|
AW: Tischtennis tötet sich selber - Probleme im Tischtennis
Das Problem ist so komplex, dass wir es hier nicht erschöpfend behandeln können. Ich will mal einige wenige Aspekte herausgreifen.
Warum wird Tischtennis nicht als Sport wahrgenommen? Tischtennis kann bis ins hohe Alter auf relativ hohen Niveau gespielt werden. Ohne die vielen Senioren würde der Spielbetrieb zusammenbrechen. Aus Sicht der Jugendlichen ist aber genau dies ein Beleg dafür, dass Tischtennis kein richtiger Sport ist. In welcher anderen „richtigen“ Sportart kann man mit 60 Jahren und womöglich erheblichem Übergewicht in einer relativ hohen Liga mithalten?
Es krankt fast überall in Deutschland an der Jugendarbeit. Es kann viel Spaß machen, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. An manchen Tagen kostet es einem den letzten Nerv. Das will sich kaum jemand antun. Die berufliche Belastung tut ein Übriges. Man müsste Geld in die Hand nehmen und Jugendtrainer bezahlen. Angesichts hoher Hallengebühren geht das nicht. Beitragserhöhungen sind meist nicht durchsetzbar.
Der Profisport fällt als Zugpferd weitgehend aus. Fernsehübertragungen sind selten. Die scheinbar leichten Fehler und sehr kurzen Ballwechsel wirken auf den weniger fachkundigen Zuschauer eher abschreckend. Man kann anderer Meinung sein, aber das geringe Zuschauerinteresse lässt sich nicht wegdiskutieren. Dazu passt, dass die Erfolge der Nationalmannschaften in den letzten 20 Jahren nicht den geringsten Einfluss auf die Mitgliederentwicklung hatten. Fast reflexartig müssen die Regeländerungen als Sündenbock herhalten. Auch sie machten sich bisher nicht in der Mitgliederstatistik bemerkbar. Die Materialentwicklung hat das Spiel auf den dritten Ball befeuert. Wir „Experten“ können die vielen scheinbar leichten Fehler einordnen und blenden sie aus. Aus Laiensicht gibt es einfach nichts mehr zu sehen.
Tischtennis braucht dringend ein besseres Image. Nur dann werden sich mehr Ehrenamtliche finden, um den Abwärtstrend zu stoppen.
__________________
Wenn Realität und Weltbild kollidieren, gewinnt meistens das Weltbild.
|