(Beitrag vom 18.10.2013)
Zitat:
Zitat von Waterhouse
Wie stehst Du zu dem Thema? Kommst ja auch viel rum. Ist es richtig, die Damenmannschaft so zu stellen?
|
Puuuh, habe mich mit dem Thema nicht großartig beschäftigt, da ich in den letzten Wochen wieder mal zeitlich sehr ausgelastet war.
Dazu kam mein schwer krebskranker Vater wieder ins Krankenhaus und wurde erneut operiert, weshalb ich diese Woche auch nicht bei unserem Auswärtsspiel gegen Werder Bremen dabei war. Für EM also keinen Kopf gehabt.
Ok, wie ich dazu stehe, gute Frage...
Man muss die Situation von verschiedenen Seiten beleuchten. Natürlich gibt es die rechtliche Seite, dass die Damen die deutsche Staatsbürgerschaft haben und damit auch dieselben Rechte haben sollten, wie alle anderen deutschen Staatsbürger.
Aber es gibt auch das Thema "Außenwirkung, Auswirkungen für unsere Sportart und die davon ausgehende Botschaft (international, national, auch speziell für ambitionierte Spielerinnen und Trainer im Nachwuchsleistungssport)".
Völlig unabhängig von jeglichen rechtlichen und moralischen Überlegungen, muss man einfach feststellen, dass es eine sehr "spezielle" (manche sagen auch "verheerende") Außenwirkung hat, wenn in einem EM-Viertelfinale
7 "
chinesische" Spielerinnen und nur
1 gebürtige europäische Spielerin vertreten sind.
Ähnliches habe ich auch schon im Forum gelesen und dann wurde direkt die Rassismus-Keule geschwungen. Um das geht es doch gar nicht.
Ich gehe mal davon aus, dass mich niemand auch nur ansatzweise in eine rechte Ecke stellen wird, insbesondere nachdem ich seit zwei Jahrzehnten permanent und gerne mit Tischtennis-Spielern/innen aus allen Ecken der Welt zusammenarbeite. Daher hoffe ich auch mal, dass meine spontanen Aussagen nicht zu sehr auf die Goldwaage gelegt werden und man nicht mit der Lupe nach "politisch unkorrekten Formulierungen" sucht.
Es wäre genauso ungut, wenn plötzlich in Asien diverse kubanische und us-amerikanische Sprinter eingebürgert werden, weil diese mangels Perspektive im eigenen Land nach Singapur oder Taiwan gezogen sind, dort den jeweiligen Pass bekommen hätten und dadurch in den Sprintwettbewerben bei Leichtathletik-Asien-Meisterschaften im Finallauf 7 Kubaner und US-Boys dem "eigentlich stärksten Asiaten" in Grund und Boden laufen.
Das gleiche gilt für Langstreckenläufer aus Kenia und Äthiopien, wenn plötzlich in Europa "jedes Land" eine "afrikanische Nummer 1" hätte.
Oder wenn Skiläufer und Skispringer aus Österreich oder deutsche Rodler plötzlich für alle möglichen südamerikanischen Länder rund um die Anden-Gebirgskette "tätig" werden.
usw.
Ich denke, man kann in dieser gesamten Angelegenheit nicht allem und jedem gerecht werden. Eine Ideallösung wird es nicht geben.
Die sinnvollste Kompromiss-Lösung wäre wahrscheinlich, wenn man eine rechtlich möglichst nicht angreifbare Regelung finden würde, die in etwa das hier enthält:
- kein Wechsel der Nationalmannschaft im Damen-/Herrenbereich (wer für Land A in der Damen-/Herren-Nationalmannschaft spielt, kann später nicht für ein Land B in der Nationalmannschaft spielen). Ist doch im Fußball meines Wissens so!?
- Jugend-Nationalspieler U15/U18 eines Landes A können später nach Einbürgerung in Land B für deren Damen-/Herren-Nationalmannschaft spielen, wenn sie vor Vollendung des 18. Lebensjahres in das andere Land gezogen sind.
- Spieler/innen, die nie in einer Jugend-Nationalmannschaft eines Landes A gespielt haben, können später nach Einbürgerung in Land B für deren Damen-/Herren-Nationalmannschaft spielen, wenn sie vor Vollendung des 21. Lebensjahres in das andere Land gezogen sind.
Nachdem die Regeln aber momentan noch nicht so sind und man daher von der aktuellen Situation ausgehen muss, denke ich, dass man sich einige Kritik hätte ersparen können - insbesondere nach der Kritik in den Medien vor ein paar Jahren von Dirk Schimmelpfennig an der Situation mit vielen eingebürgerten Chinesinnen in Europa - , wenn man nicht 4 gebürtige Chinesinnen für den 7-köpfigen Damenkader (mit gebürtiger Chinesin als Nationaltrainerin) nominiert hätte, sondern nur 2 oder maximal 3
Wenn man sieht, dass die vier Spielerinnen Silbereisen, Ivancan, Solja und Barthel (mit 14 oder 15 nach Deutschland gekommen) in der Europarangliste die Plätze 8, 19, 20 und 21 belegen (WRL 33, 52, 57 und 58), dazu noch die beiden Nachwuchstalente Winter und Mittelham kommen (Europa 34 und 52, WRL 101 und 140), dann passt das auch ganz gut.
Wenn bei einem siebenköpfigen Kader dazu noch z.B. Wu Jiaduo kommt oder falls die EM für Mittelham noch etwas zu früh kommt (bzw. sie sollte meines Wissens aus schulischen Gründen den Fokus auf die Jugend-WM legen), dann hätte noch Shan Xiaona oder Han Ying spielen können.
Wenn jetzt wieder jemand das Thema "politisch korrekt" und "rechtlich einwandfrei" ins Spiel bringen will:
Mit welcher Begründung man es ein oder zwei der über 30-jährigen chinesischen Spielerinnen Wu Jiaduo, Shan Xiaona und Han Ying mit teilweise frisch erhaltener deutscher Staatsbürgerschaft verwehren hätte können, bei der EM in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen?
Ganz einfach: Die Nationalmannschaft hat sich wohl noch (nahezu?) nie streng nach Weltrangliste automatisch aufgestellt, sondern man wurde nominiert.
Und wenn man sagt, die Besten müssten spielen, dann kann man anführen, dass Stefan Kießling von Jogi Löw auch nicht für die Fußball-Nationalmannschaft nominiert wurde, obwohl er letzte Saison Bundesliga-Torschützenkönig wurde.
Außerdem liegen die besten 7 deutschen Damen in der Weltrangliste dermaßen eng zusammen, sind gerade mal durch 26 Plätze getrennt (beste Platz 32, siebtbeste Platz 58), das ist nichts und kann sich mit einem einzigen Turnier ändern.
Man muss bei Nominierungen auch das Thema Perspektive im Blick haben!
Bei EM und WM kann man dementsprechend nominieren. Olympia ist ein anderes Thema. Wenn der DOSB die beiden besten Spielerinnen in der WRL nominiert, dann ist das eben so. Aber aktuell hätte es jede der besten sieben Spielerinnen selber in der Hand - gerade mal 26 Plätze Unterschied!
Naja, das waren jetzt mal meine ersten spontanen Gedanken zu dem Thema - allerdings nur im Stress so nebenher geschrieben, bestimmt 10 mal unterbrochen worden (deshalb hat die Antwort auch so lange gedauert) und nicht gründlicher durchdacht.
Auf ein nochmaliges Durchlesen dieses Beitrages vor dem Abschicken verzichte ich heute aus zeitlichen Gründen. Ich mache normalerweise sowieso wenig Rechtschreibfehler und hoffe mal, dass mein heutiges Stückwerk nicht zu holprig und wirr war.