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AW: Matthew Syed, „Was heißt schon Talent?“
Im Tischtennis wird der Begriff "Talent" ja häufig mit motorischen Fähigkeiten und dem sogenannten Ballgefühl gleichgesetzt. Da ein Trainer diese Dinge einfach viel schneller erkennen kann, als Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen, stehen erstere in unserem Sport seit Jahren im Vordergrund. Ob das gut oder schlecht ist sei mal dahingestellt, aber im normalen Verein ist das nunmal die Realität. Wer sich dann trotzdem durchbeißt, obwohl vielleicht die ideale Veriensförderung nicht vorhanden ist, der beweißt wahres "Talent" bei der Durchsetzungsfähigkeit.
Im Umkehrschluss kann ein Trainer in einem größeren Verein aber nicht einfach so jeden besonders fördern, sondern eher die, die ein gutes Ballgefühl zeigen. Im Fall Ovtcharov hat sicher der Vater eine große Rolle gespielt und dieses Modell kann demnach genauso zum Erfolg führen.
Bevor jetzt jemand sagt, dass etwas wie Ballgefühl nicht existiert, weil es ja das angeborene Talent nicht gibt, möchte ich anführen, dass ich nicht glaube, dass Ballgefühl unbedingt in den Genen liegt. Genausowenig wie übrigens Durchsetzungsvermögen und mentale Stärke. Vielmehr glaube ich an frühkindliche Erfahrungen und Übungen. Es gab mal eine schönes Buch über Waldner, da hieß es, dass in der Familie ständig mit Bällen, Wurfpfeilen usw. gespielt wurde. Gleichzeitig stand immer der Wettkampf unter den Familienmitgliedern im Vordergrund. Es wurde darum gespielt, wer die Sporttasche tragen muss, wer den Abwasch macht usw.. Der gute Jan-Ove hat also wirklich ein Komplettpaket abgekriegt. Natürlich kann ich dabei aber auch nicht ausschließen, dass die Genetik einen Anteil hat.
Wenn wir aber in unserer Kooperation mit den Grundschulen Kinder zur Sichtung einladen, dann können wir notgedrungen nur auf die Bewegungsabläufe und den Umgang mit Bällen achten. Alles andere lässt sich in großen Gruppen und beschränkter Zeit nicht abschätzen.
Und bei der Motorik gibt es teilweise riesige Unterschiede. Das reicht von Kindern, die beim Warmlaufen über die eigenen Beine stolpern, bis zu welchen, die am Ende am Tisch erste Ansätze von Topspins zeigen.
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