europameisterschaft 2013 in Schwechat (4. bis 13. Oktober 2013)
Ich finde in dieser ganzen Debatte werden immer verschiedene Dinge vermischt, die jetzt mal getrennt werden sollten.
1. Die Nominierung von Lulu Barthel als 6. Einzelspielerin. Ist sicherlich eine unglückliche Entscheidung, weil Barthel in der Vergangenheit nicht unbedingt durch tolle Ergebnisse aufgefallen ist, wenn es drauf ankam. Dadurch dass sie jetzt auch nicht mehr in Deutschland spielt, ist sie natürlich auch nicht mehr so im Fokus, wodurch man als Außenstehender ihren Leistungsstand einschätzen kann. Von der WRL Position ist sie nicht vor Ivencan, welche aktuell aber in einer kleinen Formkrise steckt. Winter ist einfach zu unkonstant, was man sowohl an ihrer WRL Position sehen kann als auch an ihren Ergebnissen. Schlägt Weltklasse und verliert dann wieder gegen 16 Jährige Talente. Ohne RH wird das in Zukunft auch nichts mehr (Belarus Open waren nur zweitklassig besetzt) und sie wird nicht plötzlich besser auf der RH, nur weil sie EM spielt. Das Psychologie und Atmosphäre Argument zieht auch nicht, da sie ja im Doppel antritt.
Barthel spielt übrigens schon seit ihrer Jugendzeit in Deutschland und für Deutschland. Können also mit Han und Shan nicht verglichen werden.
Mittelham soll in der Schule aktuell Präsenzzeiten bekommen in Hinblick auf die Jugend WM im Dezember. Nicht Nominierung also auch nachvollziehbar.
Was also tun? Mit 3 Spielern ein Qualiturnier wäre sinnlos, vor allem für die Abwehrspielerin Ivencan nachteilig( s. Filus). Letzten World Tour Ergebnisse sind meist auch nicht aussagekräftig, weil jeder seine eigene Vorbereitung hat. Würde man ein Turnier vorgeben, hing zuviel von der Auslosung ab.
Das Gerechteste wäre vermutlich gewesen den Platz nicht zu vergeben.
2. Die Einbürgerung zerstört auch nicht die Nachwuchsarbeit des Verbandes. Talente wie Mittelham, Lemmer, Wan, Mantz um mal nur die ältesten Mädchen zu nennen, die in den Startlöchern stehen. Selbst 2016 in Rio stehen sie bestenfalls erst am Anfang ihrer Karriere. Am Beispiel von Krieghoff sieht man ja, dass das noch nicht sicher sein muss und selbst Solja, welche als Jahrhunderttalent im DTTB gefeiert wurde, hatte ihre Anpassungsprobleme im Erwachsenenbereich. Spieler müssen langsam aufgebaut werden in Hinblick auf ihre Teilnahme an absoluten Höhepunkten(WM,Olympia,EM etc.). Nicht jedes Talent wird aber Profi, was bei den Damen noch schwieriger ist. Die Ausgangslage des DTTB ist seit Jahren männlich wie weiblich so, dass alle Paar Jahre mal ein oder zwei Talente durchkommen. Dies liegt einerseits an der qualitativen wie quantitativen Ausgangslage am Ende der Jugendzeit sowie den allgemeinen Anpassungsproblemen beim Übergang in den Erwachsenenbereich und das Profitum( über gesellschaftliche etc. Gründe wollen wir hier mal nicht reden).
Ich bin der Meinung, dass diese jungen Talente übrigens sich nicht unbedingt das Primärziel setzen in die Nationalmannschaft zu kommen, sondern in die Weltspitze vordringen wollen(denn nur da lässt es sich als Profi bei den Damen leben). Das Ziel Weltspitze aber ist zwar nicht unabhängig von eingebürgerten ChinesenInnen in der Nationalmannschaft, aber das wird überbewertet von einigen Außenstehenden hier. Natürlich hätte eine Solja gern mehr gespielt oder eine Winter auch im Team gespielt. Doch gerade diese neue Konkurrenzsituation, die wir in der letzten Damengeneration nicht hatten(Struse und Schall), ist förderlich. Denn wenn die jungen Wilden die alten Chinesen nicht überwinden(Wu ist dann schon fast 40 in Rio und Shan ist jetzt teilweise schon zu langsam für ihr eigenes Spiel) oder den Kampf nicht annehmen( Ivencan war jahrelang nicht in der Natio und hat sich dann für alle überraschend reingekämpft und das wird sie auch wieder schaffen, wenn sie alles gibt), dann sind sie für Leistungssport nicht geschaffen.
3. Die Chinesen Mafia Argumentation finde ich einfach nur lächerlich. Es gibt bei solchen Trainerentscheidungen seit jeher auf allen leistungssportlichen Ebenen von den Landesverbänden bis hoch in die Natio immer den Vorwurf bei Nominierungen, da sie intransparent seien. Teilweise ist diese Intransparenz gewollt, um eben Lieblinge unter fadenscheinigen Argumenten durchdrücken zu können und teilweise ist sie auch einfach der Fachidiotie der Trainer geschuldet. Denn die sind Trainer und oftmals nur Trainer und sehen aus dieser Trainerperspektive nicht, dass halt noch gewisse andere Dinge dazugehören in der heutigen Zeit, an denen sich früher niemand störte (wie eben Transparenz). Um eine solche Argumentation anbringen zu können, muss man erst mehrere Entscheidungen über einen längeren Zeitraum betrachten. Ich hoffe, dass ich das unter Punkt 1 nachvollziehbar dargelegt habe, warum niemand sonst den Platz von Barthel hätte einnehmen können.
Ich mein bei Wagner waren sich ja viele einig, dass er ein Liebling war. Und ich behaupte, dass Hohmeier auch droht als ein solcher abgestempelt zu werden.
4. Dann hört man immer das Argument der Vermarktung und Präsenz. Viele die hier jetzt schimpfen, interessieren sich auch sonst nicht für Damen TT und werden es auch nie tun, ob da nun Deutsche Damen deutscher oder auch chinesicher Abstammung spielen. Die, die regelmäßig schauen, werden sich in der Mehrzahl vermutlich am guten Sport ergötzen und nur ein kleiner Teil über die Herkunft grämen. Nun ist es beim Damen TT nicht anders als beim Herren TT, dass es vorrangig nur für Leute aus der eigenen Szene interessant ist. Nur ist die Fanbase bei den Damen halt noch viel kleiner und das ganze Drumherum noch viel unprofessioneller als bei den Herren. Professionalität kommt mit Präsenz und Vermarktung und umgekehrt. Doch an aller erster Stelle steht doch der Sport und dessen Attraktivität sowie sympathische Sportler. Da die Chinesen rund um den Globus egal welche Nationalität sie angenommen haben fast immer tollen Sport bieten im TT und im Gegensatz zu früher viel sympathischer rüberkommen, wären die Voraussetzungen eigentlich gar nicht so schlecht. Die Attraktivität des Sports wird auch immer besser, denn es entwickelt sich das Maß an Athletik und Offensivdrang, was man sich bei den Herren wünschen würde, wo es leider zu Haudrauf Sport verkommen ist. Unglücklicherweise mangelt es sowohl bei Damen und Herren oftmals am Spielwitz, den wir alle bei den alten Schweden der 80er/90er Jahre so geschätzt haben. Will man also den TT Sport voranbringen, dann muss in diesem Bereich vorangegangen werden, damit sich wieder mehr Leute für TT interessieren.
Auch dann wird es natürlich Leute geben, die sich an nicht in Deutschland ausgebildeten Spielerinnen stören, doch was bedeutet das denn heute noch, wenn ein Großteil der Trainer auch nicht in Deutschland ausgebildet worden ist. Ob man das gut oder schlecht findet, ist ja auch wichtig. Denn über den Weg die Chinesen ein- oder vll sogar zu überholen gibt es ja auch unterschiedliche Auffassungen und das spielt dort mit rein.
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