Zitat:
Zitat von Mephisto
Der entscheidende Punkt ist, dass in jungen Jahren in viel höheren Umfang mit einem hohen Maß an Disziplin trainiert wird. Ein Maß, dass in Europa (vor allem in Westeuropa) kaum in Einklang mit "kindgerecht" zu bringen ist. Das ganze eingebettet in ein riesiges Fördersystem mit regionalen Stützpunkten. Aus dieser Masse Spiteznspieler_innen setzt sich dann noch einmal die Spitze mit einer lebenslangen Absicherung durch. Dieses Verständnis von Leistungssport ist m.E. nicht auf Europa übertragbar (und auch nicht unbedingt erstrebenswert), da dort schon humanitäre Barrieren schwer überwindbar sind. D.h. was in China mit "Drill" passiert, kann in Europa nur durch eine hohe Eigenmotivation und einer selbstverantwortlichen, hohen Leistungsbereitschaft ein wenig kompensiert werden. Da ist dann schon erstaunlich, dass es überhaupt immer mal wieder einzelne europäische Talente schaffen, die chinesische Phalanx zu durchbrechen. Internatsideen mit integrierten Training in der Schule sind schon eine erste Idee, doch stellt sich halt immer auch die Frage, inwiefern Dinge wie Schulabschluss, Bildung allgemein, berufliche Perspektive nachrangig gegenüber dem Leistungssport gesehen werden. Gerade in der Sportart Tischtennis wäre es fahrlässig, wenn Kinder zu früh nur auf eine Karte setzen. Außer sie sind von ihrem Umfeld materiell abgesichert, dass sie sich dies leisten können und wollen. Dann optimalerweise mit eigener Trainingshalle, Privattrainer_in, starker Trainingsgruppe vor Ort schon im Jugendalter. Dass waren ja auch Dinge, die zusammen kamen, damit Timo Boll den Sprung in die Weltspitze geschafft hat. Das ganze Umfeld hat sich seiner optimalen Entwicklung und Förderung angepasst. Das was hier die Ausnahme ist, passiert in China generell, nur dass sich Spieler_innen in das System einfügen und es nicht nach ihren Bedürfnissen konstruiert wird. Einrichtungen wie das TT-Zentrum in Düsseldorf sind sicherlich erste Antworten darauf (deshalb auch die Intention des DTTB nachvollziehbar, die Toptalente dort zusammenzuholen), doch muss da gerade in Europa eben auch der Rahmen im Sinne von pädagogischer Betreuung und familiärer Bindung/Unterstützung passen. Es sind nun mal unterschiedliche Gesellschaften mit sehr unterschiedlichen Wertesystemen - und der Sport kann nicht isoliert von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen betrachtet werden. Umso schöner, wenn immer mal wieder Europäer_innen in diese Dominanz einbrechen können. Ich würde allerdings die Erwartungen nicht zu hoch hängen, das kann nur zu Enttäuschungen führen.
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Das halte ich fuer eine Maer. Das wuerde ja heissen, dass die Chinesen mit ihren Methoden langfristig ja auch im Fussball, Basketball, etc. die absolute Nummer eins sein koennten. Ich glaube, dass auch in unserem Rechtstaat genuegend Mittel vorhanden sind, Tischtennis professioneller zu gestalten. Und zwar so, dass sie den Chinesen ebenbuertig sind.
Achja, wo sind die vielen Chinesen im Tennis, das ist ja wohl eine Sportart mit relativ vielen Aehnlichkeiten. Der entscheidende Faktor ist Geld. Wenn TT mehr geld generieren wuerde, dann wuerden sich auch mehr und damit auch bessere Leute mit dem Sport beschaeftigen. Es gaebe professionelle Trainer und und und. Ein Kind von Klein auf professionell zu instruieren, wuerde sich finanziell lohnen. Geld allein reicht als Anreiz, man braucht keine Foltermethoden um die Chinesen zu ueberholen.
Seien wir doch mal ehrlich. Die Europaeer sind einfach schlecht trainiert. Sabine Winter ist sicherlich das groesste Bewegungstalent, dass der DTTB jemals hatte. Wenn nicht unfaehiges Personal ihre technische Entwicklung was Rh betrifft vernachlaessigt haette, dann waere sie jetzt die Nummer 1 in Deutschland oder zumindest sehr nahe dran. Das gleiche mit Boll, spielerisch konnte er mithalten, koerperlich eine Zeit lang auch, bloss wurde beides durch unzureichende Technik verbaut: schlechte Rueckhand, orthopaedisch katastrophale Gesamttechnik. Das sogenannte Koryphaeen wie Hampl angeblich Sachen sagen wie "Ovtachrov wird es nie nach ganz oben schaffen" zeigt doch wie provinziell das Ganze hier bei uns ist. Mattenet ist auch so ein Fall von verschenktem Talent. Ovtcharov hat es vorgemacht. Er verbessert sich immer noch was sein sowieso schon starkes Aufschlagspiel betrifft. Das sind Sachen, die jeder trainieren kann. Wieviele Spieler haben Haengbrueste wie Crisan.
Solange nicht alle Europaeer topfit sind und akribisch an allen Facetten ihres Spiels arbeiten, auch an den langweiligen wie Aufschlag, solange sehe ich keinen Grund das gesamteuropaeische Versagen auch nur ansatzweise damit zu erklaeren/entschuldigen, dass wie ja unsere Kinder nicht quaelen duerfen. Bei jedem deutschen Fussballverein ist mehr Zug drin als beim TT.