Zitat:
Zitat von Frank Schmidt
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Grundsätzlich erscheint es mir recht schwierig und immer schwieriger, den "gemeinen" Tischtennisspieler für irgendwas anders zu interessieren außer wir seine eigenen Spiele. In unserem Verein ist immer mehr ein Trend zu erkennen, dass die Spieler immer weniger bis gar nicht trainieren und nur noch zu den Mannschaftsspielen auftauchen. Bundesliga oder irgendwelche anderen Dinge interessieren da wenig bis gar nicht.
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Ich habe seit Jahren den Eindruck, dass die vielen Regeländerungen, unterschiedliche Spielsysteme, hochpolitische Themen wie Ergebnisdienste, lokale, überregionale und nationale umstrittene Entscheidungen oder auch Abneigungen gegen "Würdenträger" zunehmend dazu führen, dass die Spieler immer mehr das Interesse an der Sportart Tischtennis verlieren.
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Das ist natürlich nur eine Vermutung aber eins ist klar: das Problem hat etliche Einflussfaktoren und ist alles andere als leicht zu greifen.
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Tischtennis in Deutschland ist über alle Strukturen und Ebenen hinweg den Anforderungen einer modernen Sportart weder gewachsen noch auf dem Weg, die Probleme in irgendeiner Form erfolgreich anzugehen. Auf allen Ebenen verliert man zu leicht im Detail, verrennt sich in politische Diskussionen, monetäre Abhängigkeiten, Verstrickungen mit Unternehmen, die keinerlei Interesse an unserer Sportart haben und viele weitere Themen, die in keinster Weise die Sportart voranbringen.
Der Untergang der Sportart Tischtennis wird zunehmend nur noch verwaltet, ein aktives Gegensteuern auf allen Ebenen mit einem gemeinsamen Ziel scheint mir aufgrund meiner mittlerweile 20-jährigen ehrenamtlichen Erfahrung vom Jugendwart eines der größten Breitensportvereine, Tätigkeiten im Kreis und Verband bis hin zu Kooperationen mit dem DTTB und einem Vorstandsamt bei einem Bundesligisten von Jahr zu Jahr unwahrscheinlicher. Es gibt hunderte wenn nicht gar tausende Baustellen von denen die Hälfte zwar angegangen wird aber alle Bemühungen in zig unterschiedliche Richtungen gehen.
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Eine Verbesserung der aktuellen Situation kann nur dann erfolgen, wenn der kleinste Dorfverein genauso daran mitarbeitet wie der größte internationale Verband und die ITTF. Leider habe ich zunehmend den Eindruck, dass gerade Deutschland hier zunehmend stagniert. Ich habe mittlerweile sowohl Einblicke in andere Sportarten als auch in Tischtennisverbände anderer Länder und gewinne zunehmend den Eindruck, dass die Situation kaum irgendwo so schwierig zu sein scheint, wie im deutschen Tischtennis.
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Ich stimme dir zu fast 100% zu. Habe mal einige Passagen die mir wichtig scheinen zitiert.
Ich schätze 90% der Spieler sind wirklich nur interessiert an ihrem eigenen Spiel. Sie kommen zum Training um jede Woche wieder mit den gleuchen 3 Partnern etwas zu zocken. Sie kommen zum Spiel um da auch möglichst über Jahre mit den gleichen Kollegen zu spielen und ggf danach noch was zu trinken/Essen usw.
Interesse an Vereinsarbeit ist sehr gering. OK Mal der Frau sagen sie soll nen salat machen zum Sommerfest aber dann muss auch gut sein. Interesse am Spitzentischtennis egal ob Buli oder WM: sehr gering. Ok wenn man zufällig reinzapt und da ist TT guckt man das auch mal.
Regeländerungen und ähnliche Dinge bekommen sie erst mit wenn es sie dann wirklich betrifft und alles entschieden ist. wenn sie einen Belag nicht mehr spielen dürfen, wenn der Gegner die Aufschläge moniert. Wenn sie plötzlich nicht mehr mit ihren Kumpels spielen können weil sie sich bei nem Turnier den TTr versaut haben, weil sie plötzlich keinen Ball mehr treffen, weil der Plastikball anders springt usw. Um es mal überspitzt zu sagen: Für die meisten ist alles neue anders und damit schlechter.
Was bedeutet das jetzt für Massnahmen, die ITTF und andere beschließen....
1. Das Interesse am Spitzentischtennis wird nicht geweckt. Egal was man macht. Satzdauer oder nicht verdeckte Aufschläge usw völlig egal. Das bringt keinen TT Spieler mehr als Zuschauer in die Halle. Und nur die bringen dann auch mal nen Laien mit der sich dann dafür auch mal begeistert. Aber auch den begeistert nicht ob der Satz bis 11 oder 21 geht sondern wenn die Stimmung in der Halle usw...noch mehr wenn da jemand spielt den er kennt.
2. jede Änderung führt aber oft zu Mißmut an der Basis wenn sie dort dann real ankommt.
3. Dummerweise scheinen die Verantwortlichen bei ihren Entscheidungen genau diese beiden Punkte nicht zu berücksichtigen...Man ändert Dinge in der Hoffnung es bringt mehr Zuschauer usw , aber das passiert dann nicht aber verärgert seine Basis die dann aufhört zu spielen und/oder zumindest das Interesse am TT Sport außerhal des eigenen Spiel verliert.
Sprich die Wahrscheinlichkeit das man die Situation an der Basis mit einer Änderung verschlechtert ist viel größer als die Chance evtl etwas am Spitzensportinteresse zu verbessern.
4. Die Interessen der Funktionäre bei der ITTF und den Verbänden sind eben oft ganz andere als die der Vereine. Deswegen stoßen dann Maßnahmen der ITTF/Verbände oft auf Empörung bei den Vereinen und dann wird geschimpft und ggf absichtlich aus Ärger und Eigeninteresse gegen gesteuert. Meist weil die Maßnahmen der Verbände die Vereine vor Aufgaben stellen die sie finanziell nicht einfach bewältigen können oder die gewohnten Abläufe stören.
Deswegen würde ich sagen: Tischtennis tötet sich nicht selbst, aber es stürzt eine Treppe runter.
Und die Maßnahmen der ITTF und Verbände führen nicht dazu den Sturz zu bremsen oder aufzuhalten sondern sie schubsen es noch an.
Und das wird solange so sein solange man Maßnahmen beschließt, die die Basis verärgert.