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Alt 21.01.2016, 16:54
Bo5 Bo5 ist offline
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AW: Vorhandtopspin - Schlagansatz

Zitat:
Zitat von crycorner Beitrag anzeigen
Ist ganz einfach: Deine Regel, die ja auch stimmt, gilt für das TS- Spiel an der Platte. Es ist nun aber so, dass der flache TS auf einen leeren, oder ÜS- Ball riskant ist, weil man selbst nicht so viel TS- Rotation erzeugt.
So ganz kann ich dir da nicht zustimmen. Das mit der Flugkurve stimmt alles, aber das mit der Rotation sehe ich anders.

Wie viel Rotation man erzeugt hat zunächst einmal einzig und allein mit der tangentialen Beschleunigung im Balltreffpunkt zu tun, also damit wie schnell und fein man den Ball streift. Das ist von der Flugkurve völlig unabhängig, auch wenn immer wieder Leute behaupten später getroffene - und am besten noch langsame - Bälle hätten mehr Rotation. Ein schneller Ball hat aber mehr. Dass der Ball beim Eröffnungstopspin auf US oft hinten raus geblockt wird, liegt meiner Meinung nach mehr an der Flugkurve als an der größeren Rotation. Die einzigen Effekte, die hier eine Rolle spielen, sind folgende:
1.) wenn schon viel Schnitt im Ball ist, kann ich diesen umkehren und gewissermaßen mitnehmen
2.) in der fallenden Phase hat der Ball, der ja eine parabelförmige Flugbahn hat, über einen recht langen Zeitraum eine näherungsweise geradelinige Flugbahn schräg nach unten. Dabei bewegt er sich genau entgegengesetzt meiner schrägen Topspin-Bewegungsebene, sodass ich ein großes Trefferfenster habe und es leichter fällt, den Ball tangential zu treffen. Daher oft die größere Sicherheit auf Bälle in der fallenden Phase (aber noch über Tischniveau). Daraus ist dann bei vielen ja das Märchen entstanden, dass man wartet bis der Ball weniger Schnitt hat, was natürlich Blödsinn ist.
Am Scheitelpunkt der Parabel ist es schwieriger den richtigen Winkel zu treffen und wenn man den richtigen Moment verpasst (Timingproblem), trifft man den Ball leicht gar nicht mehr oder er geht ins Aus. Daher ist es riskanter, wie du ja auch richtig geschrieben hast. Das ändert aber nichts daran, dass es mit hohem Schlagansatz genauso möglich ist eine gekrümmte Flugbahn und die gleiche Menge an Spin zu erzeugen. Zumal man ja eine viel weniger gekrümmte Flugbahn braucht, damit der Ball auf dem Tisch landet, weil der Ball ja schon auf Höhe der Netzkante oder darüber ist.

Zitat:
Zitat von crycorner Beitrag anzeigen
Es gibt dennoch auch gute Spieler, die es bevorzugen, den Ball eher früh und in Tischnähe anzunehmen und die Reaktionszeit für den Gegner verkürzen. Die spielen dann den TS auf ÜS eben flach und auf Tischniveau beginnend.
Nein! Ma Long holt auch bei solchen Bällen auf Kniehöhe aus und trifft den Ball dennoch früh.
https://www.youtube.com/watch?v=zR72gEE8qcE

Auf ÜS spielt jeder Profi möglichst früh. Wie gesagt ist die sicherste Variante in der fallenden Phase direkt hinter dem höchsten Punkt, aber bei hohem Trainingspensum hat man ohnehin die Sicherheit.


Ich habe mir die gleiche Frage wie der Threadersteller auch schon oft gestellt. Tendenziell muss ich feststellen, dass viele Dinge, die bei der Trainerausbildung gelehrt werden (physiologisch betrachtet mögen sie so auch optimal sein), von den Profis ganz anders gemacht werden. Am Ende hat jeder Profi seine individuell abgewandelte Technik. Nur weil es bei Ma Long funktioniert, muss es eben aber nicht für den Durchschnitt gelten. Deshalb sollte man sich bei der Ausbildung wohl auch eher am Idealbild orientieren als an Ma Long. Mal abgesehen davon, dass Profis ja auch nicht alles richtig machen...

Beispiele:
1.) zumindest im WTTV sagt man sogar, um hart zu spielen, solle man - sofern ausreichend Unterarmbeschleunigung erzeugt werden kann - auch gegen US höher beim Topspin ansetzen, um mehr Impuls nach vorne zu kreieren. Folgendes Video zeigt aber mal, dass Ma Long komplett von unten ausholt, wenn er mit maximalem Tempo eröffnet. Er trifft den Ball aber so weit vor dem Körper, dass der Impuls dann doch wieder fast nur nach vorne geht. Eben bis auf jenen, den er braucht, um den Ball über das Netz zu befördern. Nur die Ausholbewegung isoliert zu betrachten, bringt hier also nichts. Man muss auch auf den Rest achten.
https://www.youtube.com/watch?v=IiARkUO6aEE
2.) Kaum ein Trainer würde seinem Schützling beibringen, während einer Schlagbewegung (egal ob Ausholphase, Schlagphase oder Ausschwung) auf einem Bein zu stehen. Alleine schon deshalb, weil man dann immer wieder sein Gleichgewicht finden muss. Das heißt aber nicht, dass das unmöglich ist. Manche Spieler machen z.B. gegen extremen US sogar bewusst so, weil dann die Gewichtsverlagerung extremer ist. Solange man sein Gleichgewicht permanent hält und auch noch schnell loslaufen kann, ist das ja auch kein Problem. Einem TT-Anfänger beibringen würde ich das trotzdem nicht. Siehe hier z.B. Ma Lin
https://www.youtube.com/watch?v=sfmt3Rq3t20
3.) Sportwissenschaftlich betrachtet soll es sinnvoll sein, beim Schnelligkeitstraining nur kurze Balleimersessions (8-12 Sekunden) zu trainieren und dann Pause zu machen. Komischerweise habe ich bei den Asiaten (bekanntlich viel schneller auf den Beinen als die Europäer) noch kein einziges Balleimervideo mit so kurzen Sessions gesehen. Das heißt nicht, dass China da richtig liegt. Vielleicht trainieren sie auch nur sehr, sehr viel, aber ineffizient (Bitzigeio hat mal so etwas angedeutet). Es lohnt sich zumindest aber sich damit zu beschäftigen.

Ich könnte noch etliche solcher Beispiele aufzählen. Guck doch mal bei den Profis. Keiner spielt den Topspin gleich. Der eine macht es so, der andere so und beide mal kommt ein phänomenaler Schlag heraus.

Geändert von Bo5 (21.01.2016 um 16:58 Uhr)
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