Zitat:
Zitat von Chris Kratzenstein
G8 ist übrigens auch nicht die Ursache. Sondern die Ursache ist, dass der Lehrplan nicht auf G8 angepasst wurde. Ist aber nun wirklich ein ganz anderes Thema. Und über Schulsysteme wollen wir in diesem Thread zumindest nicht diskutieren.
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Über das Bildungssystem müssen wir sprechen, denn es ist entscheidend dafür, warum viele Sportarten allgemein und Tischtennis speziell, eine negative Mitgliederentwicklung haben. Das hier nicht zu diskutieren, ist völlig an der Realität des Problems vorbei.
Die Sportangebote im Nachmittagsunterricht der Schulen stehen in direkter Konkurrenz zu Vereinssport. Nach den langen Schultagen und evtl. noch offener Hausaufgaben am Vorabend fehlen oft Motivation und Antrieb (oder Erlaubnis der Eltern), noch ein Vereinssportangebot regelmäßig zu nutzen (und TT ist ein Sport, in dem 2-3x Training für eine gute Entwicklung notwendig ist). Aus der Not wird eine Tugend gemacht und versucht, in die Nachmittagsangebote der Schulen als Vereine kooperativ reinzudrängen. Dann sind die Kids aber noch kein Mitglied. Außerdem stellt sich die Frage, wer es zeitlich mit seinem Leben kombinieren kann, schon nachmittags ab 14/15h Training zu geben. Dafür gibt es 4 Personengruppen: Hauptamtliche Trainer_innen, Studierende, Rentner_innen, FSJ'ler_innen. Traditionell waren das Studierende, die aber immer weniger durch ein verschultes Studium und wenig Freiräume zur Verfügung stehen. Die technische und pädagogische Eignung von Rentner_innen kann sehr unterschiedlich sein. Berufstrainer_innen sind Freiberufler_innen, die prekär arbeiten/ leben und in den seltensten Fällen eine enge Vereinsbindung haben (können). Das FSJ muss die Person sich leisten können, sie muss erst einmal gefunden werde, letztlich ist es eine Antwort als "das Richtige im Falschen" auf diese strukturellen Schwierigkeiten. Trotzdem gut, dass der DTTB dort viele Hilfestellungen gibt. Die mentale Schwierigkeit einhergehend mit dem Bildungssystem ist die frühe Lebenslauforientierung der Heranwachsenden, frühzeitig schon in der allgemeinbildenden Schulphase und auch später in Berufsausbildung oder Studium wird fast alles einer Prüfung nach verwertbaren Nutzen und Kompetenzgewinn statt nach Interesse und Lust unterzogen. Und da gibt es noch viele Kompetenzen außerhalb des Sports, aber auch der Sport bietet bei positiver Betrachtung da eine ganze Menge. Das könnte man jetzt noch ausweiten. Jedenfalls schränken die gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen klassischen Vereinssport massiv ein. Und wir haben noch nicht über individualisierte Trendsportarten gesprochen. Unter diesen verändernden Rahmenbedingungen gibt es neben dem Einrichten und Wahrnehmen solcher Kooperationsangebote letztlich nur die Flucht nach vorne: Gute Jugendarbeit mit kompetenten Übungsleiter_innen (fachlich und sozial) und einem Vereinsleben.
Zitat:
Zitat von Chris Kratzenstein
Aber letztendlich geht es um den ganzen Verein in dem ich Mitglied bin. Der komtm zuerst. Dann kommt die Mannschaft und dann kome ich selber.
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Zitat von Brett13
Im Vereinsleben ist das Miteinander angesagt und nicht: Erst der Verein, dann die 1. Mannschaft, dann die 2. Mannschaft, usw und dann erst der Einzelne.
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Letztlich geht es immer um einen Ausgleich von Kollektiv- und Individualinteressen. Und wie man das in einem geordneten Prozess systematisch angeht. Wenn die Individualinteressen Überhand gewinnen oder Teilgruppen ihre Interessen zu Lasten der Anderen durchsetzen, ist das i.d.R. für einen Verein der Anfang vom Ende.