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Infos zum Stretching und Auslaufen
@Noppengott: Na so ganz ahnungslos wie du tust bist du nun doch wirklich nicht. Alle deine Aussagen sind im Prinzip vollkommen korrekt gewesen. Dem von dir zitierten Artikel (darf man den eigentlich so völlig ungachtet jeglichen Copyrights ungestraft hier veröffentlichen?) stehe ich allerdings recht kritisch gegenüber. Inhaltlich (Text) kann ich dem Artikel zwar in hohem Maße entsprechen, doch die (zumindest im TTL) beigefügten Übungsbeispiele wiedersprechen völlig den vorher gemachten Aussagen und stellen die Ernsthaftigkeit des Artikels in meine Augen in Frage.
Aber beschränken wir uns nochmal auf eine Zusammenfassung des veralteten und des aktuellen Kenntnisstandes an dieser Stelle:
Früher:
Dem Dehnen wurden viele "Wunderdinge" zugeschrieben. Es sollte angeblich das Verletzungrisiko vermindern, Muskelverkürzungen beheben, einer beschleunigten Regeneration zuträglich sein und die Beweglichkeit verbessern. Warscheinlich habe ich sogar weitere Aspekte vergessen.
Heute:
Inzwischen wurden viele wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen um die Wirkungen des Stretchings genauer unter die Lupe zu nehmen. Und noch gibt es durchaus kontoverse Meinungen, doch es sammelt sich eine immer größere Mehrheit unter den Experten, die eigentlich alle dem Stretching zugeschriebenen Wirkungen bestreitet. Einzige Ausnahme ist die Verbesserung der Beweglichkeit, die unumstritten ist. Allerdings gibt es auch in diesem Bereich noch eine große Diskussion über die Ursache dieser Wirkungsweise. Unbestritten ist also, daß Dehnen eine Verbesserung der Beweglichkeit bewirkt. Warum das so ist, ist allerdings noch umstritten. Alle anderen dem Stretching früher zugewiesenen Effekte sind entweder nachweislich nicht vorhanden, oder stehen zumindest in einer äusserst skeptischen Diskussion.
Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ist der Einsatz von Stretching im Training also nur dann sinnvoll, wenn es darum geht leistungseinschränkende Beweglichkeitseinschränkungen zu bekämpfen. Ein Einsatz des Stretchings ist auch dann sinnvoll, wenn es dazu dient Einschränkungen in der Beweglichkeit bei Alltagsbewegungen auszuräumen. Ich schrenke den sinnvollen Einsatz hier ganz bewusst deutlich ein. Da unterscheide ich mich im Fazit vom oben zitierten Artikel. Dort ist mir das Fazit etwas zu "pro-stretching-lastig". Es ist weiterhin definitiv sinnvoll, aber andererseits auch nur für die von mir genannten Bereiche. Das muß einem klar sein. Und dementsprechend müssen die Dehnübungen auch ausgewählt werden. Wie gesagt wurde dies im TTL, in welchem der Artikel veröffentlicht wurde leider überhaupt nicht gut beachtet.
Der zweite Punkt der in diesem Thema ja gefragt war ist das Auslaufen. In diesem Punkt ist mir keine Verschiebung der Erkenntnisse in den letzten Jahren bekannt. Es wird davon ausgegangen, daß unter leichter (sehr leichter, halt lockeres (!) auslaufen) Belastung das Laktat schneller abgebaut werden kann als in vollkommener Ruhe. Da das Laktat nach ca. 2 Stunden ohnehin nahezu vollständig abgebaut ist macht das Auslaufen aus trainingswissenschaftlicher Sicht nur dann Sinn, wenn der nächste intensive Belastungsreiz vor Ablauf dieser Zeitspanne anliegt.
Dann ist noch die Frage nach den verkürzten Muskeln zu klären. Und auch da hat Noppengott eigentlich schon die vollkommen richtige Antwort gegeben.
Trainiere ich einen Muskel besonders gut, dann wird er "stärker" um es mal auf einen verständlichen Nenner zu bringen. Ist ja auch völlig logisch. Ein starker Muskel hat auch eine höhere Grundspannung. Er zeith sich zusammen. Das nennt man dann Muskelverkürzung. Unser Körper ist aber so aufgebaut, daß es zu jedem Muskel (Agonist) einen Gegenspieler (den Antagonisten) gibt. Zum Beipsiel ist der Bizeps der Gegenspieler des Trizeps und umgekehrt. Ist einder der beiden Muskel unverhältnismässig stark (gegenüber seinem Antagonisten), kommt es zu einer Fehlstellung des entsprechenden Körperteils. Eigentlich ist es auch logisch, daß da Dehnen nicht helfen kann. Selbst wenn der Muskel länger würde (was er NICHT wird), veränderte das ja nichts an seiner "Stärke". Man nennt dieses Mißverhältnis an "Stärke" zwischen Agonist und Antagonist eine "muskuläre Dysbalance". Diese kann man ausgleichen indem man nun den schwachen Muskel durch gezieltes Training aufbaut, bis er so stark ist, daß das Stärkenverhältnis zwischen Agonist und Antagonist wieder in "gesunde Bahnen" gelenkt ist. Entscheidend um Fehlstellungen zu vermeiden ist also weder die Länge, noch die Stärke eines Muskels, sondern vielmehr das "Stärkenverhältnis" zwischen Agonist und Antagonist. Dieses sollte in einem natürlichen Rahmen liegen und darf bestimmte kritische Abeichungen nicht überschreiten. Wie Noppengott schon sagte werden Muskelverkürzungen also nicht durch Dehnen, sondern durch Krafttraining (gezielter Aufbau des Gegenspielers) bekämpft.
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"Abwehr ist die beste Verteidigung" Kai Ströde 2006.
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Geändert von Felix Lingenau (25.02.2004 um 04:33 Uhr)
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