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AW: 2016 ITTF Europe TOP 16 05 Feb 2016 - 07 Feb 2016, Gondomar, PORTUGAL
Da das Turnier ja nun vorbei ist und hier eh zuletzt nur noch über Aufschläge diskutiert wird, wiederhole ich mal, was ich vor Jahren schon vorgeschlagen habe: Das Ziel sollte es sein, eine solche Regel zu finden, die den Ball lediglich ins Spiel bringt, und zwar ohne jeglichen Vorteil für den Aufschläger, aber auch ohne Vorteil für den Rückschläger. So ähnlich wie im Fußball: Hier dient der Anstoß auch nur dazu, das eigentliche Spielgeschehen in Gang zu bringen. So wenig wie der Tischtennis-Zuschauer direkte Aufschlag-Punkte oder "Aufschlag-Rückschlag-Punkt"-Ballwechsel sehen will, will der Fußball-Zuschauer direkte Tore sehen. Deshalb besteht ein Fußballspiel auch nicht ausschließlich aus Elfmeterschießen. Das Interesse am genialen Spielzug, am Ausspielen des Gegners, am Vorbereiten des Torschusses, kurzum: das Spiel selbst zieht den Fußball-Zuschauer ins Stadion oder vor den Fernseher, nicht nur das Torerlebnis als erfolgreiches Ende eines Spielzugs. Wenn Tischtennis wieder so ist, dass man Spielzüge - und nicht nur Punkte - sehen kann, wird es auch wieder Zuschauer anziehen, so wie bis in die 1970er Jahre, als es wegen der damals noch gegebenen Chancen für Abwehrspieler sehenswerte Spielzüge gab und die Hallen bei Länderkämpfen und Meisterschaften weitaus gefüllter waren als heutzutage.
Damit der Aufschlag den Ballwechsel gewissermaßen nur eröffnet und die Spieler nicht mehr wie jetzt - verständlicherweise - versuchen, mit dem Aufschlag zu punkten, müßte man vielleicht darüber nachdenken, das Regelwerk so zu ändern, dass mit dem Aufschlag und auch mit dem ersten Rückschlag gar kein Punkt mehr erzielt werden kann. Die ersten beiden Schläge wären dann gewissermaßen neutral, und erst mit dem dritten Schlag (dem zweiten des Aufschlägers) begänne der "zählbare" Ballwechsel. Dass Tischtennisspieler mit einer solchen Spieleröffnung vom Kopf her umgehen können (von der Technik her sowieso), beweisen sie weltweit tagtäglich beim Systemtraining: Hier bringen sie den Ball durch den Aufschlag auch nur ins Spiel, weil hier das Ziel ist, nicht gleich zu punkten, sondern die nachfolgenden Schläge zu trainieren. Diese Aufschlag-Idee hat den faszinierenden Aspekt, dass man sich über nicht ruhende flache Handteller, nicht senkrechtes Hochwerfen, weniger als 16 cm Höhe, verdeckte Sicht und andere Betrugsmöglichkeiten bei den heutigen Aufschlägen gar keine Gedanken mehr zu machen bräuchte.
Diese Aufschlag-Idee stammt nicht von mir. Sie wird auf den Philippinen beim dortigen Sandpapier-Tischtennis ("Liha") seit Jahrzehnten mit Erfolg benutzt und nennt sich ESER-Regel: Easy-Serve-Easy-Return. Der Rückschläger entscheidet, ob der Aufschlag leicht genug war, sonst fängt er den Ball auf und wirft ihn zurück. Wenn er den Aufschlag annimmt, entscheidet der Aufschläger, ob der erste Rückschlag leicht genug war, sonst fängt er den Ball auf und macht einen neuen Aufschlag. Erst wenn Aufschlag und Rückschlag "easy" genug waren, eröffnet der Aufschläger mit seinem zweiten Schlag den zählbaren Ballwechsel. Dass dabei nicht ewige Aufschlagsversuche herauskommen, wird in den zahlreichen Videos vom Liha-Tischtennis dokumentiert, die es im Internet zu sehen gibt.
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