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Alt 12.11.2014, 13:53
Butt Stallion Butt Stallion ist offline
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AW: Sterben die Klassiker langsam aus?

Du hast meinen Post nicht verstanden, egal ich erkläre es nochmal:
T05 und Sriver dienen hier wirklich nur als Beispiele, damit das geklärt ist.

Meine Meinung: Die Spielklasse spielt für das Material keine Relevanz.

Warum?

1. Wer bestimmt, denn ab welcher Spielklasse welches Material angebracht ist? Du bringt als Beispiel KK und KL, okay, jetzt drehe ich das ganze mal um. Timo Boll, der erfolgreichste deutsche Spieler aller Zeiten, spielt T05, warum sollte ich mit meiner mickrigen RL hinten Position nur auf die Idee kommen T05 zu spielen, wenn das Timo Boll spielt? Ich brauche den Belag doch gar nicht, ich werde nie einen World Cup gegen ZJK spielen, ich kann ruhig mit meinem Sriver weiterspielen. Timo Boll würde mich auch ja mit Srivern besiegen...

2. Warum sollten sich Spieler überhaupt entwickeln? Wir können ja auch auf der Uni 10 Semester immer nur das gleiche lernen, damit wir das kontrolliert machen und immer sicher gehen können, weil wenn wir uns Herausforderungen stellen könnte ja etwas schief gehen...

Überlege dir mal folgenden Spieler in der 1. KK: Kann VH Topspin als bester Schlag, RH Block und Konter, sichere kurze Aufschläge und schupfen. Das ist doch eine ziemlich gute Charackterisierung einer Menge Spieler, welche so in den KK und KL unterwegs sind, ja auch noch in der BK und BL. Mit beidseitig Sriver würden sie alles viel kontrollierter machen, dafür bei ihrem Punktschlag dem VH Topspin nicht genügend Spin entwickeln und den Punkt nicht machen. Beim T05 als Beispiel würden sie zwar ein paar leichte Fehler machen, weil der Belag schneller ist und unkontrollierter, dafür aber beim Topspin sicher den Punkt machen. Das heißt es gleicht sich 1:1 am Ende aus.
Jetzt kann man sagen, dass der Topspin nicht den Punkt gewährleistet mit dem T05, korrekt, genau so wenig wie der Sriver die Kontrolle.
Es kommt also immer aufs selbe hinaus, bei beiden liegen hier Vor- und Nachteile. Wenn man aber ein bisschen an die Zukunft des Spielers denkt, dann überwiegt doch das Argument, zu versuchen Punkte zu machen und deshalb den besseren Tenergy zu nehmen.
Weiterhin ist zu sagen, dass der T05 generell mehr Spin macht und dies dem Spieler in Entwicklung hilft und das er sich an die erhöhte Geschwindigkeit des T05 gewöhnt. Für den Sriver spricht in dieser Linie nichts als ein vermindertes Risiko.
Nur warum sollte das die Philosophie des Tischtennis sein? Also immer das zu nehmen, was besonders viel Kontrolle hat. Und selbst wenn Spieler diese Haltung vertreten, was ja völlig legitim ist und jedem selbst überlassen sein soll, dann heißt das aber nicht, dass ich deshalb dies auf andere übertragen soll.

Selbst ein 60jähriger aus der 3. KK sollte keinen Klassiker mehr spielen, weil der mit dem T05 beim reinhaken vorne wesentlich mehr Spin macht und wesentlich mehr Spieler ärgern kann als mit einem Sriver. Er muss sich halt an die erhöhte Geschwindigkeit gewöhnen, aber das geht doch relativ schnell. Und selbst wenn nicht, dann muss das Holz langsamer sein und nicht die Beläge! Aber selbst da sehe ich Grenzen. Wir müssen ab einem gewissen Punkt noch gemäßigtes Material spielen, weil man kann immer argumentieren: "Also Joo ist Abwehrspielt und spielt auch Topspins mit einem DEF Holz, siehste das funktioniert." Das stimmt natürlich, nur daraus schlussfolgere ich ja nicht, dass alles ab ALL zu schnell ist um es mal überspitzt zu formulieren.

Ein anderes Beispiel fällt mir noch ein: Ein Blockspieler, der wirklich nur kontert, blockt, schupft und am Ende abklatscht. Jeder denkt jetzt, dass der mit Klassikern und einem ALL Holz gut bedient ist, ganz im Gegenteil. Dem würde ich sofort ein Carbonholz in die Hand geben mit 2 mal Vega Pro oder MX-P. Warum? Der Blockspieler ist nur dann gut, wenn er die Geschwindigkeit des Gegners mitnimmt. Wenn er verteilt und bei jedem Schlag das Spiel verlangsamt, dann wird er wirklich von jedem abgeschossen. Nur wenn die schnellen Topspins auch schnell wieder zurückkommen muss der durschnittliche Angreifer immer weiter in die Halbdistanz, da passieren dann mehr Fehler und da kann der Blockspieler übernehmen. Hier ist wirklich die Frage, ob er das spinnigste Material spielen sollte, eher nicht. Aber schnelles Material ohne Frage.

Also nicht mal für diese Art von Spielern die das "alte" kontrollierte Spiel repräsentieren würde ich noch mit Klassikern rumhantieren, das Material wird dem modernen Spiel angepasst, voraus gesetzt es passt der individuellen Hand. Wer sich mit einem Sriver besser fühlt und einfach nicht wechseln will, der will halt nicht. Nur das liegt dann eher an dem nicht wollen oder wirklich mal einer sehr sensiblen Hand statt an logischen Argumenten

Vergleich das doch mal mit Autos: Vor 20 Jahren war der Golf GTI mit seinen 110 PS eine absolute Ansage für jede Mitteklasse. Der ging ab wie Zöpfchen. Heute ist das doch Standard in jedem Fiat Punto (nichts gegen Fiat natürlich ). Hat sich halt weiterentwickelt. Nur wie argumentierst du jetzt mit jemanden, der sich ein 200PS Auto holen will: "Früher war das auch nicht normal, du bist vielleicht gar nicht dran gewöhnt, also lass mal lieber." Nein tust du ja auch nicht, sondern das ist halt heute so und fertig.

Beim Thema Auto würde ich das Argument sogar durchgehen lassen, weil es wirklich um Verkehrssicherheit geht und man mit schlechten Fahrmanövern Leben auf Spiel setzen kann, wobei das nicht an den PS sondern an Fehlern der Autofahrer liegt, aber beim Tischtennis würde ich bevor ich mein Leben lang auf Srivern sitzen bleibe jedes Risiko in Kauf nehmen. Und selbst dann sind die Sriver am Ende immer noch schlechter, selbst ohne Entwicklung und Verbesserung.

Hoffe das sollte als Antwort ausreichen einen schönen Tag noch, ich muss Seminararbeit schreiben ^^
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mfg
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