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Zitat von Armendariz
Das heißt einfach, dass europäische Spieler momentan länger brauchen um an ihre Leistungsspitze zu kommen, oder nicht?
Man könnte es auch so sehen, dass der europäische Ansatz nachhaltiger ist und die Spieler nicht so schnell auslaugt. Also wenn Gauzy ähnlich wie Gacina oder Freitas mit knapp 30 seine Leistungsspitze erreicht, dann hat er ja noch viel Zeit.
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Ja, sie brauchen länger an die Spitze. Das muss ja aber nicht zwingend ein Vorteil sein. Im heutigen immer athletischer werdenden Tischtennis ist es unwahrscheinlich, dass man im fortgeschrittenen Alter noch körperlich mithalten kann. Wenn man dann nicht gerade wie Waldner oder Boll mit außerordentlichem Talent gesegnet ist und dadurch auch ohne den besten Körper Rest-Europa in Schach hält, sondern sein Spiel auf Schlaghärte und Physis aufbaut, nimmt dann auch das Spielniveau entsprechend ab. Wer mit 27 erst seine Leistungsspitze erreicht, kann also geschätzt vielleicht 8 Jahre auf hohem Niveau spielen. Wer sie schon mit 20 erreicht dagegen mal locker 10-15 Jahre. Ein Boll ist ja z.B. seit 13 Jahren nahezu durchgängig unter den Top10 der Welt, bei Waldner liegen zwischen dem zuvor genannten EuropeTop12-Sieg und dem 2. Platz in Sydney ebenfalls 13 Jahre. Bis zum 4. Platz in Athen waren es sogar 17!
Das heißt doch, um international über einen Zeitraum von 15 Jahren gut mitzuhalten, braucht es eben nur einen Spieler vom Format Boll, aber zwei Spieler vom Format Freitas, weil beide nur halbsolange auf dem hohen Niveau spielen. Wo sollen all die Spieler denn herkommen? Wir haben doch eher das Problem, dass die europäische Spitze immer dünner wird und nicht breiter. Mal abgesehen davon, dass Freitas ja noch nicht mal das Niveau hat, was Boll mit 22 hatte. Wir sind also sowohl von der Qualität, als auch von der Quantität zu schlecht aufgestellt.
Wie aber Dorit zeigt, ist das kein neues Problem. Dass Spieler wie Saive, Kreanga, usw. erst sehr spät von jüngeren Spielern verdrängt wurden, deutet ja daraufhin, dass die Ursache schon in den Zeiten der großen Erfolge, also Anfang bis Mitte der 90er-Jahre zu suchen sind. Damals gab es mit den Schweden, Gatien, Saive, Kreanga, und wie sie alle hießen eine ganz Horde starker Spieler in Europa. Seitdem gab es aber im Grunde genommen nur vereinzelt Lichtblicke wie Boll, Maze, Ovtcharov oder mal Freitas. Aber alle 3-4 Jahre mal ein neuer Spitzeneuropäer reicht eben nicht, wenn es in Asien gefühlt einer pro Jahr ist. Vielleicht sind die Europäer aber auch genauso stark wie früher und haben gar nichts falsch gemacht. Asien ist einfach viel stärker geworden. Ich weiß es nicht. Anzunehmen ist aber, dass bei den - zumindest in Deutschland - rückläufigen Mitgliederzahlen und der immer herausfordernderen Jugendarbeit die Sache in naher Zukunft eher schwieriger als einfacher wird.