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Alt 18.05.2015, 14:57
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AW: Anarchie, Privatrechtsgesellschaft, Staat und sonstige Utopien

Zitat:
Zitat von Eriko Hashimoto Beitrag anzeigen
Ja dies ist Propaganda, hahaha lächerlich, aber auch wenn man den Text analysiert merkt man es..... usw...
So ganz hast Du den Artikel nicht erfasst. So ganz unrecht hast Du aber auch nicht. Aber man muss sich Japan genauer ansehen, um das zu verstehen. Die Japaner haben das "Glück", dass gesellschaftliche Zwänge, das kulturell geprägte (Samurai-Kultur) Ehrverständnis, die Religion wichtige Hemmnisse sind und verhindern, dass die Menschen so schnell kriminell werden. Das hat allerdings nichts mit besonderem sozialen Verständnis zu tun. Man begeht nicht aus Nächstenliebe keine Verbrechen, sondern weil man um seinen eigenen Status in der Gesellschaft fürchtet. Man fürchtet um sein Gesicht. Wenn ein Japaner auf sich selbst deutet, deutet er auf sein Gesicht, seine Nase. Das Gesicht ist im übertragenen Sinne sehr wichtig.

Man darf aber auch nicht unterschätzen, wie sich Japan kulturell entwickelt. Es ist eine Gesellschaft der Doppelmoral. In Tokyo stehen an der Straße Wühltische mit Pornos, für jeden zugänglich. In ländlichen Kreisen läuft die Frau immer noch mehrere Meter hinter dem Mann. Öffentliche Küsse oder auch nur Händchenhalten wird gesellschaftlich nicht akzeptiert. In Großstädten geht man damit lockerer um. Neben Tempeln oder Schreinen stehen Großbanken oder sonstige Architekten-Träume. Im Fernsehen laufen im Vorabendprogramm extrem gewalttätige Mangas, die man auch gerne mal während des Abendessens laufen lässt. Sonst ist der Ablauf auch Zuhause ritualisiert (Schuhe, Baden, etc.). Die arbeitende Bevölkerung arbeitet sehr hart. Es ist eine wahnsinnige Leistungsgesellschaft. Wer aus dieser Gesellschaft rausfällt und auf der Straße landet, versucht weiterhin sein Gesicht zu wahren. Es sind richtige kleine Pappkarton-Wohnsiedlungen entstanden, in denen die Obdachlosen friedlich vor sich her leben und sich selbst die größtmögliche Würde bewahren. Gleichzeitig saugt man alle Subkulturen des Westens auf und pervertiert sie auch gerne. In Großstädten wie Tokyo leben unheimlich viele sehr einsame Menschen, die Geld für Zuneigung zahlen. Damit ist noch nicht einmal Prostitution gemeint. Es gibt Einrichtungen, da kann man einfach mal eine Stunde lang mit jemandem kuscheln oder einen Freund mieten. Der Begriff Cocooning hat seinen Ursprung in Japan. Die Leute vereinsamen, verlieren ihre eigene Kultur, werden zunehmend verunsichert in ihrer Identität und verrohen durch den ständigen Kontakt mit Sex und Gewalt, sowie mit käuflicher Zuneigung.

Wie lange Japan noch ein Land mit niedriger Kriminalitätsrate bleibt, ist abzuwarten...
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