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AW: Wechsel im Kreis
Hallo Timo,
dann möchte ich mich als einer von den direkt von dir angesprochenen Vereinen mal selbst zu Wort melden.
Zur generellen Situation im Kreis hat Florian ja schon geschrieben, dass es so schlecht um die Nachwuchsarbeit im Kreis Ar/Li nicht bestellt sein kann bei diesen Zahlen (auch wenn ich persönlich durchaus sehe, dass es bei den Jüngsten, die in den nächsten Jahren die Basis im Jugendbereich bilden werden, etwas weniger wird. Zum Beispiel gab es vor drei Jahren noch zwei fast volle C-Schüler Kreisligen und im letzten Jahr noch drei B-Schüler Kreisligen. Allerdings ist das, im Vergleich zu anderen Kreisen auf sehr hohem Niveau gemeckert.).
Da es ein Thema ist, was anscheinend doch sehr bewegt (Äußerungen auf Kreismannschaftsmeisterschaften, Gästebuch Sundern und jetzt auch hier (vorausgesetzt es ist nicht alles ein und die selbe Person, die unter verschiedenen Synonymen sich dazu äußert), werde ich dazu mal meine Gedanken aufschreiben und hoffe auch damit eine konstruktive Diskussion zu starten. Ich werde mich natürlich hauptsächlich auf den LTV beziehen, da ich mich mit Sundern nicht so gut auskenne, zumal der Verein sicher auch für sich selbst Stellung nehmen kann und wird, wenn er es für sinnvoll hält.
Der LTV hat vor vier Jahren noch zwei Nachwuchsmannschaften gehabt. Eine Jungen Kreisliga und eine Schüler Kreisklasse Mannschaft. Daher kann man sicher nicht sagen, dass der LTV schon immer groß war, immer erfolgreich war und daher der Erfolg, der aktuell gegeben ist, vorauszusehen war. Es hat sich viel geändert in diesen vier Jahren in Bezug auf Jugendarbeit. Das Training hat deutlich an Qualität zugenommen. Allein sieben Trainer stehen jede Woche, die meisten davon mehrfach, in der Halle. U.a. freitags Martin Adomeit für zwei Stunden. Wir haben Geld für Materialien in die Hand genommen um das Training abwechslungsreich gestalten zu können (Koordinationsleitern, Hürden, Stepbretter, versch. Bälle, Roboter, Gewichtsstangen, erhöhte Netze, Ringe, Seilchen etc.). Das sind alles Dinge, die nichts mit dem Verein an sich zu tun haben, sondern mit Arbeit, die sich die Verantwortlichen gemacht haben, um die Situation für den Nachwuchs attraktiver zu gestalten.
Und jetzt stellt sich doch die Frage, bzw. eigentlich stellt sie sich nicht, wo denn talentierte Jugendliche, die im TT etwas erreichen wollen, sich besser aufgehoben fühlen (bzw. die Eltern entscheiden das ja in jungen Jahren oft)? In einem Verein mit bis zu vier Mal pro Woche Training bei guten Trainern, Lehrgängen in den Schulferien, Besuchen von großen Turnieren und abwechslungsreichem Training oder in einem Verein, wo viele dieser Dinge nicht gegeben sind?
Das führt aktuell dazu, das will ich gar nicht abstreiten, dass einige Jugendliche aus anderen Vereinen zu uns wechseln, wobei ich hier ausdrücklich betone, dass der LTV in meiner Zeit als Jugendwart noch nie einen Spieler abgeworben hat und von sich aus angesprochen hat. Der Normalfall ist, dass die Spieler oder Eltern mich fragen, ob wir Platz hätten in der kommenden Saison, da sie das Gefühl haben, dass sich die Kinder in ihrem Alten Verein nicht weiterentwickeln können. Und in dem Fall gibt es für mich keinen Grund abzusagen. Klar möchten wir motivierte, talentierte Kinder fördern.
Das diese Wechsel für die "kleineren" Vereine Verluste sind, ist mir bewusst. Aber in welcher Sportart ist das denn nicht so, dass es kleinere und größere Vereine gibt und das die Talente, die in den kleinen Vereinen an ihr Limit stoßen, sich probieren weiterzuentwickeln? Nichts anderes habe ich persönlich vor einigen Jahren mit meinem Wechsel zum TTC GW Bad Hamm gemacht und würde es immer wieder so machen.
Ob das Ganze positiv oder negativ ist, ist meiner Meinung nach von jedem Verein selbst abhängig. Generell fördert der Erfolg vom LTV und von Sundern in der Region sicher die Sportart TT an sich durch viele Berichte in der Zeitung, dem Ausrichten von überregionalen Turnieren, Ferienspaßaktionen, Kooperationen mit Schulen etc. Es ist nur die Frage, was die Vereine daraus machen. Extrembeispiel: Wenn ich kein Jugendtraining anbiete, brauche ich auch nicht mit dem Finger auf die "Großen" zu zeigen und sagen: "Wegen euch kommen keine Kinder zu uns". Die wären auch sonst nicht gekommen. Weniger extrem formuliert würde es wohl lauten: Wenn ich 1-2x die Woche lockeres Jugendtraining ohne ausgebildete Trainer anbiete, werden mir die richtigen Talente irgendwann abwandern.
Nächste Frage, die sich daraus stellt ist doch, was man als "kleiner" Verein überhaupt erreichen will. Kann ein Verein nur glücklich werden, wenn man mit Spitzenleuten irgendwann Jungen Verbandsliga spielt? Wieso sind Breitensportvereine nicht auch ein Ziel, in welchen fünf Nachwuchsmannschaften auf Kreisebene aktiv sind und Spaß haben an ihrem Hobby (Beispiel TuS Ehringhausen, der in absoluter Nähe zum LTV seit Jahren erfolgreiche Jugendarbeit betreibt und damit zufrieden sein kann und es auch ist. Vor fast einem Jahrzehnt ist mit Michael Ritter das Ausnahmetalent Ehringhausens zum LTV gewechselt und spielt seit dieser Zeit beständig in der Herren Landes- oder Verbandsliga. Böse Stimmen aus Ehringhausen gab es dazu aber nie. Sie haben ihrem Talent den Erfolg gegönnt und freuen sich mit ihm über seine Erfolge).
Ob es möglich ist neben den "Großen" selbst noch was Großes auf die Beine zu stellen? Beispiel Anröchte beantwortet die Frage klar mit "Ja". 10 Nachwuchsmannschaften in diesem Jahr. Sicher noch nicht in hohen Spielklassen, aber erstens muss das ja gar nicht das Ziel sein und zweitens hat sich das auch beim LTV erst über Jahre entwickelt. Wird jemand von Anröchte zum LTV wechseln, wenn er in Anröchte ebenso gut gefördert wird? Nein. Ist es also für einen Verein der Gegend ein Problem, dass der LTV aktuell so gewachsen ist? Meiner Meinung nach nicht. Es kommt lediglich auf das Angebot im eigenen Verein an. Gibt es da so gut wie keins, braucht man sich nicht wundern, dass Kinder sich nicht in die Halle verirren. Warum läuft es in Anröchte wieder? Weil mit Lars Juchhoff dort wieder jemand was für die Jugend macht und Zeit investiert. Und so ist es doch überall. In Wadersloh investiert Claudia Ließ ihre Zeit und dort läuft es auch. Man kann halt nicht erwarten kein gutes Angebot anzubieten, niemanden zu haben, der Zeit investiert, aber eine erfolgreiche Jugendarbeit zu haben. Das funktioniert nicht, hat nie funktioniert und wird auch in Zukunft nicht funktionieren.
Ich bin übrigens jederzeit bereit interessierten Vereinen Tipps zu geben, was bei uns gut funktioniert hat etc. Die DJK Roland Rauxel hatte mich da schon mal angesprochen und wir haben da gute Telefonate gehabt und einige Mails hin und her geschickt. Auch Trainer, die mal bei uns im Jugendtraining hospitieren wollen um sich das Ganze mal aus nächster Nähe anzuschauen, können mich gerne ansprechen.
Viele Grüße
Christian Gleitsmann
PS: um noch auf die diese Saison zu uns gewechselten Spieler einzugehen, die ja sicher Anstoß zu diesem Beitrag gegeben haben.
1. Marius Thaldorf (TTC Germ. Lippstadt) - keine Jugendmannschaft im Verein
2. Chris Padubrin (TuS Bad Driburg) - Jugendmannschaft hat sich aufgelöst
3. Jan Helmig (TuS Wadersloh) - kann beim LTV höher spielen und ist auch kein Eigengewächs vom TuS, sondern hat dort auch erst eine Saison gespielt
4. Joel Blanke (SV GW Steinhausen) - Probleme in der Jugendmannschaft und hätte sonst wohl mit TT aufgehört
5. Carina Wegner (SC Germ. Stromberg) - logische Konsequenz, da ihre beiden Brüder auch schon beim LTV spielen und wir eine B-Schülerinnen Mannschaft haben in ihrem Alter, was in Stromberg nicht so wäre.
Geändert von chrisG (01.07.2015 um 10:46 Uhr)
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