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Zitat von JoKo
Auf übermotivierte (ehrenamtliche) Vereinstrainer will ich mich eigentlich nicht beschränken, für die mir bekannten zählt wohl eher die Menge, in der dann das einzelne Kind wiederum eher zu kurz kommt.
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Also oben lautete dein Satz "Möglich ist es in den
Vereinen sicherlich. Das A&O dabei sind Trainer und Betreuer, denen bewußt ist, dass sie mit lebendigen Kindern arbeiten und nicht mit Pingpongcyborgs." Ich hielt es daher fuer schluessig anzunehmen, dass du dich auf Vereinstrainer beziehst. Mir ist aber immer noch nicht so genau klar, wie deiner Meinung nach Jugendarbeit aussehen sollte. Einerseits sprichst du von zu viel Druck und Ueberforderung und davon, dass man die Kinder sich im Training austauschen lassen sollte. Andererseits bemaengelst du, dass das eigene Kind zu kurz kommt. Du lehnst Trainer aber, die nur eine Art Betreuung anbieten, aber auch solche, die sportlichen Fortschritt anstreben. Ja, was ist denn dann genau dein Bild von einem Trainer? Jemand, der dem Kind den ganzen Tag beim Spielen zuguckt, aber keinerlei Kommentare - es sei denn Lob - abgeben darf?
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Zitat von JoKo
Das muss auch ein Vereinstrainer im Hinterkopf haben. 3-4mal pro Woche Systemtraining plus Wettkämpfe bedeutet für mich in jeder Sportart Roboterisierung, die sich umso schlimmer auswirkt, je jünger der Auszubildende - und schon gar ein (Grund-)Schüler - einsteigt. Eine allgemeinsportliche Grundbildung und Betätigung befürworte ich auch, aber keine wettkampforientierte Spezialisierung ab dem Grundschulalter, die neben einer Überbeanspruchung des kindlichen Nervenköstums den Verschleiß bestimmter Körperteile fördert und den geistigen Horizont einengen kann. Kein Wunder, wenn diese Kinder später in das Schneeballsystem als Funktionäre, Trainer oder Eltern einsteigen. Insofern sehe ich das mehr oder weniger allmähliche Fortbleiben vieler Jugendlicher sogar positiv.
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Was genau verstehst du dann unter Leistungssport, wenn man nicht einmal in einem Stuetzpunkt zielgerichtet auf die maximale Leistung hintrainieren darf? Es steht doch jedem Elternteil frei sein Kind zum Stuetzpunkt zu schicken oder es in dieser Zeit etwas anderes erleben zu lassen. Da sind in meinen Augen eher die Erziehungsberechtigten in der Pflicht und nicht die Stuetzpunkttrainer. Der Stuetzpunkttrainer wird vom DOSB oder Bund dafuer bezahlt aus den anwesenden Kindern das Maximale herauszuholen. Dieses System mag man kritisieren, aber das musst du dann wie gesagt den Funktionaeren vorwerfen oder den Eltern, die ihr Kind in dieses Foerdersystem hineinstecken. Und nicht dem Trainer, der seinen Job macht.
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Zitat von JoKo
die neben einer Überbeanspruchung des kindlichen Nervenköstums den Verschleiß bestimmter Körperteile fördert und den geistigen Horizont einengen kann. Kein Wunder, wenn diese Kinder später in das Schneeballsystem als Funktionäre, Trainer oder Eltern einsteigen. Insofern sehe ich das mehr oder weniger allmähliche Fortbleiben vieler Jugendlicher sogar positiv.
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Hier ist meine Erfahrung eine ganz andere. Kinder, die sich frueh koerperlich austoben und dabei auch ihre Grenzen kennenlernen, die im Sport mit Drucksituationen konfrontiert sind (also dort, wo das Verlieren nicht schlimm ist, denn es geht ja um Spass) und sich eigene Ziele setzen, ja diese Kinder sind auch in der Schule und in anderen Bereichen ihres Lebens widerstandsfaehig und zielstrebig. Kinder, die nur nach Lust und Laune Sport machen und sich am besten jeden Tag eine neue Sportart aussuchen, haben auch im beruflichen Leben und im Privatleben keine klare Vorstellung davon, was sie eigentlich wollen. Sie vegetieren nur vor sich hin, einfach um des Lebens willen. Drucksituationen weichen sie aus, mit Niederlagen umgehen koennen sie auch nicht, weil sie entweder nie welche erfahren haben oder jede Niederlage als belanglos abtun, nach dem Motto "ich habe mich sowieso nicht richtig angestrengt'. Im Leben ist aber nicht jede Niederlage belanglos. Manchmal ist das Leben hart und unfair. Und dann muss man aus den Niederlagen lernen koennen. Daraus lernen kann man aber nur, wenn man sich damit auseinandersetzt und das tun nur die Menschen, denen die Niederlage ein Stueck weit wehtut. Insofern finde ich persoenlich, dass (moderater) Leistungssport - ich spreche hier nicht davon 2x am Tag zu trainieren - durchaus zur persoenlichen Reife beitraegt.
Natuerlich gibt es TT-Spieler mit eingeschraenktem Horizont, weil sie ausser der Halle noch nie etwas anderes gesehen haben. Da muessen dann tatsaechlich Trainer, Betreuer, Spieler und Erziehungsberechtigte dafuer sorgen, dass der- oder diejenige auch mal aus diesem Kreis ausbricht und andere wichtige Erfahrungen macht. Dennoch klingt bei dir immer an, dass alle Kinder, die leistungssporttechnisch Tischtennis spielen, von Trainern oder Eltern dazu gezwungen werden. Auch wenn das durchaus vorkommt, gilt das mitnichten fuer alle. Ich kenne genug Spieler, die wissen, dass sie niemals das Profilevel erreichen werden, aber die so viel Lust auf TT haben, dass man sie eher an Pausen erinnern muss, wenn sie nach 5 Stunden noch immer spielen. Deine Erfahrungen sind definitiv nicht die Erfahrungen der Allgemeinheit, auch wenn sie sicherlich wahre Elemente enthalten.
Vor allem aber frage ich mich, wie du ueberhaupt die letzten Jahrzehnte zurecht gekommen bist. Es gibt doch heute zwar vielleicht mehr Druck im Berufsleben aber ansonsten viel weniger gesellschaftliche Normen, Regeln und Zwaenge als frueher. Waren Schule, Leistungssportgruppen oder Vereine in Deutschland jemals weniger autoritaer als heute? Viele Kinder leiden meiner Meinung nach eher darunter, dass beide Elternteile ganztags arbeiten muessen und sie a) zu wenig Aufmerksamkeit geniessen und b) nie ihre Grenzen aufgezeigt bekommen und deshalb keinen Respekt vor Autoritaetspersonen haben.