Einzelnen Beitrag anzeigen
  #19  
Alt 09.03.2004, 12:42
Taugenichts Taugenichts ist offline
registrierter Besucher
Foren-Stammgast 500
 
Registriert seit: 21.10.2003
Ort: Rothenburg
Alter: 61
Beiträge: 702
Taugenichts ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
Re: Handgelenkeinsatz als rotationsverstärkendes Element der TT-Technik

@martinspin
Den Noppenkonter und Schuss brauche ich tatsächlich seltener, ist aber nicht nur eine Frage des Spielsystems, sondern auch der Schwierigkeiten mit diesen Schlägen. Das braucht schon ein gutes Timing, und man kann die Bälle nur erfolgversprechend spielen wenn man sie früh am oder sogar über dem Tisch nehmen kann. Vor allem, wenn das Material eher für die US-Abwehr optimiert wurde (0.5 mm Schwamm statt ca. 1.5 mm...). Ich würde mich mit der Noppe gerne auf Abwehr und Schupfvarianten beschränken wie z.B ein Joo Se Hyuk, nur spielen leider meine Gegner nicht so konsequent offensiv, so dass ich irgendeine Methode haben muss, um schwache Bälle auf der RH zu vermeiden. Eine Kurznoppe auf der VH kommt nicht in Frage, da ich damit meinen besten Schlag vergessen könnte (extrem rotationsreicher TS). Bin auf der VH schon in gewissem Sinne eindimensionaler, d.h. wie Du sagst, TS-Spiel mit Winnerabsichten (lässt sich natürlich auch aufgrund der häufig vom Gegner ausgehenden Initiative nicht konsequent durchziehen).
Bin übrigens am Sonntag leider nicht Zürcher Kantonsmeister D geworden, weil in Halbfinale ein Gegner recht clever gespielt hat und gerade von meiner RH-Seite auf tote Bälle häufig etwas zu hohe, schwache Rückschläge kamen. Zudem hat die VH-Maschine etwas gestottert, so dass pro Satz etwa ein bis zwei Bälle zuwenig auf dem Tisch landeten (waren im Trefferfall zu etwa 80% direkte Punkte). Das bestärkt mich in meinem Programm: VH-Top weiter verbessern, RH-Schupfkontrolle verbessern. Zudem offensive Noppenschläge auf nächste Saison einbauen.

Zum Spiel von Boll könnte man einiges sagen. Erst mal ist es insgesamt gewissermassen die Spielweise des 21. Jahrhunderts, d.h. Bälle relativ früh nehmen, möglichst nie passiv, immer Gegenspinversuch. Das sieht natürlich sehr gut aus wenn's läuft (wie gegen Ryu), aber ist halt auch sehr schwierig und riskant, d.h. es sieht schnell sehr schlecht aus wenn der Motor nur irgendwie ein bisschen stottert. Ein Samsonov z.B. geht kaum je so unter wie Timo im dritten Satz, auch wenn er schlecht spielt, da die "technischen Prozessfenster" für seine Schläge doch etwas grösser sind. Ich bin mir sicher, dass Boll gerne etwas mehr gegengezogen hätte, aber es ging halt einfach nicht. Uebrigens hat ja Wang Hao in etwa dasselbe im neuen Penholderstil gemacht. Ich fand die invertierten RH-Topspins schon sehenswert, er ist mit dieser Variante nicht gezwungen, die RH immer zu umlaufen fürs aktive Spiel (vgl. Ryu). Wang hat auch einfach unwiderstehlich gespielt und offenbar an diesem Turnier sowieso den stärksten Eindruck von allen Spielern hinterlassen.

Ich bin schon eher ein "Siegspieler" als ein "Aesthet", d.h. wenn ich gewinne, ist es eigentlich egal wie, auch wenn's dreiunddreissigmal derselbe langweilige Ballwechsel war. Wäre ich am Sonntag gecoacht worden, hätte man mir wahrscheinlich gesagt, ich soll mit der VH weniger draufdonnern (weiche Vorzieher, Ballwechsel zulassen) und mit der RH mehr stören, also gewissermassen inkonsequentes Spiel. Darauf wäre ich sicher eingegangen, auch wenn's optisch nicht mehr so viel hergegeben hätte wie die aggressive Vorhand und die RH-Abwehr. Leider habe ich da allein in meinem Saft geschmort und regte mich nur über die lausige VH auf. Mein Spiel führt übrigens in fast jedem taktischen Fall zu wenigstens einigen einigermassen schönen Ballwechseln.

Zum Spiel gegen LN könnte ich Dir sicher ein paar Tips geben, das kannst Du aber auch mit der Suchfunktion im Material- oder Technikforum mal abchecken.
Aus Deiner Schilderung entnehme ich, dass es sich um einen LN-Störer am Tisch gehandelt hat (Palio whs. glatt, nicht griffig). Du hast whs. Unterschnittblocks und Druckschupfer gekriegt von der Noppenseite, und dass er mit der Noppe auf Schupf Druck machen kann ist physikalisch-elementar eigentlich klar (Schnittumkehr bei glatten Noppen). Viele "Nöppeler" können das nicht so gut, aber wenn's einer kann, ist Schupf in die RH mehr oder weniger verboten.
Eine Variante ist, mit leicht gelifteten Bällen in die RH zu spielen und dann irgendeinen der leicht unterschnittenen, eher drucklosen Returns mal zum Drucktopspin oder Schuss auszunützen. Wenn Du sicherer bist, kannst Du auch Tempospins in die RH ziehen, die segeln dem Gegner dann beim Block geradeaus an die Hallenwand, wenn er das Tempo nicht rauskriegt, was recht schwierig ist. Verboten sind langsame rotationsreiche Topspins in die Noppe, die kommen als Stopblock mit extrem viel Unterschnitt zurück und häufig nicht mehr über die Tischkante hinaus (was damit machen? - Selber ein Ei gelegt...). Ist der Gegner nicht so laufstark oder hat eine ungefährliche VH, kannst Du sogar höhere leicht angeleierte Bälle lang in die RH spielen, die sind nicht leicht mit einer glatten Noppe zu schiessen und kommen häufig genauso hoch zurück. Beim Service ist ein langer toter oder nur leicht über- oder unterschnittener Ball (schnell oder langsamer) in die RH eine gute Variante, Du bekommst dann einen berechenbaren Ball zurück und kannst vielleicht gerade den Drucktopspin spielen. Keinesfalls halblange Extremschnittaufschläge in die Tischmitte oder RH!

So, das wär's erst mal wieder. Grüsse nach St. Gallen
Taugenichts
Mit Zitat antworten