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AW: Wechsel im Kreis
Auch wenn ich nicht dem Kreis angehöre, versuche ich mal ein paar Worte loszuwerden.
Dieses "Problem" ist ja kein hausgemachtes aus dem Kreis Arnsberg/Lippstadt. Ich kenne mich zwar im Raum Düsseldorf beispielsweise weniger aus, kann mir aber gut vorstellen, dass die Vereine im Umkreis von Borussia Düsseldorf ähnliche Beschwerden haben. Aber inwiefern ist das denn überhaupt eine Beschwerde? Ja, mit aller Wahrscheinlichkeit wechselt ein talentierter Jugendlicher nach zwei-drei Jahren vom Heimatverein zu einem der großen Tischtennisabteilungen, falls der Heimatverein keine Ligen und keine Struktur hat, die das betroffene Talent zum bleiben bewegen. Und was ist schlimm daran? Nun kommen die Menschen, die sich darüber beschweren, dass man viel Zeit und Geld in das Kind gesteckt hat und das letztlich umsonst war - eine sehr engstirnige Sicht der Dinge. Das Talent hat immerhin 2-3 Jahre für den Verein gespielt und Ergebnisse gebracht. Eventuell war es auch mit verantwortlich für einen aufstrebenden Trend, weil solch ein Talent nun mal auch eine positive Außenwirkung hinterlässt. Und leider muss man vielen die Illusion nehmen, dass sich der Verein genauso schnell entwickeln kann, wie das Kind. Das ist in den wenigsten Fällen möglich.
Lippstadt hat das Glück, dass sie schon vor Beginn der intensiven Jugendarbeit eine vernünftige Herrenstruktur hatten und somit auch weniger Widerstand für ihre erfolgreiche Arbeit hatten. Sundern hingegen lebt davon, dass Roland die Aufstiege im Herrenbereich möglich gemacht hat (übrigens unter großer Mithilfer der eigenen Jungs) und es auch immer wieder geschafft hat, weitere spielstarke Herren vom Konzept zu überzeugen. Somit funktioniert die Entwicklung aktuell dort auch und sie konnten innerhalb von zwei Jahren von der Kreisliga in die Bezirksliga aufsteigen und den Jungs somit auch eine sportliche Herausforderung bieten. Das geht aber nicht überall. Die meisten kleineren Vereine werden solche Möglichkeiten nicht haben.
Lasst eure großen Talente ziehen, wenn sie das wollen und bleibt weiterhin in Kontakt. Irgendwann wollen sie sich vielleicht nochmal umorientieren und denken daran, wo sie die ersten Schläge gemacht haben. Bei mir persönlich sind in diesem Jahr zwei meiner Jugendlichen nach einer einjährigen Erfahrung in einer höheren Liga wieder zurückgekommen - und zwar auch, weil wir trotz des Wechsels sie noch überall einbezogen haben und weiterhin gern beim Training gesehen haben. Man schafft durch die großen Vereine in der Konkurrenz eventuell keine so schnelle Entwicklung wie bei Sundern z.B., aber irgendwann wird sich kontinuierliche Nachwuchsarbeit auszahlen und irgendwann wechseln die Jungs nicht mehr zum Nachbarn, weil der eigene Verein reizvoll genug für die Ansprüche ist.
Um das Zitat ("Was sollen wir noch Jugendlichen etwas beibringen, wenn sie am Ende eh in Lippstadt spielen?") aus dem Eingangsbeitrag aufzugreifen: eine solche Einstellung wird langsam aber sicher dafür sorgen, dass der eigene Verein zu Grunde geht und das, so paradox es auch wirkt, nur, weil man die Vereinsbrille nicht abnehmen kann. Die Alternative zu dem Zitat wäre, dass man gar keine Nachwuchsarbeit mehr macht - und wem ist damit geholfen? Den einzelnen Kindern, die man vielleicht mit der Sportart begeistern könnte, nicht und dem eigenen Verein ganz sicher auch nicht.
Gruß
Dustin Gesinghaus
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