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AW: Beläge: China-Beläge tunen
Bin zwar kein Chemiker aber hier mal ein paar zusammengesuchte Basisinfos zu "Lampenöl":
== Zusammensetzung ==
Lampenöl besteht aus "Paraffinöl", Paraffin ist dabei einfach eine andere (veraltete) Bezeichnung für Alkane, also gesättigte Kohlenwasserstoffe.
Hergestellt wird es aus Erdöl. Oder auch aus regenerativem Ausgangsmaterial, heißt dann Bio-Lampenöl. Das wird wohl aus Rapsöl gewonnen und soll nicht ganz so dünnflüssig sein (nicht getestet).
Durch bestimmte Filterung/Reinigung kann es recht rein werden. Wenn es sehr dünnflüssig ist, enthält es hauptsächlich wohl mittlere Alkane C9- bis C11. C9 hat die gleiche Viskosität wie Wasser. Dünnflüssiges Lampenöl ist also vergleichbar mit Diesel oder Kerosin, das hauptsächlich aus 8- bis zu 12-kettigen Alkanen besteht (+ z.T. früher siedenden und damit stark riechende Nebenbestandteile des Rohöls). Speiseöle müssten bei C13 und C14 liegen und sind deutlich dickflüssiger, ab C17 ist Paraffin dann bei Raumtemperatur fest (Vaseline oder Wachs). Autobenzin bzw. Leichtbenzin besteht dagegen aus 5- bis 7-kettigen Alkanen.
Ich hab Erdöl-Lampenöl aus dem Baumarkt. 1l für 3,99 EUR. Das selbe kostet online z.T. < 2 EUR. Es ist völlig geruchlos. Und sehr dünnflüssig. Brennt auf einem Teelöffel, mit Feuerzeug erhitzen, selbständig und rußfrei ab (Zeichen für hochreine, mittlere Alkane).
Giftig ist Lampenöl meines Wissens nach nur deswegen, weil insbesondere Kleinkinder gerne an den Dochten nuckeln/saugen oder aus den Duftölflaschen trinken. Im Magen weitgehend ungefährlich, Problem ist die Lunge (blockiert irgendwie die Kapillaren/Zellmembran). Ist also nicht giftiger als generell dünnflüssige Alkane, die nicht in die Lunge geraten dürfen.
== Anwendung ==
Beim Tunen des Schwammes mit Lampenöl ist mir aufgefallen, dass das ja nicht allzu weit in den Schwamm eindringt und mehr oder weniger nur den (vorhandenen) Kleber anlöst. Der untere Bereich des Schwammes wird schließlich etwas angeweicht. Der Anschlag wird dabei aber kaum weicher und auch sonst hab ich keinen so großen Effekt bemerkt (Skyline TG3 und Vega Pro probiert).
Nun könnte das Tuning etwas besser funktionieren, wenn der Schwamm unten fester bleibt, und zum Obergummi etwas flexibler - war so zumindest erstmal eine Idee.
Hab Lampenöl probeweise mal bei einem alten Vega Europe mit einer Spritze entlang der Noppen, also zwischen Belag und Schwamm gespritzt. Spritze dabei genau zwischen den Noppen durchfädeln und beim rausziehen vorsichtig etwas Öl abgeben, ganz wenig reicht.
Man muss etwas darauf achten, dass das gleichmäßig wird und keine Huppel entstehen, denn an den benetzten Stellen dehnt sich das aus. Wird leicht wellig, ähnlich wie nach Kleben mit VOC-Kleber. Nach ein paar Tagen diffundiert das Öl aber offenbar soweit, dass die Fläche wieder schön plan wird. Der Belag dehnt sich stark aus, ca 6-7mm auf die Schlägerfläche gerechnet. Ergibt interessanter Weise keine Wölbung, da sich Schwamm und Obergummi etwa gleich ausdehnen. Auflösung der Verklebung zwischen Belag und Schwamm konnte ich nicht feststellen. Belag wird jedenfalls viel weicher, bei Tempozuwachs, mehr Katapult und etwas mehr Spin und sogar leichtes Klicken.
Ich weiß leider nicht genau, ob es an dem Verfahren mit der Spritze lag oder der Vega Europe wegen seines grobporigen Schwammes das Lampenöl besonders gut aufnimmt.
Die dichteren Schwämme vom Vega Pro/Tour oder Skyline TG3 reagierten mit Einreiben des Schwammes jedenfalls wenig auf Lampenöl. Ein Hexer Pips+ reagierte darauf allerdings recht stark. Die Noppen lassen sich übrigens genauso "tunen" wie anderes Obergummi, Lampenöl zieht da recht schnell ein, wird größer und weicher.
Edit: hab den Vega Tour zu schnell aufgeklebt. Man muss schon etwas warten, biss sich alles ausdehnt. Wird dann richtig gewölbt. Einige Stunden, aber wohl besser über Nacht, erst dann aufkleben. Wird das Obergummi mit behandelt, kann man die ansonsten starke Wölbung eindämmen. Geht dann etwas leichter mit dem Kleben, ansonsten löst sich das an den Rändern immer wieder.
== Wirkweise ==
Alkane lösen ja Gummi (=elastische Polymere) auf, laut Wikipedai bis "zu einer klebrigen Masse".
Essigsäure soll ja auch Gummi anweichen, also z.B. Mischung aus Essigessenz mit Bioethanol. Grundsätzlich geht dabei Festigkeit verloren.
Das kann zur oberflächlichen Regeneration der Griffigkeit des Obermaterial taugen (Essig hab ich selber nicht ausprobiert), so lange die darunter liegende Elastizität nicht zu sehr beeinträchtigt wird und auch die Verklebung Obergummi-zu-Schwamm sollte natürlich nicht angelöst werden.
Grundsätzlich taugt dazu also alles was Gummi weich macht.
Ob Öl da nun besser geeignet ist als Essig-Ethanol-Mischung müsste man mal testen. Aufpassen muss man, dass es das Gummi tieferer Schichten nicht zu stark zersetzt. Plausibel ist ansonsten auch, dass oxidierende Öle (= "trocknende" Öle, z.B. Leinöl) dabei weniger geeignet sind.
Kurzkettige (und reinere) Alkane sollten jedenfalls mehr Wirkung haben, mindestens weil sie besser aufgenommen werden (Kapillarwirkung des Schwammes), und mehr Gasdruck. Lampenöl scheint aber bereits kaum noch zu verdampfen, der Gasdruckeffekt dürfte also verschwindend sein. Der Effekt hält dafür natürlich länger, wohl im Bereich von Wochen bis Monaten (genaues noch zu testen).
Geändert von pibach (01.01.2014 um 17:16 Uhr)
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