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Alt 13.05.2015, 21:37
Frank Schmidt Frank Schmidt ist offline
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AW: Tischtennis tötet sich selbst - Probleme im Tischtennis

Die Bundesligen sind im Gesamtbild "Tischtennis in Deutschland" eher unbedeutend. Sie interessieren nur einen Bruchteil der aktiven Spieler - ganz anders als im Fußball. In meinem Verein würde ich grob über den Daumen gepeilt schätzen, dass weniger als 10% sich für Bundesliga interessieren oder schon mal bei einem Spiel waren.
Selbst als unsere Damen noch 1. Liga gespielt haben, waren vielleicht maximal 50% der Vereinsmitglieder mal bei einem Spiel. Aktuell spielt 20 km weiter mit dem 1. FC Saarbrücken eine starke Herrenmannschaft aber auch die interessiert fast Niemanden.

Grundsätzlich erscheint es mir recht schwierig und immer schwieriger, den "gemeinen" Tischtennisspieler für irgendwas anders zu interessieren außer wir seine eigenen Spiele. In unserem Verein ist immer mehr ein Trend zu erkennen, dass die Spieler immer weniger bis gar nicht trainieren und nur noch zu den Mannschaftsspielen auftauchen. Bundesliga oder irgendwelche anderen Dinge interessieren da wenig bis gar nicht.

Woran das liegt, lässt sich für mich schwer festmachen. Bequemlichkeit scheidet denke ich aus, da auch fast niemand sich einen Stream anschaut, den er/sie live und kostenlos nach Hause geliefert bekommt.
Gerade die älteren Generationen interessieren auch solche Neuerungen wie TTS/TTR sehr wenig. Bei uns würden vielleicht maximal 2-3 Leute Geld dafür ausgeben. In unserem Verband gibt es aktuell den Wert tagaktuell kostenlos und dennoch schaut ihn sich kaum jemand an geschweige denn dass er Geld dafür bezahlen würde.

Ich habe seit Jahren den Eindruck, dass die vielen Regeländerungen, unterschiedliche Spielsysteme, hochpolitische Themen wie Ergebnisdienste, lokale, überregionale und nationale umstrittene Entscheidungen oder auch Abneigungen gegen "Würdenträger" zunehmend dazu führen, dass die Spieler immer mehr das Interesse an der Sportart Tischtennis verlieren.
Vermutlich lässt sich das nicht an einzelnen Themen wie der Bundesliga festmachen sondern ist ein globales Problem, das ganz viele Einflussfaktoren hat, die zur Folge haben, dass sich die Spieler zunehmend aufs Spielen konzentrieren und alle anderen Faktoren ausblenden.

Das ist natürlich nur eine Vermutung aber eins ist klar: das Problem hat etliche Einflussfaktoren und ist alles andere als leicht zu greifen.

Die Nutzung von Internet und neuen Medien bewirkt aktuell dass sich kaum Mitglieder finden lassen. 90% der Vereine haben nicht einmal eine Homepage auf der man die Trainingszeiten finden kann. Wenn jemand im Ort wohnt, nach Sportangeboten sucht und dafür erst im Vereinsregister die Telefonnummer des Vorsitzenden anfragen muss, um dann die Trainingszeiten hinterfragen zu können, ist es wenig verwunderlich, wenn die Mitgliederzahlen jedes Jahr sinken.
Auf dem Gebiet spüre ich immer wieder aus erster Hand, dass Dinge, die für mich eigentlich seit 20 Jahren schon normal sind und längst Standard sein sollten bei anderen Reaktionen hervorruft als hätte man in der Steinzeit gerade das Rad erfunden.

Tischtennis in Deutschland ist über alle Strukturen und Ebenen hinweg den Anforderungen einer modernen Sportart weder gewachsen noch auf dem Weg, die Probleme in irgendeiner Form erfolgreich anzugehen. Auf allen Ebenen verliert man zu leicht im Detail, verrennt sich in politische Diskussionen, monetäre Abhängigkeiten, Verstrickungen mit Unternehmen, die keinerlei Interesse an unserer Sportart haben und viele weitere Themen, die in keinster Weise die Sportart voranbringen.
Der Untergang der Sportart Tischtennis wird zunehmend nur noch verwaltet, ein aktives Gegensteuern auf allen Ebenen mit einem gemeinsamen Ziel scheint mir aufgrund meiner mittlerweile 20-jährigen ehrenamtlichen Erfahrung vom Jugendwart eines der größten Breitensportvereine, Tätigkeiten im Kreis und Verband bis hin zu Kooperationen mit dem DTTB und einem Vorstandsamt bei einem Bundesligisten von Jahr zu Jahr unwahrscheinlicher. Es gibt hunderte wenn nicht gar tausende Baustellen von denen die Hälfte zwar angegangen wird aber alle Bemühungen in zig unterschiedliche Richtungen gehen. Ich nehme mich hier bewusst nicht aus. Die Erfahrung der letzten Jahre hat mir durchaus gezeigt, dass man unter den extrem schwierigen Rahmenbedingungen im Tischtennis sehr schnell die Objektivität verliert.
Eine Verbesserung der aktuellen Situation kann nur dann erfolgen, wenn der kleinste Dorfverein genauso daran mitarbeitet wie der größte internationale Verband und die ITTF. Leider habe ich zunehmend den Eindruck, dass gerade Deutschland hier zunehmend stagniert. Ich habe mittlerweile sowohl Einblicke in andere Sportarten als auch in Tischtennisverbände anderer Länder und gewinne zunehmend den Eindruck, dass die Situation kaum irgendwo so schwierig zu sein scheint, wie im deutschen Tischtennis.
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