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Zitat von crycorner
Ich halte es für plausibel, dass bei großen internationalen Turnieren Schiedsrichter eingesetzt werden, die zum Einen sehr gut ausgebildet sind und zum Anderen auch das nötige Rückgrat haben, um sich einer solchen Situation auszusetzen. Ich halte es auch für plausibel, dass vor Beginn eines Turniers der Oberschiedsrichter die generelle Marschroute festlegt, z.B. auch bzgl. der Auslegung der Aufschlagsregel. Allerdings ist die Auslegung schlussendlich nur subjektiv vorzunehmen und da gibt es dann Unterschiede zwischen den Schiedsrichtern und sogar bei ein und dem selben Schiedsrichter unbewusst je nach Tagesform, Sympathie, etc. Das ist aber eine Unschärfe, die sich nicht vermeiden lässt, weil die Aufschläge halt nicht in Echtzeit messbar und somit nicht objektiv bewertbar sind.
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Ja, das halte ich auch alles für plausibel. Aber für die aktuelle Situation, in der massenhaft vorliegende Regelverletzungen nur sehr sporadisch geahndet werden, bedeuten deine Annahmen letztlich: Die "generelle Marschroute" lautet in aller Regel, Regelverstöße extrem großzügig zu behandeln. Das finde ich wie gesagt langfristig inakzeptabel.
Es gibt natürlich Ausreißer, so wie der Weltcup 2015, bei dem in der Gruppenphase gefühlt ein Drittel bis die Hälfte der Spieler ermahnt worden ist. Aber das sind soweit ich das mitbekomme seltene Phänomene. Kontroversen gab es beim Weltcup trotzdem zu Genüge, wie z.B. die öffentlichen Beschwerden von Gardos und Mizutani über die von den Schiedsrichtern ungeahndeten Aufschläge von Källberg. Zufriedenstellend lief es dort also auch nicht ab.
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Zitat von crycorner
Ich glaube aber eben nicht, dass sich die Schiris von den Profis einschüchern lassen. Dass sich die Profis so verhalten, wie sie das tun, ist logisch. Hast Du ja auch schlüssig erklärt. Die Schiris sind aber keine armen Hascherl, die dann aus Angst irgendwelche Regeln über Bord werfen.
Und die Bezahlung für Schiris ist ein Witz. Bei internationalen Turnieren weiss ich es jetzt nicht, aber zumindest im nationalen Spitzensport ist die Aufwandsentschädigung noch nicht einmal dazu geeignet, den Aufwand zu entschädigen. Geschweige denn eine finanzielle Anerkennung zu erhalten. Die Leute tun das also freiwillig, aus Enthusiasmus. Das sind dann meistens auch die, die wirklich gut sind, in dem, was sie tun.
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Ja, vielleicht war Einschüchtern die falsche Idee. Aber wenn Schiedsrichter ihren Job aus Enthusiasmus und nicht wegen der Bezahlung machen, dann schätze ich ihre Konfliktbereitschaft niedrig ein. Wieso sollten sie es sich antun, Regelverletzungen zu ahnden, wenn es weder seitens der "Marschroute" der Oberschiedsrichter erwünscht ist, noch von den Spielern angemessen respektiert wird? Es bleibt doch dabei: Das großzügige Wegschauen ist für die Schiedsrichter eine vollkommen plausible Reaktion auf die vorliegende Situation.