Zitat:
Zitat von Abwehrtitan
Sowas zum Beispiel ....[...]
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Leider ein echtes Sch***thema, mit dem ich mich mehr befassen musste und weiterhin muss, als mir lieb ist...
Der für mich abgehalfterte Wallraff, der nun schon so heruntergekommen ist, dass er sich zu einer RTL-Sendung dieses Format genötigt fühlt, überzeugt mich allerdings genau so wenig wie dieser Artikel in der ansonsten von mir geschätzten Süddeutschen - die IMHO leider immer mehr den Bach runtergeht.
Das ganze System ist wahrlich für den Arsch. Altenheime sind leider nicht selten Objekte, die für Investoren wegen guter Renditen sehr interessant sind. Dafür sollte man jeden Politiker, der damit was zu tun hat, dass das überhaupt möglich ist an den Eiern aufhängen. So jedenfalls meine Meinung. Aber das hat ja schließlich auch bei der Rentensicherung Schule gemacht und verwundert kaum noch...
Dass beim Lesen des Artikels der Eindruck geweckt wird, jegliches Pflegepersonal in sämtlichen Altenheimen dieses Landes, besser gleich von vornherein für unfähig und/oder sadistisch zu halten, halte ich hingegen für nicht in Ordnung. Das hat lediglich BILD- bzw RTL-Niveau.
Die ganze Geschichte hat sehr viele Facetten. Eine davon ist die, dass Verwahrlosung durch schlechte und unzureichende Pflege nicht nur Altenheime betrifft. Im privaten Bereich ist es im Schnitt aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht besser. Nur ist es im privaten Bereich ungleich schwieriger Missstände aufzudecken. Alte gehen halt nicht mehr wie Kinder in die Schule, wo dann doch mal jemand darauf aufmerksam wird, dass da zu Hause irgendwas nicht stimmen kann.
Auch sollte man sich durch solche Artikel nicht dazu verleiten lassen, zu meinen, das alte, pflegebedürftige, kranke Menschen alle miteinander Unschuldslämmer sind. Alte, pflegebedürftige, kranke Menschen können fies und gemein sein. Sicher auch so manches Mal mehr als es Pflegekräfte bzw Angehörige mit Gleichmut ertragen können. Leider ist es nicht so wie es all zu oft im deutschen Alzheimerfernsehen suggeriert wird, wo die alten, pflegebedürftigen Menschen entweder stets dankbar auf die ihnen zuteil werdende, liebevolle Pflege reagieren oder wo der 90-jährige Opi in dem Mehrgenerationenhaus mit Bergblick im Kreise der Familie genüsslich sein Pfeifchen rauchend vorm Haus sitzt und gar, immer wenn nötig, dem Enkel fachmännisch und immer noch flink das Fahrrad repariert. Auch das mag es sicher geben, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Die durchschnittliche Realität sieht jedenfalls wesentlich ernüchternder aus und ist eher weniger fernsehtauglich.
Die heutige Generation alter Frauen, die zumindest hier in meinem Wohnort (wenn nicht gar in der ganzen Region bzw gar im ganzen Lande) den größeren Anteil als die der alten Männer in Altenheimen ausmachen, verfügt gar nicht über die finanziellen Mittel um die dafür anfallen Kosten, die je nach Pflegestufe zwischen ca 3000 und 4000 Euro liegen dürften, aufbringen so können. Die meisten beziehen eine Hinterbliebenenrente, die recht mager ist. Nicht selten muss dann für diese Frauen Hilfe beim Sozialamt beantragt werden. Dann steht ihnen noch ein Taschengeld von ca 100 Euro im Monat zu. Evtl. vorhandenes Minimalvermögen muss bis ca 2600 Euro herunter erst mal aufgebraucht werden. Je nach Gemeinde zusätzlich eine Sterbefallabsicherung, die allerdings nicht all zu hoch sein darf, ansonsten muss sie aufgelöst werden. Dieses, dann noch nötige Geld vom Sozialamt, zahlt nicht der Staat zwangsläufig, was in zumindest sehr vielen Fällen wegen der erbrachten Lebensleistung angebracht wäre. Dafür müssen die Kinder, je nach Einkommensverhältnissen, zumindest anteilig aufkommen. Seit ca 10 Jahren ist man von Staats wegen gar dazu übergegangen, sich das Geld von den Schwiegerkindern zu holen. Während man Kinder noch steuerlich geltend machen kann und Kindergeld bekommt, ist es bei Alten leider so, dass sie offensichtlich für den Staat so nutzlos sind, dass das immer vom Netto gezahlt werden muss. Dabei kann es durchaus passieren, dass eigene Eltern, die trotz das bei der jetzt alten Generation meist nur der Vater ein Leben lang fleißig gearbeitet hat, eine kleine Rente erhalten, zur echten Kostenfalle für ihre Kinder werden können. Wer da selbst bei einem sehr guten Verdienst, in diesem unseren schönen Lande, das Pech hat, dass er gleich zwei pflegebedürftige Eltern hat, ist, salopp gesagt, ganz schön in den Arsch gekniffen. 6- 8000 Euro für zwei Heimplätze, über so viel Rente, selbst wenn ca 3000 Euro durch Pflegeleistung und Pflegewohngeld dazukommen, darüber verfügen nun mal nicht all zu viele alte Leute. Das wird für die evtl gut verdienenden Kinder dann richtig teuer.
Dieses Schicksal wird in Zukunft wohl leider immer mehr Menschen ereilen. Womit sich dann der Kreis zu Murksis Beitrag #23967 wieder schließt
Da muss man glatt zynisch werden und seinen eigenen Kindern wie einst im 18. Jahrhundert noch üblich empfehlen, darauf zu achten, dass der Zukünftige bzw die Zukünftige Eltern haben muss, die eine echt fette Rente und am Besten noch über ausreichend Vermögen verfügen
So, und nun kann es meinetwegen wieder mit der großen Weltpolitik weitergehen. Hier in unserem Lande ist ja alles in Butter - ich trink' derweilen mal ein Maibock