Hallo,
nach einer Verletzungspause (Schulter, Zug gekriegt) und einem Osterurlaub melde ich mich zurück und möchte einen Zwischenstand formulieren.
Wer meinen TTR-Wert verfolgt hat, wird feststellen, dass ich wieder deutlich Punkte gelassen habe. In den bisherigen 7 Punktspielen der Rückserie habe ich 6 verschiedene Schläger eingesetzt. Die ersten sechs Spiele waren das ausschließlich meine Schläger (bislang immer Lindenholzkern und verschiedenen Außenfurnieren) im letzten Spiel auch ein Holz eines Forumsmitgliedes (Cogito), das ich sehr interessant finde (s.u.). Das ständige Wechseln (im Training habe ich in den letzten drei Monaten bestimmt 20 verschiedene Schläger getestet) war sicherlich nicht leistungsfördernd.
Andererseits ist unsere Serie gelaufen, da geht es um nichts mehr und mich hat dieses Testfieber erfasst. Hoffnung ist natürlich, eine Materialkombination zu bekommen, die mich letztlich noch stärker macht.
Da einer der letzten Beiträge in diesem Thread sich mit dem verwendeten Leim befasste, beginne ich mal mit der Verleimung:
Mastermind schrieb:
"
Ich nehme nie wasserfesten Weißleim, weil
1. meine Hölzer nie mit Wasser in Berührung kommen, und
2. die Wasserfestigkeit durch Zusatzstoffe im Leim resultiert, die im Schlägerbau m.E. keinen Sinn machen und ggfs. positive Spieleigenschaften eher stören als fördern"
Den Aspekt Wasser hat ja schon jemand vor mir angesprochen. Die Sache mit den Zusatzstoffen ist auch eindeutig.
Zusatzstoffe, die ggfs. die positiven Spieleigenschaften eher stören als fördern.
Wenn man mit so was kommt, dann bitte, Roß und Reiter. Welche Zusatzstoffe verändern welche Spieleigenschaften?
Auch die Tatsache, dass sonst kein Schlägerbauer wasserfesten Leim benutzt, ist alles andere als ein Argument gegen einen solchen Leim. Im Gegenteil, wenn wirklich keiner bislang einen solchen Leim verwendet hat, wird sich jemand, der analystisch denkt, fragen, ob die besonderen Eigenschaften eines so verleimten Holzes vielleicht (Hypothese, nicht mehr und nicht weniger) evtl. von diesem Aspekt abhängig sind.
Um es vorwegzunehmen. Ich habe nicht den Eindruck, dass wasserfester oder nicht wasserfester Leim etwas mit den Spieleigenschaften meiner Hölzer zu tun hat.
Anders sieht das mit dem in einem anderen Beitrag angesprochenen Pressdruck aus. Ich habe diese Pressmethode zunächst völlig intuitiv gewählt. Da ich keine Presse mit einstellbarem Pressdruck zur Verfügung hatte, habe ich nach einer Pressmethode gesucht, die reproduzierbar ist. Da fielen mir die beiden Ambosse (zusammen 70 kg) ins Auge, die im Werkraum unserer Schule stehen. Ich habe in dem Moment nicht über die kg/cm2 nachgedacht. Manchmal sind es gerade solche Zufälle, die neue Erkenntnisse bringen. Ob der Pressdruck wirklich (positive oder negative) Einflüsse auf die Spieleigenschaften eines Schlägerholzes hat, kann ich noch nicht abschließend sagen. Es gibt aber durchaus einige Denkansätze, die einen Einfluss durchaus denkbar machen. Intensiv habe ich mich zu diesem Thema mit "Cogito" (Forumsmitglied) ausgetauscht, der "meine" Pressmethode als JZP (Jürgens-Zwergen-Pressung

bezeichnet.
Je höher der Pressdruck ist, um so mehr Leim wird in die Poren des Holzes gedrückt und um so dünner wird die Leimfuge. Umgekehrt wird bei geringerem Pressdruck weniger Leim in das Holz eindringen und die Leimfuge wird tendenziell dicker sein. Die Dicke der Leimfuge versuche ich möglichst dünn zu halten, indem ich relativ wenig Leim auftrage.
Wenn der Leim bei höherem Druck stärker in das Holz gedrückt wird, wird das dünne Außenfurnier mit Sicherheit in seiner Struktur, insbesonders in seiner Härte, verändert. Umgekehrt wird bei der JZP weniger Leim in das Außenfurnier gepresst und das Holz wird weicher bleiben.
Cogito ist derzeit dabei die Einflüsse des Pressdrucks bei seinen Hölzern austesten. Apropos Cogito: Da ist einer unterwegs, der richtig Ahnung vom Schlägerhölzerbau hat. Wir sind seit geraumer Zeit im regen Gedanken- und auch Materialaustausch. Cogito ist keiner von der Sorte "das hat ja noch keiner gemacht, das kann ja gar nicht funktionieren", sondern einer, der nach Antworten sucht und nicht Antworten aufgrund vorgegebener Meinungen gibt.
Ich habe fünf seiner Entwicklungen zur Zeit im Test und kann nur sagen: Hut ab vor soviel Sachkenntnis. Insbesondere die Auswahl seiner Furniere und Hölzer ist schon sehr, sehr professionell. Er verwendet ausschließlich Hölzer und Furniere, die langsam und fein gewachsen sind und sehr gut abgelagert sind. Dagegen sind meine Hölzer grobe Holzklötze.
Von den fünf Cogito-Hölzern die ich bislang getestet habe, ist eines dabei, das für mein Spiel eine Riesenpotential hat. Es ist das schnellste seiner Hölzer und vermittelt mir sehr, sehr viel Gefühl. Was mir an der einen oder anderen Stelle fehlt, ist das Gewicht. Bei passiven Schlägen (Hinhalten über dem Tisch, Aufschlagannahme) stelle ich fest, dass ich da mit meinen schwereren Hölzern gefährlicher bin. Damit kann ich besser drücken, ohne selbst viel Bewegung in den Schläger bringen zu müssen. Der Ball springt aufgrund des Gewichtes schneller (und so mein Eindruck) auch flacher ab und ermöglicht es mir, den Gegner stärker unter Zeitdruck zu bringen.
In den nächsten Wochen werde ich eines meiner Hölzer und Cogitos Holz intensiv testen. Wie ich mich letztlich entscheide, steht überhaupt noch nicht fest. Einen Testbericht über Cogitos Holz werde ich demnächst einstellen. Schlecht ist das Ding auf keinen Fall, viel Gefühl und allerbeste Materialien. Insbesondere mit dem Imperial-Anti-Loop (siehe unten) ergibt sich eine sehr interessante Kombination.
Wie mastermind durchaus nicht ganz falsch feststellt, hat das höhere Gewicht aber natürlich auch seine Schattenseiten:
"
Mir wären 200g und mehr auch viel zu schwer - da ist der Tennisarm ja schon vorprogrammiert. Aber wir Menschen sind halt unterschiedlich... "
Empfindlichen Naturen würde ich auf jeden Fall von einem schweren Schläger abraten. Natürlich besteht die Gefahr, dass man sich einen Tennisarm, eine Sehnenscheidenentzündung oder ähnliches an Bord holt.
Andererseits sollten solche Menschen auch nicht Tennis oder eine andere (Schwer-) Schlägersportart ausüben, denn ein Tennisschläger z.B. wiegt deutlich (250 - 400 g mit Saite) mehr und wirkt über den langen Hebel und den schweren Ball viel stärker auf den Körper ein als ein TT-Schläger.
Der Schläger meines Sohnes mit zwei dicken Angriffsbeläge wiegt im Übrigen fast genauso viel wie meine Schläger. Und der spielt im Gegensatz zu mir, Powertischtennis. Da treten mit Sicherheit viel höhere Kräfte auf, als bei einem überwiegend passiv spielenden Abwehrlurch wie mir.
Masterminds Beiträge spiegeln bei allem Respekt nicht unbedingt seinen Forumsnamen. Da ist zu offensichtlich die alte Bauernregel : "Was ich nicht kenne, das fresse ich nicht" im Vordergrund.
Insbesondere (gesunde) OX-Noppenspieler sollten mit dem Mehrgewicht wenig Probleme haben, da die Gewichtsersparnis des fehlenden Schwammes einen Großteil des Schlägerholzzusatzgewichtes wieder wett macht.
Zum Schluss noch einen Belag-Tipp. Ich teste seit gestern den Imperial Anti-Loop. Auf diesen Anti bin ich durch verschiedene Foren (auch hier) aufmerksam geworden.
Er ist völlig anders zu charakterisieren als der Yasaka-Anti-Power, den ich sonst spiele. Der Hauptunterschied ist der Schwamm. Der Anti-Loop hat einen "normalen" Schwamm, also keinen Dämpfungsschwamm wie die meisten anderen Antis. Dadurch ist der Belag insgesamt deutlich schneller als der Yasake AP. Das wirkt sich für mich am deutlichsten beim RH-Schuß aus. Der Schuß kommt viel direkter und lässt sich besser kontrollieren. Beim YAP muss ich immer gegen die Tendenz ankämpfen, dass mir die Bälle knapp über den Tisch fliegen. 8 Monaten intensives Systemtraining haben diesen Trend allenthalben mindern aber nicht verschwinden lassen. Auf U-Schnitt geht das noch, auf Spin-Bälle dagegen war der RH-Schuss mehr Roulette als sichere Spieloption.
In dieser Hinsicht ist der Anti-Loop deutlich besser. Die Flugkurve beim Schuss ist viel flacher, der Ball geht deutlich seltener über den Tisch. Selbst spinreiche (aber langsame und höhere
) TS konnte ich damit sehr sicher und gleichzeitig hart abschießen. Ich habe schon viele Antis ausprobiert, mit keinem konnte auch nur annähernd so gut schießen, wie mit dem Anti-Loop.
Problematischer dagegen war das passive Spiel. Der Belag reagiert deutlich anders als der YAP. Er ist aufgrund des Schwammes schneller und der Ball springt anders ab. Die Schlagtechnik muss man deutlich umstellen, sonst segeln etliche Bälle auf Nimmerwiedersehn in die unendlichen Weiten der Spielbox. Aber schon nach wenigen Minuten bekam ich mehr und mehr Gefühl für das Scheibchen.
Ein weiterer Vorteil gegenüber dem YAP sind die zur Verfügung stehenden Schwammstärken. 1,2, 1,5 und 2.00 mm werden angeboten. Ich habe mich für 1,2 un 1,5 mm entschieden und teste diese Beläge auf zwei Testhölzern (Cogioto, Samfender). Der Belag ist aufgrund des dünneren Schwammes außerdem deutlich leichter als der YAP.
Yasaka habe ich übrigens bzgl. anderer Schwammdicken angemailt. Ein Forumsmitglied hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass es in Japan den AP auch in anderen Schwammdicken gäbe. Ich habe noch nicht einmal ein Antwort bekommen.
Einen Nachteil hat der Anti-Loop aber doch, dem man auch mit Training nicht abhelfen kann. Der Klang des Belages ist so, als wenn ein Tischtennisball auf eine Wellpappe aufschlägt. Das schäppert wie nichts Gutes.
Ich bin nicht der große Dreher, beim Aufschlag und ab und zu beim Schupfen über dem Tisch drehe aber doch gelegentlich. Gerade wenn man nur sehr selten dreht, sind diese Aktionen für den Gegner dann besonders überraschend. Mit dem Anti-Loop geht ein großer Teil des Überraschungseffektes verloren, da der Klangunterschied zum Normalbelag so groß ist, dass niemand, der Ohren hat zu hören, überrascht sein wird.
Es ist zu früh, um ein Fazit zu ziehen, aber der Belag hat für mich sehr viel Potential. Ich werde ihn heute im Meisterschaftsspiel (ja wir spielen am Karfreitag ein Meisterschaftsspiel) einsetzen.
Schöne Ostergrüße
Wolfgang