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AW: Moderne Abwehr? ... doch die Entschlossenheit fehlt
Die Entscheidung für ein Spielsystem ist sehr individuell und auch, wenn in der Weltspitze (aktuell) wenige Abwehrer unterwegs sind, heißt das nicht, dass das Abwehrsystem in anderen Klassen nicht besonders erfolgreich sein kann (auch weil viele nicht gewohnt sind gegen Verteidiger zu spielen). Das Angriffsspiel wird deutlich mehr gelehrt und unterstützt, es ist kein Wunder, dass es seltener welche gibt.
Wenn dir das Abwehrspiel mit Rückhand zusagt, würde ich das einfach austesten. Gut wäre auch ein Berater, der dieses Spiel spielt. Ein paar Hinweise finden sich auch in Taktik-Ratgebern wie "Taktik im Tischtennis - Mit dem Kopf gewinnen" oder "Table Tennis Tactics for Thinkers" - das ist aber nur in englisch erhältlich. Die erklären zumindest die groben Eigenheiten verschiedener gängiger Grundsysteme. Wobei letzteres auch gut erklärt, wie man ein eigenes System strategisch (heißt auf lange Zeit) entwickelt und verändert (Beispielsweise, dass man sich auch verändern kann von Blocker/Schläger zum spinorientierten Angreifer). Auch ist es möglich ein Hauptsystem zu entwickeln und eine Alternative zu haben, wenn man einen schlechten Tag hat oder bestimmte Gegner einfacher mit dem B-System zu schlagen sind. Also Harter Angreifer oder Topspin-orientiert beispielsweise. Viele moderne Abwehrer setzen lange Noppen auf der Rückhand ein. Eine Alternative könnte dann ein Tischnahes Konter/Block/Schlag-Spiel mit NI oder kurzen Noppen sein, während die Vorhand spinorientiert angreift. Der Spin-Wechsel lange Noppen zu NI ist am größten und macht dem Gegner die größten Schwierigkeiten - ist aber auch schwer zu erlernen, weil sich der Schläger für dich komplett anders anfühlt. Bei kurzen Noppen ist der Unterschied geringer, du kannst aber gut Blocken und Schießen. Ob es zum Einstieg und zum ausprobieren sinnvoll ist, gleich auf einen Noppenbelag zu gehen, weiß ich nicht, es gibt ja auch langsame spinnige Chop-Beläge, wie den Tackiness C, mit dem man auch wunderbar spinnige, aber langsame Topspins ziehen kann (gut platziert sind die auch nicht ungefährlich).
Wie man geringes Trainingspensum kompensieren kann weiß ich nicht genau (wobei die meisten Spieler nicht mehr trainieren als 2 mal die Woche). Wichtig ist aber immer, dass man das Training möglich intensiv und mit immer steigenden Anforderungen aufbaut, um jedes mal dazuzulernen und schwierigere Schläge und Kombinationen ausführt. Du kannst dich auch umschauen, ob einer deiner Vereinskollegen eine Platte zuhause hat und einen Trainingspartner braucht.
Gerade ein Abwehrer, der auch gut angreifen will muss die Umstellung von der Abwehr zum Angriff sehr gut beherrschen und auch den Mut dazu haben - das erfordert neben den eventuellen Eigenheiten der genutzten Beläge sicher ein erhöhten Trainingsaufwand. Wobei der Angriff im modernen Abwehrspiel nicht nur dazu dient, direkte Punkte zu machen, sondern auch dazu dient den Gegner zu verunsichern (unter Druck zu setzen) und zu riskanteren (und meist fehlerbehafteten) Angriffen zu verleiten.
Ich spiele beidhändig Spin-Angriff. Unter Druck setze ich ab und an die lange Schnittabwehr erfolgreich ein das ist recht ungewohnt für viele Spieler und führt oft zum direkten Punktgewinn aus einer eigentlich ausweglosen Situation, weil hier wegen dem Unterschnitt der Return häufig im Netz landet auch bekomme ich da gemeinen Seitschnitt rein. Wobei ich Seitenschnitt auch reinmache, damit der Ball mit meinen schnellen Beläge nicht über den Tisch rausfliegt.
Wenn es also nicht klappt mit der Umstellung, hättest du einen netten Notschlag gelernt.
Geändert von Rudiratlos (05.04.2014 um 15:14 Uhr)
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