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Alt 09.01.2016, 00:41
wjuergens wjuergens ist offline
wjuergens
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AW: Mit Holz-Selbstbau 130 QTTR-Punkte in 3 Monaten

Ich komme gerade vom Training in meinem Verein nach Hause. Dort haben wir meinen Schläger mit mehreren Mannschaftskollegen getestet und haben uns Gedanken über das wie und warum dieses Holzes gemacht.
Ein bisschen sind wir dem Geheimnis (wenn es denn eines gibt) auf die Spur gekommen.
Norbert hatte gestern in einem Beitrag gefragt, wie ich Tempo und Anschlag des Holzes einschätze. Gestern konnte ich nur sagen, dass das Tempo zumindest bei passiven Schlägen eher gemäßigt ist, während es bei Schlägen mit aktiver Bewegung durch das Gewicht schon mehr Tempo generiert. Zum Anschlag konnte ich weniger sagen, darüber hatte ich mir ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken gemacht. Für mich stand mehr der Effekt im Vordergrund, den ich mit einer englischen Floskel umschreiben möchte : It works.
Heute abend habe ich mich dann mal etwas systematischer mit meinem Schläger beschäftigt. Dazu habe ich mich zuerst etwa 15 Minuten mit meinem Schläger eingespielt, um ein "Referenzgefühl" für den Wechsel auf meinen vorherigen Schläger (gleiche Form, gleich Beläge) zu bekommen. Dann der Wechsel und mal genau hingefühlt. Das alte Holz ist, wie schon oben beschrieben ziemlich genau 30 Gramm leichter, und fühlte sich beim Spielen im Vergleich zum neuen Holz total "zappelig" an. Man muss viel mehr Bewegung in den Schläger bringen, um den Ball halbwegs vernünftig auf die andere Tischhälfte zu bringen. Das ist so ein bisschen so wie beim Nagel einschlagen. Wenn man einen passenden Hammer hat, benötigt man gar nicht so viel Bewegungsaufwand, um den Nagel zu versenken. Ist der Hammer dagegen zu klein, wird es deutlich schwieriger. Dann muss man mit viel mehr Geschwindigkeit arbeiten, sonst verhungern Hammer und damit auch der Nagel jämmerlich.
Nach ca. 5 Minuten wieder der Wechsel zurück zum neuen Holz und das wohltuende Gefühl etwas in der Hand zu haben, das Ruhe und Sicherheit vermittelt.
Mir ist nach heute abend klar, woher die deutlich bessere Aufschlagannahme rührt, die ich bei meinem neuen Holz vor allem schätze. Beim alten Holz musste ich deutlich mehr Bewegung in den Schläger bringen, um den Aufschlag zu retournieren. Mit dem neuen Schläger kann ich deutlich ruhiger an den Ball gehen, die größere Masse des Schlägers sorgt für einen deutlich aktiveren Ballabsprung ohne das es sich unkontrolliert anfühlt.
Norbert fragte nach dem Anschlag. Einer meiner Trainingspartner nahm meinen Schläger und spielte damit. Das erste, was er sagte war : Oh, das Holz fühlt sich aber elastisch an. Wir haben dann mehrere Schläger an die Tischkante gelegt, so dass nur der Griff über die Kante ragte. Mit einer Hand haben wir dann das Schlägerblatt auf den Tisch gedrückt, mit der anderen Hand haben wir dann vorsichtig getestet, wie flexibel die Verbindung Schlägerblatt/Schlägergriff ist. Man konnte deutlich fühlen, dass bei meinem Holz diese Verbindung deutlich flexibler ist, ohne das man das Gefühl hätte der Griff wäre angebrochen.
Apropos angebrochen. Mein Sohn hatte in seiner Jugendzeit mal ein Butterfly-Primoracz-Holz, mit der er hervorragend zurechtkam. Es stellte sich dann irgendwann heraus, dass dieses Holz angebrochen war. Als er dann ein neues (gleiches) Holz bekam, war die Enttäuschung zunächst groß, das alte angebrochene Holz vermittelte ihm deutlich mehr Gefühl, als das neue nicht angebrochene Holz.Er spielte dann solange es ging mit dem angebrochenen Holz weiter. Den neuen Schläger hatte er dann immer nur als Ersatzschläger dabei.
Offensichtlich ist es so, dass der 5-lagige Lindenholzkern weich, schwer und flexibel ist. Genügend Stabilität bringen die beiden dünnen Ahorn-Außenfurniere, ohne das Holz zu starr werden zu lassen. Insgesamt 7 Schichten bei einer Schlägerdicke von knapp 6 mm, geben offensichtlich genügend Stabilität. Ich hatte in den letzten drei Monaten nie das Gefühl, dass der Schläger brechen könnte, und das obwohl ich schon einige Tischkontakte hatte. Bei genau solchen Tischkontakten hatte ich im Sommer vorletzten Jahres zwei leichte Abwehrhölzer abgebrochen.
Ich denke das diese Eigenschaft genau das ist, was Norbert mit weichem Anschlag meinte.
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"Erst wenn
der letzte Nachwuchsspieler zum Fußball abgewandert,
der letzte Übungsleiter gefrustet aufgibt,
der letzte Verein die Jugendarbeit einstellt
und der letzte Aktive seinen Schläger altersbedingt zur Seite legt,
werdet Ihr feststellen, dass man mit click-TT keinen einzigen Nachwuchsspieler gewonnen hat und niemand mehr da ist, um die Kosten zu tragen!"
(Abgewandelt von der Weissagung der Cree)
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