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Alt 27.06.2014, 00:14
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AW: Ist Tischtennis noch ein Volkssport?

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Etliche Beiträge weisen daraufhin, dass der Tischtennissport in der Zukunft erhebliche Nachwuchsorgen haben wird.
Ich denke, dass der Tischtennissport nicht nur erhebliche Nachwuchssorgen haben wird, sondern die bereits hat.


Zitat:
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Aus eigener Erfahrung habe ich schon 1979 als Trainer feststellen müssen, dass von regelmäßig 70 Kindern/Jugendlichen (Gesamtschule war der Halle angeschlossen) nur ca. 4 Spieler und vielleicht 2 Spielerinnen es wirklich schaffen, in höhere Spielklassen vorzustoßen.
Ich sehe das nochmals bedenklicher:

70 Kinder bekommt man vielleicht für ein Schnuppertraining in einem Zeitraum von 3-4 Jahren in die Halle. Also jedes Jahr Anfängerwerbung machen mit Grundschulprojekt, Kooperation Schule & Verein und Sommerferienprogramm oder Tag der offenen Tür, dann bekommt man +/- 20 Kinder in die Halle, die wenigstens mal ein paar Wochen dabei sind. Richtig für den Verein im Jugendbereich gewinnt man von denen vielleicht pro Jahrgang 3-4 Kinder. In dem von mir oben genannten Zeitraum von 3-4 Jahren, in denen man die rund 70 Jugendlichen durch das Anfängertraining schleust, gewinnt ein Verein somit ca. 10 bis 15 Kinder für die Jugendabteilung.

Ich möchte soweit gehen, zu behaupten, dass es nicht darum geht, von diesen 10 bis 15 Kindern, die den Weg durch den U15 und teilweise noch U18-Bereich gehen, dass es da nur 4 Spieler und 2 Spielerinnen schaffen, in höhere Spielklassen vorzustoßen, sondern dass es heutzutage eher darum geht, überhaupt 4 Jungs und 2 Mädels auch noch im Herren- und Damenbereich bei der Stange zu halten.
Bei den 70 Kindern in 3-4 Jahren, bedeutet das, dass man heutzutage froh sein muss, wenn aus jedem Jahrgang 1 Spieler bei den Herren noch Tischtennis spielt und man wenigstens aus jedem zweiten Mädchen-Jahrgang 1 Spielerin auch noch im Damenbereich dabei hat.

Zitat:
Zitat von Partner Beitrag anzeigen
Damals gab es noch nicht soviel Ablenkung wie heute.
Die neuen Regeln und Beläge tun ein übriges, um unseren Sport abzuwürgen.
Du hast oben von 1979 geschrieben und dass es damals (80-er Jahre) noch nicht soviel Ablenkung gab wie heute. Es ging doch schon in den 90-er Jahren los, als Kabelfernsehen, Computer für jeden Haushalt, Spielekonsolen, Mobilfunk (Handys), Internet und Funsportarten geboren wurden. Das war schon schlimm genug.

Aber mittlerweile ist es noch viel schlimmer geworden, da alles viel exzessiver ist, Computer- und Spielekonsolen-Spiele viel realistischer und bindender sind, alles im Internet viel bindender ist und man mit Facebook und WhatsApp daueronline ist.

Der Konkurrenzkampf zwischen allen möglichen Aktivitäten, die Schulbelastung durch das Schnell-Abi und die gesamte Reizüberflutung die drängt alles immer mehr an die Wand und nicht nur klassische Sportarten wie Tischtennis, sondern auch Funsportarten und sonstige modernere Sportarten die erst später aufgekommen sind (z.B. Rope Skipping), müssen die heutige Jugend erstmal regelmäßig in die Hallen bekommen, denn die Jugendlichen von heute hängen lieber den ganzen Tag nicht mal "im Internet" rum, sondern bei Facebook und WhatsApp, machen Sport lieber auf der Playstation, dass sie dort mal gegen einen Kumpel Fußball zocken statt wie früher auf der Straße oder auf dem Bolzplatz.
Und statt regelmäßig 1, 2 oder sogar 3 Mal pro Woche an einem Vereinstraining Tischtennis (oder andere Sportarten) teilzunehmen, gehen die lieber wann es ihnen passt mal ins Fitness-Studio oder verabreden sich mal zu einer Runde Inlinerfahren, gehen mal Paintballspielen, spielen mal im Freibad eine Runde Beachvolleyball, das reicht dann denen als Sport. Für mehr haben die auch gar keine Zeit mehr und auch keine Lust auf die Pflichten und Vorschriften in einem normalen Sportverein, was sowieso viel zu uncool ist.

Heutzutage den Mädels im Teenageralter zu erzählen, man würde Tischtennis als Vereinssport spielen, das kommt dem gleich, Ende der 80-er bis Mitte der 90-er den Mädels zu erzählen, man wäre Mitglied im örtlichen Schachverein. Absolut uncool.
Tischtennis spielt man just for fun auf der Steinplatte im Freibad oder im Schulhof, aber doch bitte nicht im Verein.

Deswegen ist Tischtennis nur noch in so fern ein Volkssport, als dass fast jeder Bundesbürger schon irgendwo mal "Pingpong" gespielt hat, sei es in der Schule, auf dem Schulhof, im Freibad, in einer Jugendherberge im Schullandheim oder mal in einem Hobbykeller, Garten oder der Garage bei einem Kumpel.

Aber war denn Tischtennis schon mal mehr als das!?

Volkssport ja, im Sinne meiner oben genannten Definition, aber nicht als Volkssport wahr genommen (es würde wahrscheinlich fast jeder Fußball nennen), uncool, keine Trendsportart, keine Massenveranstaltung, keine Zuschauersportart, keine Fernsehsportart, sondern einfach ein Nischensport für ein paar Liebhaber, die alle paar Jahre ihre Regeln ändern, weil sie meinen, dass sich deshalb mehr Nichttischtennisspieler für unseren Sport interessieren würden, ohne dabei zu merken, dass wir genau durch diese Regeländerungen immer mehr der eigenen Leute verlieren.

Ich sehe mittel- und langfristig schwarz für Tischtennis und ich rechne fest damit, dass die Mitgliederzahlen immer weiter in den Keller gehen und man irgendwann in 10 oder 20 Jahren froh sein muss, wenn wenigstens noch 100.000 Spieler/innen in Deutschland dem Tischtennissport nachgehen (Zahlen von denen schon jetzt andere Länder nur träumen können).

Tischtennis geht seit 1990 ständig immer mehr den Bach runter. Die Mitgliederstatistik (Details gibt es hier beim DOSB) spricht eine deutliche Sprache:

(1989 - 820.000)
1990 769.000
1991 762.000
1992 764.000
1993 758.000
1994 750.000
1995 741.000
1996 730.000
1997 722.000
1998 707.000
1999 698.000
2000 693.000
2001 690.000
2002 688.034
2003 673.868
2004 665.140
2005 651.022
2006 645.735
2007 630.941
2008 616.796
2009 614.111
2010 614.179
2011 606.075
2012 601.240
2013 598.714

Seit 1990 gibt es bis 2013 einen Mitgliederschwund um über 22%!

Meinen Informationen nach, sind von den 598.714 TT-Spielern nur etwa 400.000 tatsächlich noch aktive TT-Spieler/innen, der Rest sind Karteileichen, die bereits aufgehört haben.

Der Damenanteil im Tischtennis liegt übrigens nur bei 15-20%, damit sind 80-85% aller TT-Spieler männlich.

Tischtennis und einige andere Sportarten haben immer größere Probleme, während andere dazu gewinnen. Teilweise auch welche, von denen man es nicht erwartet.

Siehe dazu auch meinen Beitrag hier.
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