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Alt 25.02.2004, 03:35
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Felix Lingenau Felix Lingenau ist offline
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Re: Schnittumkehr bei glatten und griffigen Noppen

@Dr. Block:

Na ist doch erstaunlich, daß es in so einem langen Zeitraum keiner versucht hat dir eine plausible Erklärung zu liefern, oder? Ich werde es jetzt jedenfalls versuchen. Ob es gelingt müssen dann andere beurteilen ;-)

Zitat:
Ist diese (die Spinumkehr) denn bei glatten oder bei griffigen LN besser ? Oder läßt sich das gar nicht pauschalisieren ?
Zunächst ist die Frage was man als "Spinumkehr" definiert. Ich würde dies so machen, daß ich damit den "Durchdreheffekt" einer Noppe bezeichnen würde, und zwar für den Fall, daß ein Ball mit Effet auf die Noppe trifft, welche auf einem Standartholz unbeweglich in einer Testapparatur eingespannt ist. Spinumkehr hiesse in meinen Augen also "Wieviel Unterschnitt erzeugt die Noppe auf einen definierten Topspin, der auf die entsprechende Noppe bei einem "Hinhalte-Block" trifft?"

Unter Annahme der von mir gewählten Definition ist deine Frage mit einem klaren "Die Schnittumkehr ist bei glatten Noppen besser" zu beantworten. Grund ist einfach, daß es bei dieser Art von "Durchdreheffekt" (fast) einzig und allein auf die Reibung der Noppe ankommt. Diese ist natürlich bei einer glatten Noppe geringer als bei einer Griffigen. Es geht also einfach weniger Rotation "verloren", wenn sich der Ball an einer glatten Noppe "reibt".

Daß deine Fragestellung natürlich tiefgründigere Aspekte impliziert ist mir völlig klar. Ich will versuchen auch auf deine speziellen Beispiele eine Antwort zu finden:

Zitat:
Beim Schupf auf einen U-Schnitt-Ball kommt beim Gegner bei einer glatten LN Topspin an. Bei einer griffigen Noppe hingegen "greift" der Schnitt viel mehr und wird somit nicht mehr voll zurückgeworfen. Daraus folgt, daß beim Gegner deutlich weniger Topspin oder sogar kein Schnitt ankommt.
Ergebnis: beim Schupf auf Unterschnit ist die glatte Noppe "besser".
Der beschriebene Sachverhalt ist natürlich von dir völlig richtig erkannt worden. Ob deine Schlußfolgerung, daß eine glatte Noppe beim Schupfen besser ist, ist jedoch fraglich. Das kommt selbstverständlich sehr auf das Ziel des Akteurs an. Ich vermute jedoch, daß du meinst, daß der Umkehreffekt der glatten Noppe größer ist. Nach meiner obigen Definition und Schlußfolgerung liegst du damit natürlich richtig. Ich will aber betonen, daß gerade auf mittlerem und höherem Niveau, in den meisten Fällen gerade diese Eigenschaft der glatten Langnoppen als großer "Nachteil" gewertet wird.

Zitat:
Bei U-Schnitt-Abwehr auf Topspin habe ich oft gehört, daß hier die glatten Noppen mehr Schnitt produzieren. Das kann ich jedoch mit meinen Überlegungen nicht so recht nachvollziehen. Wenn ich auf einen Tospspin eine U-Schnitt-Abwehr mit einer glatten Noppe spiele, dann "rutscht" der Spin sozusagen durch und wird spiegelbildlich dem Gegner zurückgegeben. Da eine glatte Noppe aber selbst keinen nennenswerten Schnitt erzeugen kann, kann die Intensität des U-Schnitts maximal die des vorangegangenen Topspins haben.
Bei einer griffigen Noppe hingegen kann aufgrund der Reibung der Noppen meiner Meinung nach die Rotation noch verstärkt werden, da die Rotationsrichtung ja beibehalten wird, so daß man mit griffigen Noppen grundsätzlich mehr Unterschnitt erzeugen dürfte ?!
Auch hier sind deine Überlegungen völlig richtig. Ich würde deine Überlegungen nur noch um des Aspekt der technischen Möglichkeiten des "Abwehrers" ergänzen. Ist der Abwehrer technisch schlecht, wird er es nicht schaffen die griffigen Eigenschaften der Noppe auszunutzen um den Schnitt zu verstärken. Daher wird es in der Abwehr so sein, daß in tieferklassigen Bereichen mehr Unterschnitt mit glatter Noppe produziert wird. Im mittleren und höherklassigen Bereich ist die Technik des Abwehrers in der Regel aber so gut ausgebildet, daß es ihm möglich ist die Reibung der griffigen Noppe zu nutzen. Der reine Umkehreffekt laut meiner Definition ist also auch in diesem Beispiel bei der glatten Noppe größer. Aber dennoch KANN der gespielte Unterschnitt mit einer griffigen Noppe größer ausfallen, da der Schnitt durch entsprechende Schlagtechnik mit ihr verstärkt werden kann.

Zitat:
Ergebnis: beim Schupf auf Unterschnit ist die griffige Noppe "besser".
Ich tippe mal, daß du dich da verschrieben hast, oder?

Zitat:
Wenn man das jedoch konsequent weiterdenkt, müßte man mit einem griffigen NI-Belag am allermeisten U-Schnitt auf Topspin produzieren können. Und ob das stimmt weiß ich nicht.
Ich kann dir da auch keine endgültige Regel verkünden. Aber ich habe meine Bedenken gegen seine Aussage. Schuld daran ist der (zumindest von mir so genannte) "Knubbeleffekt" der Noppen innen Beläge. Damit ist der Wulst gemeint, der sich beim auftreffen des Balles auf einem Noppen innnen Belag bildet. Er bewirkt, daß der ankommende Schnitt bei fest eingespanntem Schläger, umgekehrt wieder "ausgespuckt" wird. Also wenn ich Topspin auf einen NI Belag spiele und dieser nur hingehalten würde, erzeugte er ohne, daß es eine Schlagtechnik benötigte Überschnitt. Ein NI Belag hat also im Sinne meiner oben genannten Definition überhaupt keinen Durchdreheffekt, sondern das Gegenteil - einen "Ich-geb-dir-zurück-was-du-gespielt-hast-Effekt" ;-) Bezogen auf dein Beispiel bedeutet dies, daß der NI Belag auf den ankommenden Topspin eigentlich Überschnitt erzeugen "will". Bei einem griffigen NA Belag wäre von vornherein Unterschnitt erzeugt worden. Mit dem griffigen NA Belag kann ich diesen Unterschnitt nun durch eine gute Schlagtechnik verstärken. Mit einem NI Belag jedoch muss ich durch meine gute Schlagtechnik ersteinmal den "Knubbeleffekt" "überwinden". Ein Teil der Energie meines Abwehrschlages mit einem NI Belag verpufft sozusagen in Rotationkompensation, bevor der restliche Energieteil in die Erzeugung eigenen Unterschnitts fließen kann. Die kritische Frage ist da nun also, ob der Abwehrer in der Lage ist den Griffigkeitsvorteil des NI Belages gegenüber dem Knubbeleffekt auszuspielen um ein noch höheres Maß an Unterschnitt zu erzeugen. Die Praxis (siehe Weltklasse Abwehrer) legt Nahe, daß dieses ein Ding der Unmöglichkeit sein könnte.

Ich hoffe ein wenig geholfen zu haben. Sind noch Dinge unklar, dann frage bitte konkret nach. Gruß, Felix
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"Abwehr ist die beste Verteidigung" Kai Ströde 2006.

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