
27.03.2004, 20:04
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Re: Wie ist der Butterfly "Ekrips"?
Auf speziellen Wunsch (gell wfox ) berichte ich dann jetzt mal über meine Erfahrungen mit dem Ekrips.
Da ich ja immernoch auf der Suche nach einer reissfesten Alternative zum Cermet und Hammond Pro Alpha (HP@) bin, und mich auch der Torpedo nicht 100%-ig überzeugen konnte, hab ich vor ein paar Wochen mal ein "Ekrips-Intermezzo" eingelegt. Aufgrund der Werbeprosa, Diskussionen mit meinem Tischtennishändler und den bisherigen hier zugänglichen Erfahrungsberichten, hab ich einen Belag ähnlich dem HP@ erwartet, mit dem ich ja (bis auf die Rissbildungen) glänzend zurecht gekommen bin, d. h. einen Belag mit einem mittelharten dynamischen Powerschwamm und einem elastisches hochgriffigen Obergummi.
Getestet hab ich den Ekrips beidseitig (VH: rot, max.; RH: schwarz, 2.1 mm) an zwei Trainingsabenden, einem Turnier und einem Punktspiel und zwar wie üblich mit zwei Schichten frischgeklebt auf meinem Legout Performance Holz:
Der violette Schwamm des Ekrips sieht nicht nur ähnlich demjenigen des HP@ aus, er hat auch ungefähr die gleiche Härte, d. h. oberer Mediumbereich. Entgegen anders zu lesenden Meinungen und im Gegensatz zum HP@, bei dem ich 3-4 Klebeungen benötige, waren meine Ekripse allerdings schon beim ersten Mal frischkleben mit dem Spinny Top voll da. Das Obergummi ist tatsächlich extrem elastisch, sehr weich und ausserdem hochgriffig; also eigentlich optimale Voraussetzungen für mein Spiel.
An den zwei Trainingsabenden lief es eigentlich recht gut. Die Tops kamen extrem flach (flacher als beim HP@, ähnlich dem Bryce) mit extrem viel Spin und immer sehr lang bis an die Grundlinie, sodass meine Trainingspartner kaum einen Ball blocken konnten. Die Tops kamen also ähnlich wie beim Bryce nur nicht ganz so schnell. Die Aufschläge hatten auch mehr Schnitt als sonst (ähnlich dem HP@, mehr als beim Cermet oder Torpedo). Beim Blocken und Kontern viel mir auf, dass man diese Bälle aggressiv spielen sollte, und dann kamen aber auch echte Geräte. Aufgrund des extrem flexiblen Obergummis war es teilweise nicht einfach, die Bälle im Kurz-Kurz-Spiel auch entsprechend kurz zu halten. Insgesamt hatte ich das Gefühl, der Ekrips ist ne extreme Variante vom HP@.
Mit diesen recht positiven Eindrücken spielte ich dann ein Turnier. Wie es bei mir so üblich ist, ging ich die Matches nicht ganz so aggressiv (und natürlich auch nicht ganz so locker) wie im Training an. Da zeigten sich dann erste Probleme beim Ekrips. Gegen gute Aufschläger versprangen mir teilweise die Bälle beim Return. Aggressive Blocks kamen zwar teilweise immer noch, allerdings machte ich bei Passivblocks und beim Kontern/Schiessen ungewohnt viele leichte Fehler. Oftmals gingen die Bälle völlig unkontrolliert ins Aus, zu passive Bälle flogen zwischendurch einfach mal ins Netz. Immerhin kam ich ins Halbfinale, wo der erste ernsthafte Gegner auf mich wartete. Im Prinzip spielte ich nicht schlecht, aber die zu vielen leichten Fehler kosteten mich dieses Spiel. Naja, ich dachte mir, Halbfinale ist ja gar nicht so schlecht, also gib dem Ekrips im Punktspiel ne weitere Chance. Da passierte dann etwas, was mir bisher noch nie passierte. Ich traf gegen einen nominell schlechteren Gegner keinen einzigen Ball und verlor klar in drei Sätzen. So gut wie alle Block- unter Konterbälle gingen mir hinten raus. Mein Gegner beschränkte sich auf das Ball im Spiel halten, und ich versemmelte alles, was es zu versemmeln gab. Bei einem Belagtest gab es bei mir noch nie einen so grossen Unterschied zwischen dem Trainingseindruck und dem Einsatz unter ernsthaften Bedingungen. Irgendwie passt mein Spiel doch nicht zum Ekrips (nicht aggressiv genug), und nach diesem Debakel gab ich das Ekrips-Experiment auf.
Mein Fazit lautet wie folgt:
- Der Ekrips ist im Verhalten eine sehr extreme Version des HP@. Der mittelharte Schwamm ist sehr dynamisch und das Obergummi so flexibel wie ich es bisher noch nie bei einem Belag erlebt habe. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass das Obergummi richtiggehend auf dem Schwamm schwimmt!
- Dieses Schwimmen macht das Returnieren von Aufschlägen nicht gerade einfach. Auf der anderen Seite erlaubt es sehr flache, lange und extrem spinreiche Tops zu spielen.
- Das hochgriffige Obergummi erlaubt schnittreiche Aufschläge und extremen Spin.
- Obwohl der Belag als Block- und Konterbelag angepriesen wird, hatte ich damit enorme Probleme. Das funktioniert meiner Ansicht nach nur gut, wenn man diese Bälle extrem aggressiv anlegt. Bälle einfach nur mal so zurückspielen geht irgendwie nicht.
- Ich halte den Ekrips für schwieriger zu kontrollieren als den Bryce, und obwohl beide Beläge vom Konstruktionsprinzip total unterschiedlich angelegt sind, sind sie für den gleichen Spielertyp geeignet, dem total aggressiven Topspinspieler, wobei der Bryce mehr auf maximales Tempo und der Ekrips mehr auf maximalen Spin ausgerichtet ist.
- Also wer den Ekrips beherrscht, hat meiner Meinung nach ne richtige Waffe in der Hand. Für mich als variablen Offensivspieler, der viel Wert auf Kontrolle und Platzierung legt, ist der Ekrips schlicht und einfach viel zu aggressiv ausgelegt! So gesehen ist der Belag nur für eine spezielle Spezies von Spieler geeignet und nicht für die Allgemeinheit zu empfehlen. Also Hut ab vor Leuten, die mit diesem Teil umgehen können!!
JanMove
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