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Alt 22.02.2016, 17:35
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NurVorhand NurVorhand ist offline
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NurVorhand kommt allgemein ganz gut an (Renommeepunkte mindestens +60)
AW: Projekt TTR 2000

Moin, habe durch Zufall diesen Thread entdeckt und ganz interessiert mitgelesen - auch weil mein eigener Fall von den Punkten her ähnlich gelagert ist. Und mein Fazit eher ein anderes ist, als dass hier oft runtergepredigte "möglichst viel Systemtraining unter Anleitung".

Schnell zu mir: 22, Landesliga oben, 1998 letzter QTTR.
Ich habe aus Interesse mal in meiner Kurve geguckt und einen massiven Sprung feststellen können. Zwischen Anfang Januar 2013 und Anfang Februar 2014 bin ich von 1779 auf 1958 hochgegangen. Also +179 TTR mit Anfang 20 in knapp 13 Monaten. Seitdem halte ich mich bei circa 1975 +/- 20 Punkte. Das ist auch der Wert, welcher in der Liga nahe am maximalen ist; über die 2000 rutscht man eigentlich nur wenn man wirklich nicht mehr als 2-3 Spiele pro Halbserie verliert.

Die Gretchenfrage: Wie kam das zustande und was kann man davon übernehmen? Ehrlich gesagt: Keine wirkliche Ahnung warum der Sprung so massiv war, nur ein paar Vermutungen bei denen ich die Übertragbarkeit nur begrenzt beurteilen kann. Bei meinem Wechsel mit 16 Jahren zum aktuellen Verein habe Ich von Langnoppen-Abwehr umgestellt, zuerst eine Saison kurze Noppe RH, dann und bis jetzt mit normaler Rückhand. Rückhandtopspin war dementsprechend mit 17 quasi nicht-existent, da ich von klein auf nur Abwehr gespielt hatte.

Systemtraining oder generell irgendein Trainer? Fehlanzeige, maximal unregelmäßig 1x die Woche Übungen mit einem befreundeten Bezirksklassespieler (1600-1650 TTR).
Sonst viel Training? Auch nicht, im Durchschnitt in den letzten sechs Jahren 2x die Woche und dann für 2-3h Matches mit den Vereinskameraden. Keine Lehrgänge oder ähnliches.
Vielleicht in puncto Fitness wie der TTR Hunter entwickelt? Eher im Gegenteil, seit Beginn meines Studiums mache ich außer Tischtennis keinen weiteren Sport, nehme - leider Gottes - pro Halbserie ein Kilo zu.

Eigentlich alles Charakteristika dafür, dass ich meine Spielstärke maximal hätte halten oder leicht ausbauen können. De facto bin ich aber von einer leicht negativen Bilanz in der LL hinten mit 16/17 Jahren bis zu einer "zu 10" bzw "zu 8" Bilanz im vorderen Paarkreuz in den letzten beiden Spielzeiten mit Anfang 20 gekommen. Diese Saison stehe ich derzeit zu 6, werde wohl wieder so bei xx:10 landen.

Generell kann ich aus meiner 'Erfahrung' (klingt immer so blöde mit 22 ) ein paar Sachen ausmachen, die zumindest bei mir wohl geholfen haben:
*Unregelmäßige, möglichst wettkampfnahe, Übungen spielen! Wenn ich mal Übungen gespielt habe, waren es meisten welche wie "Kurzer Aufschlag, Eröffnung aus 2/3 RH-Mitte, Nachziehen auf Punkt aus 2/3 RH-Mitte". So ziemlich jeder kann im Training einen Übungsschupf aus Mitte Rückhand eröffnen - nur kommt diese berechenbare Situation so praktisch im Spiel nie vor.
*In den Übungen den Partner einen quälen lassen! Zum Beispiel ein Konto aufmachen mit Liegestützen wenn der Partner in der o.g. Übung mal den Rückschlag kurz in VH ablegt und damit direkt punktet. Und bloß weg von diesen passiven Blocks und Rückschlägen der Person, die nicht aktiv die Übung spielt. Dieses reine "hinhalten und reinspielen" des Zuspielers ist meiner Meinung nach eins der größten Probleme warum Übungen in der Realität oft so wenig bringen. "In der Übungen gestern habe ich den noch getroffen!" - Ja, nachdem dein Partner dir auf Ansage einen 2km/h Schupf genau aufs Blatt gelegt hat.
*Man gewinnt Spiele, wenn man die einfachen Sachen gut macht. Das gilt insbesondere für die wirklich unspektakulären Sachen wie z.B. Schupf, Erster Topspin. Mit einem wirklich guten Schupf (gut z.B. insbesondere im Bezug auf Maximalschnitt, Länge oder alternativ früher aggressiver Treffpunkt) kann man den kompletten Ballwechsel ab dem Rückschlag vorgeben. Alternativ der Topspin auf Wechselpunkt. Wirklich wenige Spieler treffen sauber, bewusst im Ballwechsel den gegnerischen Wechselpunkt. Viele zeigen immer noch auf einen Fleck 10cm links der weißen Tischmittellinie, wenn man sie fragt wo der Wechselpunkt ist... ja, das gilt aber nur wenn dein Gegner in der Schulbuchmäßigen Grundstellung steht und sich im Ballwechsel nicht bewegt.
*Gerade in unseren Hobbyligen gewinnt man einfach oft über die eigenen Stärken als über die Schwächen des Gegners. Seht zu, dass ihr eure Schwächen überdeckt oder auf einen aktzeptablen Ligadurchschnitt bringt, und feilt insbesondere an den eh schon vorhandenen Stärken. Bei mir war es aufgrund der Abwehrerausbildung der Schnitt, insbesondere ganz unpopulär mit der Vorhand. Meine Rückhand würde ich immer noch als unterdurchschnittlich bewerten. Das umgehe ich indem ich beim Rückschlag recht weit in der Rückhand stehe und in den Ballwechseln besonders mit RH spätestens nach 2-3x Bällen aktiv in die gegnerische VH Wechsel und da die Entscheidung suche. Dafür muss man sich natürlich einen Kopf machen, was man kann und was nicht, und insbesondere auch was man in den Ballwechseln gerade vermeiden will. Oft eröffne ich mit der RH schon parallel die Linie runter, damit ich gar keinen Block in meine tiefe RH bekommen kann und optimalerweise danach mit der Vorhand den Ballwechsel übernehme.

Ist anscheinend doch mehr Text geworden als ich ursprünglich geplant hatte - ich hoffe, dass das alles verständlich ist und vielleicht kann ja der eine oder andere aus meiner 'Geschichte' was mitnehmen. Viel Spaß beim trainieren!

Geändert von NurVorhand (22.02.2016 um 17:40 Uhr)
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