Aber wenn man sich Spieler ansieht, dann haben die meisten Spieler ein paar Grundspielzüge, die sie immer und immer wieder machen. Normalerweise spielt jemand Jahrelang die gleichen Aufschläge und dann weiß er Unterbewusst schon, dass der Ball zu 90% so und so zurück kommt und wartet daher aus Erfahrung schon an genau der Position auf den Return und zieht so seinen Spielzug durch.
Das gleiche probiere ich zurzeit auch, nur möchte ich da keine "Jahre" hineininvestieren sondern ich überlege es mir immer vorher bewusst. z.B.: Wenn ich Aufschlag A mache, wird der Ball vermutlich in die RH schnell zurück kommen, dort warte ich schon mit der VH, ziehe den Ball diagonal in die VH des Gegners, der wird vermutlich diagonal zurück ziehen, weshalb ich sofort in die VH zurück muss und dort mit meiner VH warten muss.
Bei meinen Gegner funktioniert das zurzeit extrem gut. Das einzige Problem: Ich muss mental voll konzentriert sein, sonst denke ich über das alles nicht nach und dann funktionierts logischerweise nicht

Da ich zurzeit mich auch kaum bewegen kann (Gichtanfall im linken Knie und durch das humpeln im rechten Fußgelenk eine Sehnenscheidenentzündung) muss ich das auch so machen, weil anders würde ich sonst niemals zu irgendwelchen Bällen kommen weil ich einfach 0 Beinarbeit zurzeit habe, da ich die Füße nicht belasten kann.
Wenn ich jetzt aber gegen stärkere Gegner spiele (z.B.: Bundesliga spieler), dann funktioniert das natürlich nicht mehr, weil diese etwas unerwartetes machen.
Aber heißt das jetzt, dass das ganze gegen so starke Gegner nicht funktioniert? Ich glaube viel eher, dass das Problem ist, dass da zu wenig "Druck" dabei ist. Jeder Mensch reagiert unter hohem Druck mit einer bestimmten Reaktion. Nur das Problem ist, dass wenn ich gegen Bundesligaspieler spiele, "Druck" bei denen anders aussieht.
Mache ich beispielsweise einen langen schnellen Aufschlag mit meiner VH aus meiner RH parallel in die VH des Gegners, so schlagen bei mir ca. 70-80% den Ball ins Netz (ich mache das natürlich nur wenn ich sehe, dass der Gegner schlecht dafür steht), der Rest trifft, aber spielt immer diagonal.
Mache ich das gleiche bei einem Bundesliga Spieler schießt er mir die Bälle um die Ohren.
Machen das aber zwei Bundesliga-Spieler im Match gegeneinander, passieren die gleichen Fehler wie bei meiner Spielstärke bzw. die gleichen Returns.
Meine Vermutung wäre, dass bei dem Bundesliga-Match einfach der Druck viel höher ist und das wegen mehreren Faktoren:
*) Der Gegner ist ein ebenwürdiger und keiner, den man einfach besiegt, daher ist jeder Punkt wichtig
*) Bundesligaspieler schaffen den Aufschlag sicher ein klein wenig schneller als ich, was noch einen Vorteil bringt
*) Sie "verstecken" den Aufschlag bis zum letzten Moment, d.h. der Aufschlag schaut aus wie ein normaler kurzer und erst im letzten Moment machen sie die Bewegung aus dem Handgelenk wodurch der Gegner kürzer Zeit zum reagieren hat
*) Teilweise auch verdeckt, z.b. mit der Schulter.
z.b.: Hab ich in Polen gegen blaszczyk (war mal weltrangliste 19ter) gespielt, der hat so einen Aufschlag gemacht, wo er den Ball hochgeworfen hat, als er runter kam, er kurz hinter der Schulter verschwunden ist und dann explosionsartig zu mir geschossen kam und ich mir einfach nur gedacht habe - WTF war das.
Und ich glaube, solche Dinge machen dann den Unterschied aus zwischen einem 2000 und 2600 Punkte Spieler... Weil der 2600 Punkte Spieler einfach mehr "Tricks" drauf hat, welche den Gegner zu bestimmten Handlungen zwingen.
Andere Beispiele wären für mich:
*) Wenn der Gegner den Rückhand Topspin sehr weit vorne ansetzt und aus dem Handgelenk spielt, dann wird er sich sehr schwer tun wenn er einen langen aggressiven unterschnitt bekommt mit sehr viel Spin weil er mit der Bewegung den Ball nicht aufziehen kann.
*) Wenn der Gegner Rückhand Topspin seitlich eingedreht spielt, dann werden sehr schnell Bälle in die Rückhand zu schwachen Returns führen weil das Timing nicht hinhaut
*) Einer meiner Trainer meinte mal, dass er wenn er einen Aufschlag macht, er den Gegner beobachtet bis er das Gewicht auf den falschen Fuß verlagert und genau in dem Moment dann aufschlägt zu einem Punkt, wo sich der Gegner nur schwer hinbewegen kann...
*) Generelle Stellungsfehler, z.b. wenn man im Ballwechsel in die weite Vorhand spielt und der Gegner nach dem Topspin mit dem Gewicht nicht am linken sondern am rechten Fuß ist und man ihm dann die Rückhand spielt....
Meiner Meinung nach unterscheiden diese kleinen "Hilfestellungen" dann ob man "gut" oder "sehr gut" ist. Ab einer gewissen Spielstärke sehe ich keine wesentlichen Unterschiede mehr in Sicherheit/Kontrolle von Topspins. Wenn ich mir einen 1600 Punkte Spieler und einen 2400 Punkte Spieler ansehe wie Sie Übungen spielen, dann sieht das meiner Meinung nach ca. gleich aus (höchstens ein bisschen mehr Geschwindigkeit).
Wenn man sich beispielsweise das Buch vom Werner Schlager durchliest, dann schreibt er auch, dass er damals in seiner Jugend (als er beim Bundesheer war) gegen fast alle Kader-Spieler gewonnen hat, aber bei regelmäßigen Übungen sehr unterlegen war.
Das ist doch genau das gleiche - er konnte bei einer regelmäßigen Übung bei den ersten Bällen mithalten aber eben nicht eine so hohe Wiederholungsanzahl. Aber im Match war das egal, da er sowieso nach den ersten paar Bällen die Oberhand beim Punktwechsel hatte.
Deshalb frage ich mich: Warum solche Übungen weiterhin trainieren? Am Anfang bis man eine gewisse Grundsicherheit bei den Grundschlägen hat, ist das sicherlich sehr wichtig. Auch danach ab und zu, damit man diese Grundsicherheit aufregt erhält. Zu diesem Zeitpunkt würden wir sage ich mal 90% der Bälle im Match mit dieser Grundsicherheit bekommen. Ein weiteres Training würde nur sehr viel Aufwand bedeuten und als Resultat haben, dass man dann 95% der Bälle bekommt, also nur 5% mehr. Da wäre es doch viel vernünftiger etwas anderes zu trainieren, etwas wo man durch kurzes Training schon eine erhebliche Steigerung bekommt, eben weil man zurzeit in dem Bereich noch sehr schlecht ist (paradebeispiel für mich wären hier die Aufschläge).
Aber ein anderes Beispiel: Bei Trainingsmatches eine GoPro Kamera aufsetzen und das Match mitfilmen. Danach das Match in Zeitlupe ansehen und überlegen, was man bei Punktverlusten falsch gemacht hat. Hier kann man beispielsweise sehr gut auch Stellungsfehler vom Gegner erkennen üben, da man es hier getrennt vom Spielen zuerst übt und sobald das Unterbewusstsein es aufgenommen hat, man es im Spiel automatisch anwendet.
Oder ein anderes Beispiel: Die Aufschläge mitfilmen und dann kategorisieren und später sieht man sich die Aufschläge an und muss sofort entscheiden, ob der Aufschlag OS, US, usw. hat und ob der Aufschlag kurz, halblang am Tisch, halblang nicht am Tisch oder lange kommt.