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AW: Sind behandelte Noppen unserem Sport zuträglich ?
Das erstaunliche an der beschriebenen wundersamen Metamorphose von schlechten NI-Spielern zu sehr guten Palio-Spielern sehe ich nicht.
Es gibt sicherlich viele Spieler, die durch ein neues Holz oder einen neuen Belag (KN, Tensor, LN, MLN, Anti...) ganz ungeahnte Steigerungen erleben, indes: ohne Training wohl kaum.
Will sagen: nur vom Draufpappen eines Belages "X" wird niemand um Welten besser. Vielmehr kann man mutmassen, dass der nunmehr bessere Langnoppi endlich ein Material gefunden hat, dass seine Stärken am besten unterstützt und Schwächen gut kaschiert. Und nur, wenn er das dann auch durch Training untermalt, werden die Erfolge eintreten.
Wenn ich in meiner Liga (VL) die material-Spieler ansehe, dann können die alle irgendeine höchst unangenehme Taktik umsetzen, beherrschen Schläge erster Güte und sind körperlich nicht die unbeweglichsten.
Und wenn Gegner gegen Material scheitern, sind sie m.E. nicht besonders variabel und beherrschen nicht ausreichende Techniken und Taktiken. V.a. taktische Disziplin ist wohl wichtig! Denn häufig fallen die Angreifer in ihre schablonenhaften Züge zurück und halten sich nicht an die taktische Marschroute. Und dann kann ich kein Mitleid entwickeln, wenn einer zunächst leer auf LN spielt und dann rohrt (also: Er hat den Weg raus!) und danach mehrfach mit dem Kopf durch die Wand ziehen will: er zieht mit wachsendem OS mehrfach auf Palio-Abwehr oder Abstecher und brüllt entnerft, wenn seine Bälle die untere Netzkante treffen: "Scheiß Material!". Er sollte lieber brüllen: "Ich Idiot weiß, wie es geht, bin aber so flach, mein Konzept nicht durchzuziehen! Herr, schick mir ne Tüte Disziplin und Geduld!"
Anderes Bild: Ich spiele immer wieder lang und mit mäßigem US in die VH eines gutes KK-Spielers. Der hat 2,2 mm frisch geklebt und haut mir mit normalem Talent und mäßigem Trainingseinsatz mehrfach Granaten um die Ohren. Ich schimpfe dann als VL-Spieler: "Sowas hats früher (langsamere Hölzer, keine Kleber, dünnere Schwämme) aber nicht gegeben. Alles nur Material!"
Vielleicht sollte ich die Bälle mal anders rübergeben? Aber darauf komm ich ja erst garnicht!
Der wesentliche Gewinn eines glatten LN-Belages ist doch, dass er eine Schnittumkehr erzeugen kann, die mit NI oder herkömmlichen LN nicht zu bewerkstelligen ist. Aber wenn ich als Paliotiker mit den vom Gegner zurückkommenden Bällen nichts anstellen kann (also talentlos bin), dann werde ich doch in der Oberliga kein Spiel gewinnen, oder?
Also muß der Angreifer sich selbst um Kopf und Kragen ziehen, quasi gegen Mauern, oder der Abwehrer beherrscht mindestens eine unangenehme Angriffsvariante, womit er punktet. Siegt er dann, ist es in beiden Fällen gerechtfertigt.
P.Igels Hinweis, der "eine Spieler" hätte ohne glatte LN nicht Oberliga gespielt, stimmt vielleicht. Aber vielleicht hatte er zuvor noch nie einen glatten LN-Belag gekannt und eben jenes Material paßte auf seinen Stil wie die Faust aufs Auge.
Mir fällt da der Skispringer Bokloev aus SWE ein, der jahrelang im V-Stil sprang, was ihm sehr lag. Aber damals meinte man, der könne nicht parallel die Ski führen. Er sprang am weitesten, wurde aber belächelt und bekam miese Haltungsnoten. Heute springen sie alle V-Stil, nur Bokloev hatte leider nichts mehr davon...
Sicher ist für den einen oder anderen LN-Spieler die glatte LN sowas, wie eine Erlösung. Andere kehren schon wieder reumütig zu den griffigen LN zurück!
Jetzt (mit glatter LN) wird das Spiel zu einem Schachspiel und man kann die nächsten 1-2 Züge vorherplanen. Kann der Gegenüber sich nicht merken, welchen Schnitt er mir gesandt hat, dann hat er dort halt Schwächen!
Die besseren Spieler, die mich demontieren können, zeigen jedenfalls, wie "gute" TT-Spieler die Schwächen eines jeden Materials offenbaren können. Da das also geht, ist die Frage, warum es dann nicht jeder kann!
Antwort: Man benötigt eine gute Technik, eine gute Taktik und dann kommt es darauf an, ob der Langnoppi evtl. eine ebenso brilliante Technik und Taktik für sein Material beherrscht!
Ich bleibe dabei: die guten Spieler feixen, wenn sie den Palio sehen, die anderen verdienen sich zumindest nicht das Prädikat, besser zu sein.
noreflex
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Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht früh zu machen.
Winston Churchill
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