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AW: Kay Stumper (GER)
Noch dazu zeigt Stumper ständig die Faust in Richtung Gegenseite. Das geht mir auch schon wieder zu weit.
Ich verstehe das nicht. Warum kann man Kindern nicht beibringen, ihre eigenen, ehrlichen Emotionen zu zeigen? Von mir aus mal Meckern, vor Freude in die Luft springen, von mir aus laut Brüllen wenn die Last von einem fällt oder einfach mal lächeln. Je nachdem, was zum eigenen Charakter und Gemüt passt. Warum muss es so antrainiert sein, dass es nervt und gespielt wirkt? Das wirkt so lächerlich. Man müsste mal einem Laien nur den Ton einer Begegnung vorspielen und den Klang des Tischtennisballes herausfiltern. Der denkt doch er ist im Zoo oder beim Kampfsport, aber nicht in einer Tischtennishalle. Kein deutsches Wort, nicht mal überhaupt ein Wort... kein "ja" oder "yes", sondern "chooaa", "tschoo", "tschuu", oder was weiß ich was. Am besten zwei Sekunden nach Ende des Ballwechsels, mit einer Miene als ob man dem Gegner den Kopf abreißen möchte und Faust ins Gesicht. Das wirkt alles kein bisschen natürlich.
Man gucke sich mal hier Liu Guozheng gegen Kim Taek Soo an. Manchmal wird nur die Faust geballt oder nichts passiert. Man beachte es ist ein WM-Finale. Nach guten und wichtigen Ballwechseln kommt schon ein lauter Ausruf, aber immer zu sich oder zur eigenen Bank, genau wie die Faust. Und dann z.B. bei 9:22, 9:48, etc. Das ist eine Emotion. Da merkt man, das kommt von Herzen und tief aus dem Inneren und dann stört es auch nicht. Aber die Jugend von heute denkt wohl je lauter, desto bester.
Oder hier ein Wang Liqin nach dem Matchball bei 19:50. Da sieht man die Freude in seinen Augen.
Bei meinem letzten Meisterschaftsspiel ist ein Gegner nach einem Ballwechsel hoch gesprungen, hat mit beiden Armen in der Luft herumgerudert und gestrahlt wie nach einem Turniersieg. Ich fand es total klasse, weil es authentisch war. Er hat sich gefreut und das hat er allen gezeigt.
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