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AW: 1.Bundesliga: Abschaffung Doppel!
Dieser Bericht war heute in Tischtennis-Inside zu lesen:
Roßkopf-Revolution:
Schafft die Doppel ab!
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In die Überlegungen um mehr Attraktivität des Tischtennis-Sports und der Bundesliga hat sich Jörg Roßkopf eingeschaltet. Ausgerechnet der Ex-Weltmeister fordert zur Verkürzung der Gesamtspielzeiten die Abschaffung der Doppel zu Spielbeginn und schlägt stattdessen die Einführung von maximal einem Doppel beim Stand von 4:4 zur Ermittlung eines Siegers vor. Unterstützung bekommt "Mr. Tischtennis" von Liga-Chef Arnold Beginn.
VON DOMINIK JANSEN
FRANKFURT/DÜSSELDORF - Jörg Roßkopf will das Spielsystem in der Bundesliga revolutionieren. „Man sollte in Zukunft ganz auf die Doppel verzichten oder höchstens am Ende nur noch ein Doppel spielen, wenn nach acht Einzeln kein Sieger feststeht“, erklärte der Mannschafts-Vizeweltmeister gegenüber TISCHTENNIS INSIDE.
Für seinen Aufsehen erregenden Plan nennt der 34-Jährige vor allem zwei Gründe: „Die Bundesliga-Spiele dauern für heutige Verhältnisse viel zu lange, und außerdem hat das Doppel grundsätzlich nicht mehr solch einen Stellenwert wie früher.“
Seine Schlussfolgerung fiel Roßkopf nicht leicht. Immerhin feierte der Rekordnationalspieler gerade im Doppel große Erfolge, gewann mit Steffen Fetzner 1989 in Dortmund den WM-Titel sowie 1992 in Barcelona Olympia-Silber und wurde mit Vladimir Samsonov 1998 in Eindhoven auch Europameister. Ungeachtet seiner ebenso glanzvollen Karriere als Einzelspieler (Europameister 1992 in Stuttgart und Olympia-Dritter 1996 in Atlanta) hielt die Öffentlichkeit das Doppel für „Rossis“ Paradedisziplin schlechthin. „Sicher, nach unserem WM-Titel hat das Doppel eine Zeit lang richtig geboomt. Aber inzwischen hat das Doppel erheblich an Bedeutung verloren“, meint der Linkshänder.
Aus Sicht von Deutschlands „Mr. Tischtennis“ ist die Entwertung des Doppels in den vergangenen Jahren schleichend vonstatten gegangen: „Viele Spitzenspieler lassen nicht nur bei Deutschen Meisterschaften das Doppel schon aus, um sich ganz auf das Einzel konzentrieren zu können. Selbst der Zeitplan bei einer DM ist ganz auf das Einzel ausgerichtet, da werden Viertelfinals im Doppel, also Spiele um eine Medaille, ganz früh am Morgen angesetzt. Das sagt schon viel aus. Außerdem hat man ja zuletzt bei der Olympia-Qualifikation
in Ludwigshafen gesehen, dass ein Doppel-Turnier die Zuschauer nicht so sehr interessiert wie ein Einzel-Wettbewerb. Die Bestrebungen, die Doppel-Wettbewerbe bei Olympischen Spielen ab 2008 durch Mannschafts-Wettkämpfe zu ersetzen, kommen ja auch nicht von ungefähr.“
Für die Bundesliga erwartet Roßkopf keinen Verlust von Attraktivität. „Ich konnte während meiner Verletzungspause 14 Monate lang Bundesliga-Spiele von außen beobachten. Dabei war ganz klar zu sehen, dass im Doppel nur noch wenige spektakuläre Ballwechsel zustande kommen“, schildert der Routinier seine Erfahrungen als Zuschauer: „Die Europäer generell trainieren zu wenig Doppel und spielen zu wenig Doppel. Es gibt besonders in der Bundesliga kaum noch so eingespielte Doppel, wie ‚Speedy’ und ich bei Borussia Düsseldorf eines waren. Oft sind die Doppel in der Bundesliga auch keine entscheidenden Spiele mehr.“
Aufgrund der allgemeinen Entwicklung hält Roßkopf das Doppel bei den Bemühungen um eine größere Attraktivität der Liga als Feld für Experimente äußerst geeignet: „Die Bundesliga muss etwas verändern, wenn sie weiter interessant bleiben will. Und durch die Doppel hat sie glücklicherweise – anders als andere Sportarten – auch die Möglichkeiten dazu“, meint das „Kind der Bundesliga“ und fügt hinzu: „Es käme der Vorteil dazu, dass die Spiele immer einen Sieger hätten.“
Roßkopf plädiert dafür, einen Testlauf zu wagen. „Man könnte das eine Saison oder auch
zwei Jahre ausprobieren und dann Zuschauer und Spieler befragen, was sie von dem neuen System halten“, erläutert der Hesse seine Vorstellungen.
Bei Liga-Chef Arnold Beginn findet Roßkopf mit seinem Vorhaben große Unterstützung. „Damit rennt ‚Rossi’ bei
mir offene Türen ein. Von mir aus könnte man die Doppel auch vollkommen streichen. Alles was zur Verkürzung der Gesamtspielzeit beiträgt, ist willkommen“, meint der Präsident des Bundesligisten SIG Jülich/Hoengen.
Im Liga-Ausschuss seien auch schon Ideen,
die mit Roßkopfs Ansätzen vergleichbar sind, erörtert worden. Beginn: „In dem Gremium waren wir auch fast einstimmig für Veränderungen bei den Doppeln. Aber bei allen Vereinen zusammen haben wir keine Mehrheit dafür finden können. Dass aber etwas passieren muss, ist klar.“
Dieses Modell wurde schon vor einigen Monaten vorgeschlagen, wurde aber auch abgelehnt. Es hat auch einige Vorteile, die Pause und das Spitzeneinzel würden auch bei einemhohen Sieg nicht einfach so ausfallen, und bei der Frage Sieg oder Niederlage ist die Spannung wesentlich größer als bei Sieg oder Unendschieden. Auch die Dauer des Spiels würde wahrscheinlich nur noch ungefähr 2,5 Stunden betragen. Der Nachteil wäre, dass dann Spieler, die nur im Doppel aufgestellt werden, nur in den seltensten Fällen zum Einsatz kommen würden, außerdem gäbe es dann noch ein weiteres Spielsystem. Für die Darstellung der Bundesliga in der Öffentlichkeit wäre dieses System aber gut geeingnet. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, so ein System in allen höchsten nationalen Ligen und auch in der Champions-League und im ETTU-Pokal einzuführen, dann gäbe es zumindest im Spitzensport auf Vereinsebene ein einheitliches Spielsystem.
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