Rückschlag durch Rückschläge
Wer kennt das nicht – aufmerksam beäugt man vor jedem Punktspiel das lockere Einspielen der Gegner und nicht selten verfällt man dabei ins Staunen. Ich selbst nehme mich davon nicht aus. Dann fragt man sich, wie man gegen diese Spieler überhaupt gewinnen soll und geht gehemmt ins Einzel. Aber mal ehrlich, ist das überhaupt nötig? Was machen diejenigen denn da gerade am Tisch so toll, dass ich einen solchen Respekt vor ihnen bekomme? Meistens ziehen sie knallharte Topspins über die Diagonale, schrauben Aufschläge über das Netz, die sie sich im Spiel in der Form dann doch nicht trauen, oder versuchen sich an Kunstschlägen. Ich habe mir abgewöhnt, diesem Schaulaufen viel an Bedeutung zukommen zu lassen. In der Oberliga kann sich jeder toll einspielen und jeder gute Topspins ziehen. Was die guten Spieler jedoch von den weniger guten Spielern unterscheidet ist das, was sich
über dem Tisch abspielt. Welche Bedeutung hier explizit dem Rückschlag zukommt, haben die 78 Zuschauer am letzten Sonntag bei den polnischen Spitzenspielern Jacek Wandachowicz und Krzysztof Lubin deutlich sehen können. Es waren die variablen Kleinigkeiten im Aufschlag-Rückschlag-Bereich mit denen sie sich immer wieder die nötigen Vorteile verschafften, um gegen Martin und Matti zu gewinnen. Und das, obwohl die beiden Lunestedter nicht mal einen schlechten Tag hatten. Gerade Martin zeigte eine starke Partie gegen den nunmehr besten Spieler der Liga (Wandachowicz, 14:0). Leider bekam Matti die eigenen Aufschläge häufig um die Ohren geflippt, wodurch er seine Stärken im offenen Spiel nicht so oft wie gewohnt ausspielen konnte. Da konnten ihn auch die schnellen Beine und die stets gute Einstellung nicht vor seinen ersten Einzelniederlagen bewahren.
Trotz der beiden Trümpfe an Position eins und zwei in den Reihen von Eschershausen war nicht damit zu rechnen, dass wir im oberen Paarkreuz gänzlich leer ausgehen würden. Nach diesen Niederlagen war der Spielverlauf bildlich auf den Kopf gestellt. Mit skeptischem Blick schaute ich auf die Anzeigetafel, die zwischenzeitlich 5:6 zeigte. Nun war, mehr denn je, der Rest der Mannschaft gefragt. Das eingangs knapp in fünf Sätzen gewonnene Dreierdoppel von Marcel und Dennis ist rückblickend als absoluter Big Point zu sehen. Und auch das zweite Einzel von Marcel, bei dem es ihm gegen Julian Heise gelingen musste, seine tischtennisphilosophischen Gedanken mal für 30 Minuten zu vergessen und sich einzig auf das Gewinnen („egal wie“) zu fokussieren, war enorm wichtig. Ebenso wären meine Partien aufgrund der vielen kurzen Ballwechsel für Videozusammenschnitte weitgehend nicht zu gebrauchen gewesen, doch am Ende standen zwei Siege zu Buche, die einfach gebraucht wurden.
Ziemlich souverän trat diesmal unser unteres Paarkreuz auf. Natürlich kann man so argumentieren, dass Alex Spendrin und Andre Alshut nicht zu den besten Spielern im unteren Paarkreuz gehören. Auf der anderen Seite ist gerade der Umgang mit dieser Tatsache in wichtigen Punktspielsituationen alles andere als einfach. Vor allem dann nicht, wenn man um die Stärke des gegnerischen Abschlussdoppels weiß, das schon in den Startlöchern steht. Hier nämlich, hätte ich Matti und mich nicht in der Favoritenrolle gesehen. Dennis beschränkte sich durch sein Blockspiel hauptsächlich auf die Sicherheitsvariante und lag damit komplett richtig, während Christoph deutlich machte, dass er endgültig im Team angekommen ist. Von Unsicherheit war da nicht mehr viel zu erkennen. Vor allem mit der Vorhand ließ er jegliche Zweifel an seiner Spielstärke in weite Ferne rücken.
Wohl wissend, dass dieses Punktspiel auch anders hätte ausgehen können, steuern wir nun weiter zielstrebig auf die Herbstmeisterschaft zu, wenngleich unsere letzten beiden Aufgaben absolut keine Selbstläufer sind. Schon am Freitag geht's nach Hude (20:30 Uhr), ehe wir am Nikolaustag (16:00 Uhr) mit möglichst vielen Fans gemeinsam in einem Reisebus nach Oesede fahren wollen, um der guten Hinrunde dort die Krone aufzusetzen. Gegen beide Teams haben wir uns in den letzten Jahren des Öfteren schwer getan.