Einzelnen Beitrag anzeigen
  #1073  
Alt 15.10.2013, 14:53
Friendshipper Friendshipper ist offline
registrierter Besucher
Junior-Forenmitglied
 
Registriert seit: 19.03.2007
Ort: Neustadt i. Sa.
Alter: 45
Beiträge: 71
Friendshipper kommt allgemein ganz gut an (Renommeepunkte mindestens +60)
AW: TT-Europameisterschaft 2013 in Schwechat (4. bis 13. Oktober 2013)

Thiloho hat begonnen die Einzelfälle mal zu bewerten. Ich denk mal das ist der richtige Weg die Diskussion sachlich zu halten und ein generelles Bild vom derzeitigen Umstand zubekommen und die Dinge richtig einzuordnen. Klar ist die Situation schon sehr skuril (s. Podium Dameneinzel)

weitere TT-Spieler-Wechsel-Schicksale:

Mit dem damaligen Calin Creanga wanderten noch weitere Rumänen aus:
Daniel Cioca (heute Ntaniel Tsiokas) ebenfalls nach Griechenland
Traian Ciociu nach Luxemburg
Andras Fejer (Andreas Fejer-Konnert) um 1988 nach Deutschland
Zoltan & Fernec Fejer-Konnerth ca 1990 nach Deutschland

Andere Nationswechsel:
Dmitrij Prokopcov nach 2000 von der Ukraine in die Tschechische Republik
Mihai Bobocica (geb. in Rumänien) nun schon lange in Italien
Zoltan Batorfi (geb. in Ungarn), ab Ende der 90er für Spanien, Bruder von Csilla Batorfi
Nikoletta Stefanova (geb in. BUL), ital. Nationalspielerin, Tochter von Stefan Stefanov
Fliura Bulatova (jetzt. Fliura Abbate-Bulatova), geb. in der heut. Ukraine, Nationalspielerin der UdSSR, später für Italien
Andras Podpinka (geb. in Ungarn) Nationalspieler für Ungarn und ab 1988 für Belgien unterwegs

Familienbedingtes TT-Spielen in einem bestimmten Land:
in Dtl. natürlich die Qiu-Söhne von Qiu Jianxin
Galia Dvorak (span. Nationalspielerin), Tochter von Vladimir Dvorak (ehm. Nationalspieler für UdSSR und später Ukraine, der noch im span. Club-TT aktiv ist)
Niagol Stoyanov (ital. Nationalspieler), geb. in Sofia, Sohn des ehm. bulgarischen Nationalspielers Ivan Stoyanov


Folgende Fragen ergeben sich doch zwangsläufig.

1. Zeitpunkt: Wechselt ein Spieler
a) vor seiner TT-Ausbildung,
b) vor Eintritt in den Erwachsenbereich oder
c) im Herbst seiner Karriere (eventuell erfolgr. Nationalspieler)?

zu a) Dimitrij Ovtcharov, eventuell auch Zolli (obwohl dieser bereits in Rumänien im Schüleralter spielte)
zu b) fällt mir noch kein Beispiel ein
zu c) viele Ex-Nationalspieler, die sich nichts mehr beweisen müssen/sollten aber einer anderen (mehr oder weniger bedürftigen) Nation einen Erfolgsschub bringen: Ni Xialian (LUX), Elena Timina (NED), Fliura Bulatova (ITA)

2. Persönliche Gründe, Karriere
Wechselt ein Spieler, weil er
a) keine Chance hat, jemals Nationalspieler zu werden,
b) keine Chance mehr hat, Nationalspieler (Top-Kader-Spieler) zu bleiben
c) sportliche Steigerung will, ohne unbedingt Nationalspieler zu werden
d) oder aus anderen, wie z.B. sozialen bzw. politischen Gründen?

zu a) betrifft haupsächlich Exil-Chinesen der 2. und 3. Reihe, wie zB. Chen Weixing, Yang Min, Qian Qianli, He Qianhong
zu b) z. Bsp: Thomas Keinath, der sich seinen Olympiatraum erfüllen wollte, aber die starke innerdeutsche Konkurrenz gegen sich sah. Weitere Beispiele: Chen Longcan
zu c) ?
zu d) möglicherweise Kreanga und Tsiokas, welche aus sozialpolitischen Gründen emmigrierten/flüchteten - als Nationalspieler wären sie in Rumänien weiterhin gesetzt gewesen; ebenso ordne ich Georg-Zsolt Böhm und dessen Bruder Dr. Josef Böhm ein
Bei Georg war es einfach sein Grundlevel, wodurch er quasi automatisch auch deutscher Spitzenspieler wurde/sein konnte - dies war aber nicht seine eigentliche Absicht. Auch er war für Rumänien als Nationalspieler gesetzt. Weitere Beispiele: Martin Bratanov (BUL/BEL, in beiden Ländern Nationalspieler), Kostadin Lengerov (BUL/AUT in beiden Ländern Nationalspieler)

3. Ziel-Nation
Hat es eine Nation unbedingt nötig, durch Einbürgerung den sportlichen Level zu erhönen und somit Erfolg zu erzielen?
nein) Damenbereich Deutschland z.B. hat es eigentlich garnicht nötig durch Einbürgerung die innereuropäische Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen, da man auf dem Kontinent neben Rumänien die beste Nachwuchsarbeit leistet und somit aus eigener Kraft Titel gewinnen könnte/kann.
ja) Für den Damenbereich: Luxemburg, die Niederlande war die Einbürgerung ein Segen, sonst würden die ewig in der Standard-Division rumdümpeln: somit wurden EM-Titel geholt.
Für den österreichischen Herrenbereich müsste man diskutieren, was gewesen wäre, wenn es Ding Yi, Qian Qianli und Stanislav Fraczyk nicht gegeben hätte ... oder später Chen Weixing und Robert Gardos? Derzeit bräuchten die Ösis hier nicht mit Einbürgerung nachhelfen (s. Habesöhne und Fegerl und ...) Aber um dieses Level zu erreichen, war man damals wahrscheinlich hierzu gezwungen?!?
Was wäre Spanien heute ohne He Zhiwen?
Auch Yang Min (kein chin. Nationalspieler) war selbst sofort europ. Spitze und führte Italien zu Bronze bei der WM 2000! Dies wäre ohne ihn undenkbar gewesen.

4. Urspungs-nation
Kann es sich ein Nationalverband (sportlich) leisten, Spieler emigrieren zu lassen?
ja) Für China z.B. spielt es keine große Rolle, wenn Ex-Nationaspieler oder Spieler der 3. Garde ins Ausland gehen. Für Deutschand war das Thema Keinath ebenfalls abgehakt. Ich glaube, da wurde nicht groß verhandelt, um ihn zu halten, da man im Herrenbereich ohnehin aus dem vollen schöpfen kann.
nein) Für Rumänien "tat es bestimmt weh" als derart viele Spieler im Zeitraum der 80er das land verließen. Auch einen Prokopcov, der für die Ukraine Länderspiele absolvierte und sogar zur Olympiaquali für Sidney durfte, hat die Ukraine bestimmt ungern ziehen lassen.

Ich denke schon, dass sich auch Außenstehende und die Nicht-Tischtennis-Fans eher mit "in ihrem Land" ausgebildeten Spielern identifizieren. Deshalb hat hier in Dtl. auch niemand ein Problem mit Böhm, Dima oder Zolli (gehabt). Dagegen tut man sich sehr schwer mit dem Großteil der Nationalspielerinnen der EM-Mannschaft.
Hier spielt auch das Zahlenmäßige eine Rolle. Eine Jie Schöpp zwischen 1993 und 1998 war absolut ok. Und wegen ihres Spielsystems und der Spielstärke eine richtige Bereicherung (Team-Bronze bei der WM 1997/in Europa in diesem Zeitraum unangefochten). Bei der Em in Bremen und Olympia in Sydney (mit Qianhong Gotsch, Jie Schöpp und Jing Tian Zörner) gab es dann schon Unmut, auch zwischen den Spielerinnen. Das war dann trotz des Erfolgs zu des Guten. Wobei da auch das Leistungsprinzip angewandt wurde.

Geändert von Friendshipper (15.10.2013 um 15:48 Uhr)
Mit Zitat antworten