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AW: Die Einhaltung der Aufschlagregeln: Eine Analyse von 10 Topspielern der EM 2015
Erstmal gilt die Netz-Raum Regel (6.5) nur für den freien Arm, für die anderen Körperteile gilt nur Sichtachse (6.4).
Du kannst ansonsten leicht an der Praxis überprüfen, dass etliche Deiner Annahmen problematisch sind. Z.B. ist in den hier aufgeführten Beispielen, in denen der Schiedsrichter tatsächlich konsequent eingegriffen hat und Punkte abgezählt hat, die Situation eskaliert. Die Reakationen zeigen imho recht deutlich, dass es da kein "Schuldbewusstsein" in dem Sinne gibt. Auch Autofahrer fahren z.B. - völlig ohne jedes Schuldbewusstsein - an Radfahrern deutlich dichter als 1,50m Abstand vorbei.
Das Beispiel des Ladendiebstahls passt aus vielerlei Gründen nicht. Um analog zu sein müsste u.a. jemand das permanent vor den Augen des Ladendetektivs machen, ohne dass dieser einschreitet. Außerdem müsste "Ladendiebstahl" eine Volkssportart sein, in der die Erfolgreichsten als Idole gefeiert werden. Dann würde man sich ein wenig der hier wirkenden Psychologie und dem Zusammenhang zu den Regeln nähern.
Ferner scheint es gar nicht die Absicht der ITTF zu sein, die Regeln strenger verstanden oder durchgesetzt sehen zu wollen. Es besteht da offenbar bereits ein weitgehender Konsens in der Regelauslegung und Durchsetzung. Abweichungen davon sind ausgesprochen selten, sowohl nach Oben (härtere Regelauslegung durch die Schiedsrichter) als auch nach Unten (Unterschreitung der Regelgrenze durch die Spieler). Hier bei der EM ist das bisher nur Shibaev, und auch bei dem ist es nicht so eindeutig.
Ansonsten hab ich starke Zweifel, ob die Vorschläge, die hier zur Lösung des (nicht wirklich vorhandenen) Problems führen sollen, tatsächlich durchsetzbar wären, in dem Sinne, dass die Durchsetzung nicht zu deutlich höheren Kollateralschäden führen würde. Außerdem besteht auch seitens der ursprünglichen Intention, Entschärfung des Aufschlagvorteils, gar kein Bedarf mehr.
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