Zitat:
Zitat von mithardemb
Es geht hier nicht um Fremdenfeindlichkeit. Wenn wir sagen wir mal mit einer gebürtigen Amerikanerin, einer geb. Chinesin und einer reb. Afrikanerin gewonnen hätten dann wäre die Situation komplett anders. Ovtcharov ist ein gutes Beispiel. Er ist auch nicht in Deutschland gebohren, trotzdem sehe ich hier wenige die Argumenten gegen seinen Einsatz vorbringen würden.
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Du findest also eine diskriminierende Regelung wegen Alters besser  Spaß bei Seite die Regelung der ITTF ist nicht fremdenfeindlich.
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Völlig richtig: Es ist uninteressant, ob ein Sportler auf deutschem Boden geboren wurde. Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft spielt interessiert es mich ja auch nicht, ob Khedira oder Boateng oder andere hier geboren sind oder "deutsches Blut" in den Adern haben. Sie haben den deutschen Pass, sind damit Deutsche und spielberechtigt. Diese ganzen Blut-und-Boden-Theorien sind doch nicht mehr zeitgemäß. Und ich bin auch nicht immer einverstanden mit Jogi Löws Aufstellungen, genauso wenig wie andere Zuschauer. Deswegen aber in der Öffentlichkeit eine fremdenfeindliche Debatte vom Zaun zu brechen, würde den allerwenigsten einfallen. Und diejenigen, die es doch tun würden, bekämen direkt eins auf die Glocke - und zwar völlig zu Recht.
Wenn du dir hier die Beitrage im Forum oder in der Presse durchliest, dann musst du doch zugeben, dass die Diskussion sehr wohl eine fremdenfeindliche Komponente hat. Die kann man ja auch gar nicht übersehen.
Es sind hier zwei Dinge auf unheilvolle Art und Weise miteinander verknüpft worden, nämlich Förderung von Nachwuchsspielerinnen und (Nicht-) Integration von hier nicht geborenen aber deutschen Spielerinnen. Selbst wenn diejenigen, die diese Diskussion losgetrampelt haben, dies im besten Bemühen getan haben, "unsere deutschen" Spielerinnen zu unterstützen, ist es einfach widerwärtig, sich in der Debatte fremdenfeindlicher Tendenzen zu bedienen. Und es ist auch nicht hilfreich, um das "Problem" Nachwuchsförderung zu lösen.
Zunächst einmal muss man ja festhalten, dass Spitzensport nun einmal elitär ist. Ich fand Eddy the Eagle ja auch süß (Medien tauglich war er auch) - trotzdem kann das ja nicht der sportliche Anspruch bei einer Olympiade sein. Der Anspruch ist auf internationalem Level (nicht nur auf europäischem) mitspielen zu können und aufs Treppchen zu kommen. Die deutschen Spielerinnen, die es bisher mal unter die Top 20 der Weltrangliste geschafft haben, kannst du an einer Hand abzählen - und da bleiben vermutlich noch ein paar Finger übrig. Nicole Struse ist x-fache deutsche Meisterin geworden, hat es bis in die europäische Spitze geschafft - in der Weltrangliste war an Position 16 Schluss. Zu der Zeit, als sie in die Nationalmannschaft und in die Bundesliga kam, gab es diese Konkurrenz noch nicht, an der sie sich noch weiter nach vorne hätte arbeiten können. Die hat in der Bundesliga - ich will nicht sagen gegen Fallobst - aber doch häufig gegen Spielerinnen gespielt, gegen die sie in Badelatschen hätte gewinnen können.
Für die wirklich guten Nachwuchsspielerinnen ist die hohe Konkurrenz auch eine große Chance, sich weiterzuentwickeln und mal über Weltranglistenposition 20 hinauszukommen. Dein Argument, dass man für Olympia mit Han und Shan "plant", kann ich nicht nachvollziehen. "Gesetzt" ist für die Nationalmannschaft mit Sicherheit keine. Die sind bis dahin beide 33 und dass es bis dahin keine Spielerin geschafft haben soll, an denen vorbeizuziehen, ist doch gar nicht wahrscheinlich. Und sollte es tatsächlich so sein, dass sie dann immer noch zu den besten gehören, sind sie auch wieder zu Recht aufgestellt.
Die U-23 Quote finde ich günstiger, als Spielerinnen, denen es "nicht passt" oder die keine Entwicklungsperspektiven für sich sehen, nahezulegen, bis zum 21. Lebensjahr die Nationalität zu wechseln. Eine U-23 Quote würde Spielerinnen zunächst mal länger an ihr eigenes Land binden. Die Erfahrung zeigt ja, dass es Spielerinnen schwer haben, auf internationalem Level mitzuspielen, wenn sie aus der Jugend rauskommen. Um ihnen die wichtigen, internationalen Erfahrungen zu ermöglichen, gleichzeitig aber auch die stärksten (älteren) Spielerinnen nominieren zu können, wäre eine solche Quote förderlich. Der "Welpenschutz" wird doch einfach nur ein bisschen verlängert. Wer mit 23 Jahren noch nicht zur absoluten Elite des Landes gehört, wird dann eben auch mal als Ersatzspieler auf der Bank Platz nehmen müssen. Das ist kein Unrecht, sondern Leistungssport.