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AW: Einfluss des Schwammkatapults auf die Rotation
Also ich hab mich bei der Diskussion seit längerem rausgehalten, da mich die Geschichte mit dem Katapulteffekt ziemlich verwirrte, und ich keinen Unsinn verzapfen wollte. Auf jeden Fall hab ich mir jetzt ne Theorie zusammengebastelt, und ich muss meine weiter oben getätigte Aussage teilweise revidieren. Vom physikalischen Standpunkt aus betrachtet gehen Taugenichts Betrachtungen genau in die richtige Richtung.
Zunächst einmal gehe ich davon aus, dass die maximale Rotationsabgabe (d. h. die Drehimpulsänderung) des Balles durch das angreifende Drehmoment und die diesbzgl. Dauer gegeben ist. Das Drehmoment wird im wesentlichen bestimmt durch die Oberflächengriffigkeit und das Scherverhalten ("tangentiale Elastizität") des Obergummis, während die Angriffsdauer einfach durch die Verweildauer auf dem Belag gegeben ist. Bei identischem Obergumi reduziert sich die Frage der maximalen Rotation auf die Maximierung der Verweildauer auf dem Belag. Im folgenden gehe ich nur auf die Verweildauer ein und vernachlässige Effekte des Obergummis.
So, jetzt müssen noch ein paar Begriffe definiert werden:
Unter physikalischer Elastizität verstehe ich im folgenden das Mass an Energieerhaltung beim Zusammenstoss zwischen Ball und Schläger. Als negatives Mass für die Elastizität, d. h. für die Unelastizität, ist es günstig eine Dämpfungskonstante einzuführen. Der Ball-Belag-Zusammenstoss verhält sich demnach vollkommen elastisch, wenn der Ball beim Verlassen des Belags die gleiche Geschwindigkeit hat wie beim Aufprall auf den ruhenden, fixierten Schläger. Je unelastischer der Stoss ist desto mehr Energie geht verloren und wird in Wärme umgewandelt.
Die Dehnbarkeit des Belags wird massgeblich durch dessen Härte bestimmt und kann in einem eindimensionalen Modell durch so etwas wie eine Federkonstante beschrieben werden.
Die Frage nach dem Katapult ist schwieriger zu beantworten. Meinem intuitiven Verständnis nach setzt sich der katapult aus zwei Komponenten zusammen, der Verweildauer auf dem Belag und der Elastizität im gerade definierten Sinne. Der Katapulteffekt ist demnach besonders gross, wenn die Verweildauer gross ist (d. h. der Belag hat einen stärkeren Verzögerungseffekt) und der Stoss möglichst elastisch ist, d. h. die Ballgeschwindigkeit maximal ist. Resultat ist ein verzögert herausgeschleuderter ball mit hoher Geschwindigkeit.
Warum ist nun ein härterer Belag schneller als ein weicherer Belag bei gleichem Obergummi und nicht frischgeklebt (z. B. Sriver L vs. Sriver FX)? Ein ungeklebter, weicher Belag hat eine sehr hohe Dämpfungskonstante und es geht daher sehr viel Energie, d. h. Geschwindigkeit verloren. Es ist nun interesannt, dass die Verweildauer auf dem Belag durch zwei Anteile bestimmt wird, nämlich die Federkonstante und die Dämpfungskonstante. Beim weichen Belag ist Erstere klein (d. h. stärkerer Trampolineffekt) und letztere gross, was zu einer besonders grossen Verweildauer führt. Deshalb sollte es generell besser möglich sein, den Ball in Rotation zu versetzen. Auf der anderen Seite ist die Ballkontaktzeit beim harten Belag besonders niedrig. Bei einem Bryce kommt es also darauf an genau zum richtigen Zeitpunkt ein möglichst grosses Drehmoment wirken zu lassen, und dann bekommt man auch damit noch bedingt ne gute hacke hin. Bezgl. Verweildauer ist es aber besonders "ungünstig", dass sich der Bryce meines Erachtens nach sehr, sehr elastisch verhält. Auf der anderen Seite resultiert daraus der dennoch beachtliche Katapult.
Wieso bekommt man nun in einen betonharten Chinabelag dennoch viel Schnitt rein (mal abgesehn von der evtl. vorhandenen Klebrigkeit), obwohl der Belag unter Umständen noch viel härter als der Bryce ist. Ich gehe davon aus, dass ein Chinabelag eine besonders grosse Dämpfung erzeugt (d. h. sich sehr unelastisch verhält), wodurch die Verweildauer im Vergleich zum Bryce stark erhöht wird.
Was passiert nun beim Frischkleben? Zum einen wird der Belag sicherlich weicher, was die Federkonstante reduziert und zum anderen wird der Belag elastischer, was die Dämpfungskonstante reduziert. Bzgl. Verweildauer bedeutet dies einen kompensierenden Effekt, wobei der Effekt der "Weichmacherei" den Elastizitätseffekt überwiegt (wäre in Extremfällen aber auch anders herum möglich), sodass Netto die Verweildauer etwas ansteigt, d. h. man bekommt etwas mehr Spin rein. Auf der anderen Seite erzeugt die höhere Elastizität in jedem Fall ein mehr an Tempo und ein massives Ansteigen des Katapults. Für mich folgt daraus, dass sich Frischkleben in der Regel stärker aufs Tempo als auf den Spin auswirkt (ohne die Wirkung verschiedener Frischklebetechniken diskutieren zu wollen!). Wenn der belag durchs frischkleben nicht auch gleichzeitig weicher würde, wäre die höhere Elastizität (d. h. grösserer Katapult) kontraproduktiv für die Spinabgabe an den Ball.
So weit so gut. Wieso bekomme ich nun mit meinem Cermet insbesondere beim Aufschlag weniger Schnitt rein als z. B. mit dem HP@, und warum bekomme ich beim Neos Sound weder beim Aufsschlg noch beim Top viel Schnitt rein? Beim Cermet-HP@ Vergleich kommt meines Erachtens zum Tragen, dass der Cermet noch elastischer ist als der HP@ und vor allem beim Aufschlag die Obergummieigenschaften eine wichtige (odar gar die entscheidende) Rolle spielen. Das HP-Obergummi ist sicherlich etwas griffiger als beim Cermet und hat auch eine höhere Scherelastizität, wodurch sich einfach mehr schnitt erzeugen lässt. Bei den Tops greifen wiederum mehr die Schwammeigenschaften und die Spinunterschiede werden kleiner. Beim Neos-Sound bin ich überfragt. Aehnlich wie beim Samba oder Mambo gibt es ca. 50% Spieler, die behaupten, viel Spin damit erzeugen zu können und die anderen 50% eben nicht. Vermutlich spielt da auch die individuelle Schlagtechnik noch ne Rolle. Vielleicht ist der Belag auch schon zu weich und der Ball schlägt beim Schlag voll aufs Holz durch, was evtl. die verweildauer reduziert. Das weniger an griffigkeit im vergleich zum HP@ kann so einen Unterschied nicht erklären. Da bin ich auf jeden Fall überfragt.
Hat jemand ne Idee?
Gruss,
JanMove
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