Dann will ich mal als Westfale, die gewonnen Eindrücke beim gestrigen Spitzenspiel in Hilpoltstein schildern
Zur Einstimmung wurde mir in Hip beim Högl (?) ein Schäufele geboten, das keine Wünsche offen ließ und eben so wie im Anschluss die sportliche Darbietung in der Hilpoltsteiner Stadthalle vollkommen überzeugte
Aus dem Ruhrgebiet kommend bin ich leider nicht verwöhnt was die Darbietung unseres Sports in hochklasigen Ligen betrifft. All zu oft sitzt man hier selbst in der TTBL in fast gähnend leeren Hallen und das obwohl auch hier guter Sport geboten wird

Hier fehlt es wohl im Gegensatz zum fränkischen Spitzenclub vor allem an Identifikation mit dem Team. Bei den Franken kennt und schätzt man sich offensichtlich.
Schon von daher war es für mich ein Erlebnis in einer Halle voller begeisterter Zuschauer zu stehen, die ihre Mannschaft vielleicht sogar entscheidend durch das Spiel trug. Eine Atmosphäre die ich hier in meiner Heimat bei TT-Spielen leider nicht kenne. Der sportliche Schlüssel zum Erfolg der Heimischen waren dann letztendlich die beiden gewonnenen Eingangsdoppel. Auf Mühlhause(ne)r Seite war es allen voran Michal Bardon, der in seinen beiden Einzeln nichts anbrennen ließ. Nico Christ war mehr oder weniger chancenlos und auch der sehr gut aufgelegte Alex Flemming musste ihm nach umkämpften und knappen Sätzen 1 und 3 gratulieren.
Das zwischenzeitliche 4:1 für den TV Hip schmolz nach großartigem Kampf und einer zwischenzeitlichen 2:0 Satzführung von Felix Bindhammer gegen den bis dahin im unteren Paarkreuz ungeschlagenen Erik Schreyer durch den Verlust des fünften Satzes dahin. Nico Christ verlor für mich etwas unerwartet gegen Petr David ebenfalls im fünften Satz. Bevor es dann in die beiden entscheidenden Spiele ging stand es 4:4.
Dennis Dickhardt hatte das schwere Los den immer noch ungeschlagenen Erik Schreyer vor begeistertem Publikum zum Tanz aufzufordern, während Felix Bindhammer die Aufgabe zu Teil wurde durch einen Sieg gegen Sandijs Vasiljevs wenigstens das zur Herbstmeisterschaft nötige Unentschieden zu sichern. Dennis Dickhardt bewältigte seine schwere Aufgabe großartig. Er lieferte sich einen fight mit zahlreichen spektakulären Ballwechseln und bezwang am Ende verdient Erik Schreyer im fünften Satz. Nun waren alle Augen auf Felix Bindhammer gerichtet, der in den ersten beiden Sätzen sehr konzentriert nicht viel anbrennen ließ und mit 2:0 in Führung ging. Beim Stande von 7:1 im dritten Satz machte sich im Publikum langsam aber sicher die Gewissheit breit, dass man heute einen Sieg feiern kann. Nur hatte man da die Rechnung ohne den nie aufgebenden Sandijs Vasiljevs gemacht. Als es dann 7:7 stand, wurde es stiller in der Halle. Sollte das etwa doch noch in die Hose gehen? Als Felix dann wieder mit 8:7 in Führung ging war auch das Publikum wieder voll da und trug den Lokalmatador zum verdienten 6:4 Erfolg.
Wie die sympathischen Hilpoltsteiner dann die Herbstmeisterschaft im weiteren Verlauf des herannahenden Abend feierten, ist mir nicht bekannt. Ich musste ja noch 488 km ins Ruhrgebiet zurückfahren.
Mein Fazit: Hilpoltstein ist eine Reise wert! Wer gern mal gutes Tischtennis im Kreise von fachkundigem und stets fair und respektvoll mit dem Gegner umgehenden Publikum erleben möchte, sollte sich den Rückrundenspielplan der Hilpoltsteiner mal anschauen und ruhig mal ein Wochenendtrip planen. Hilpoltstein selbst bietet einige Unterkunftsmöglichkeiten, die nicht gleich Löcher in die Kasse reissen. Das Schäufele beim Högl ist ein muss, sollte aber für Sonntag geplant und vorbestellt werden. Ein ordentliches Bier ist bei den Franken eh obligatorisch
