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Hilpoltstein träumt von 2. Bundesliga
Dies schreibt Bernd Beringer heute in der Hilpoltsteiner Zeitung:
Große Träume von der 2. Bundesliga
Nach Rang sechs in der Regionalliga wollen Hilpoltsteins TT-Asse noch höher hinauf
HILPOLTSTEIN (bb) — Das letzte Spiel ist gespielt - die Tischtennis-Asse des TV Hilpoltstein können Bilanz ziehen. Und die fällt prima aus. Mit dem sechsten Platz in der Regionalliga Süd, der dritthöchsten Liga Deutschlands in der Massen-Sportart Tischtennis, erreichten Bindhammer & Co das beste Ergebnis in ihrer Regionalliga-Geschichte. Jetzt wollen sie noch höher hinauf.
Florian Seitz (28), Kapitän und „Oldie“ der erfolgreichen Mannschaft, blickt nicht lange zurück: „Wir haben die letzten vier Spiele etwas unglücklich verloren und deshalb einen noch besseren Platz knapp verpasst. Aber dieses junge Team hat das Zeug, mit nur einer Verstärkung ganz oben mitzuspielen, eventuell sogar in die 2. Bundesliga aufzusteigen“. Seitz selbst ist bereit, „notfalls“ in die zweite Mannschaft zu wechseln, die ja den Aufstieg in die Bayernliga gepackt hat und dort genug zu tun haben wird, um den Klassenerhalt zu sichern.
Das Grundgerüst vom „Team der Zukunft“ steht schon. Mit einem Durchschnittsalter von knapp über 20 Jahren können Felix Bindhammer, David Marek, Michael Ziegler, Alexander Möst und Philipp Berr noch deutliche Leistungssprünge machen. Vor allem Marek, Ziegler und Berr haben bewiesen, wie das geht.
Der 24-jährige Tscheche David Marek hat sich mit seiner spektakulären Art, um jeden Ball zu kämpfen, schnell in die Herzen der Hilpoltsteiner Fans gespielt. 14:5 Siege in der Rückrunde waren das drittbeste Ergebnis aller Akteure im vorderen Paarkreuz, darunter einige Cracks von internationaler Klasse. Marek kann sich noch weiter steigern - ebenso wie Michael Ziegler, der gegenüber der vorangegangenen Saison einen großen Sprung nach vorne gemacht hat und an einem guten Tag nahezu jeden in der Liga schlagen kann. Sein dritter Rang bei den bayerischen Einzelmeisterschaften, wo er unter anderem den süddeutschen Einzelmeister Daniel Demleitner vom Bundesliga-Aufsteiger TSV Gräfelfing klar besiegt hat, spricht für die Leistungsfähigkeit des 20-jährigen Ausnahmespielers.
Der 15-jährige Philipp Berr hat das Zeug, einmal ein ganz Großer in Bayern zu werden. In seiner ersten Regionalliga-Saison schlug sich das Talent aus Ansbach mehr als wacker. Es trainiert mit BTTV-Cheftrainer Thomas Müller täglich im Bundes-Leistungszentrum in Würzburg, so dass man von ihm in naher Zukunft die größten Leistungssteigerungen erwarten darf.
Im Jugendsport an der Spitze
Im Jugendsport gehört Berr jetzt schon zu den Besten in Deutschland, der Schritt zu den Erwachsenen ist steinig, aber machbar - besonders bei seiner erfrischenden Art, Tischtennis zu spielen. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Bad Salzuflen am vergangenen Wochenende musste der Bejamin im Hilpoltsteiner Team noch Lehrgeld zahlen. Nach drei Niederlagen in der Vorrunde war für den 15-Jährigen Endstation, doch in den kommenden Jahren könnte Berr hier noch für Furore sorgen, wenn er sich weiter so gut entwickelt.
Eine „verrückte“ Saison spielte Felix Bindhammer. In seinen Punktspielen enttäuschte er selten und verlor dennoch öfter als ihm lieb war. Im Einzelsport glänzte er wie kaum zuvor in seiner Karriere: erstmals bayerischer Einzelmeister, Zweiter der bayerischen Rangliste, Vierter der süddeutschen Rangliste, mit seiner Partnerin Svenja David im Mixed-Viertelfinale bei den deutschen Meisterschaften, im Einzel immerhin erst in der dritten Runde gegen den Vize-Weltmeister Christian Süß ausgeschieden, bei zahlreichen Turnieren Sieger gegen erstklassige Zweitliga-Cracks - der 20-jährige Student aus Hilpoltstein bewies erneut, was selbst mit weniger Training in ihm steckt. Seine mentale Blockade in manchem Punktspiel wird er vergessen und auch dort wieder öfter siegen als verlieren.
Zu einem Führungsspieler hat sich Alexander Möst bereits in seinem ersten Jahr beim TV Hilpoltstein entwickelt. Der 22-jährige Allgäuer mit Wohnsitz Fürth bewies mit 22:11-Siegen und dem fünften Rang in der Einzelbilanz im mittleren Paarkreuz der Regionalliga, dass sein Wechsel von Gräfelfing nach Hilpoltstein für alle ein Gewinn war. Auch er ist noch steigerungsfähig, was sein sechster Platz beim bayerischen Ranglistenturnier unterstreicht.
Seine bisher beste Saison lieferte Florian Seitz ab. Mit 15:13 Siegen zeigte der Hilpoltsteiner Kapitän, was man trotz Belastung durch Beruf und ehrenamtliches Engagement im Verein sportlich alles leisten kann. Ohne ihn stünde die Hilpoltsteiner Regionalliga-Mannschaft nicht da, wo sie jetzt steht. Und ohne sein großes Engagement für die gesamte Abteilung wird sie wohl nie dahin kommen, wohin sie will: in die 2. Bundesliga.
Ohne professionelles Sponsoring ist der Sprung in die Bundesliga nicht machbar. Die Verantwortlichen des TV stellen derzeit die Weichen, um in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Mit einem neuen Ausrüster, einem verstärkten Sponsoren-Team, noch mehr Unterstützung durch Stadt, Hauptverein und Fans sowie einer weiteren sportlichen Steigerung wollen sie das „Abenteuer Bundesliga“ anpacken. Ob es innerhalb der nächsten beiden Jahre gelingt, wird sich zeigen.
Die Bilanzen in der Saison 2003/2004: Felix Bindhammer 14:26 David Marek 24:15 Michael Ziegler 22:16 Alexander Möst 22:11 Philipp Berr 12:14 Florian Seitz 15:13 Bindhammer/Marek 19:2 Möst/Berr 4:4 Möst/Seitz 4:6 Ziegler/Berr 0:8 Ziegler/Seitz 0:9.
4.5.2004 0:00 MEZ
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