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Zitat von Bo5
Also zunächst einmal ist die Schlussfolgerung oben nicht korrekt, denn meiner Meinung nach gibt es heute viel mehr punktbringende Rückschläge als in den 90er-Jahren.
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Der Vergleich zu den 90er-Jahren mag zwar stimmen, entkräftet meine Hypothese aber nicht. Seit den 90ern haben sich ja mindestens zwei Sachen verändert: Erstens wurden die Aufschläge durch das Regelwerk eingeschränkt (wobei man sich darüber streiten kann, ob sie effektiv überhaupt ungefährlicher geworden sind, denn die Aufschlagtechniken wurden natürlich weiterentwickelt und viele der Regeln werden ohnehin systematisch gebrochen) und zweitens wurden neue Rückschlagtechniken entwickelt und verbessert.
Ob der höhere Anteil punktbringender Rückschläge also überhaupt auf die Änderung der Aufschlagregeln zurückzuführen ist, ist keineswegs bewiesen. Es könnte auch ausschließlich ein Effekt der Rückschlagweiterentwicklung sein.
Ich finde, mein Argument ist sehr viel stichhaltiger: Es gibt kaum punktbringende Rückschläge im Doppel, also würde es sie auch im Einzel bei diagonalen Aufschlägen nicht geben. Auf Gegenargumente bin ich gespannt, momentan fällt mir keins ein.
Zitat:
Zitat von Bo5
Trotzdem stimmt das Argument ebenso, dass die Ballwechsel zwischen den Chinesen viel länger sind als zwischen Chinesen und Europäer. Denn was gegen Europa im Aufschlag, Rückschlag oder bei der Third-Ball-Attack zum direkten Punkt reicht, wird vom chinesischen Teamkollegen noch härter zurückgespielt.
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Diesen exakten Vergleich bringst du als erster. Und ich würde dir zustimmen. Das ursprüngliche Argument war aber allgemeiner formuliert: "Ähnliches Spielniveau = langer Ballwechsel". Und das stimmt so eben nicht, da die Variable Spielstil (chinesisch vs. europäisch) die Sache komplizierter macht. Die Ballwechsel zwischen zwei halbwegs gleichstarken Euroäern sind länger als die zwischen zwei sich noch ähnlicheren Chinesen. Mit der Notwendigkeit des Aufschlagvorteils hat das allerdings alles nichts mehr zu tun. Zurück zum Thema:
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Zitat von Bo5
Ich finde auch, dass man Regelverletzungen härter bestrafen sollte, aber dass Aufschlagpunkte zum Sport genauso dazu gehören wie ein Topspin. (...) Ich finde z.B. auch Ballonabwehr total öde und affig. Andere finden das toll. (...)
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Hier geht es also letztlich um persönliche Vorlieben, wie der Sport aussehen soll. Direkte Aufschlagpunkte lassen sich beim Tischtennis sicherlich nicht vollkommen vermeiden und diagonale Aufschläge würden sie garantiert nicht vollständig verschwinden lassen: Es gibt Rückschlagfehler ja auch in Weltklasse-Doppeln häufig genug, von Hobbyspielern ganz zu schweigen. Aber mit einer gewissen Reduzierung von Rückschlagfehlern hätte ich persönlich absolut kein Problem.
Wie gesagt: Ein angenehmer Nebeneffekt von diagonalen Aufschlagen wäre, dass diese schwieriger zu verdecken wären, da der Rückschlager mehr Flexibilität bei der Ballerwartungshaltung hätte.
Die ITTF hat ja schon einige unliebsame Änderungen durchgesetzt, die die Ballwechsel länger und attraktiver werden lassen sollten. Diagonale Aufschläge würden sich da einreihen und ich könnte mir vorstellen, dass das sehr wirksam sein könnte.