Zitat:
Zitat von Matousek
Ich wiederhole mich, außer in China, haben Japan u. Korea vmtl eine zentrale Steuerung.
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Was meinst du mit zentraler Steuerung?
Ich glaube kaum, dass das was in Korea und Japan läuft mit dem "Aufzuchtprogramm" der Chinesen vergleichbar sein wird.
Wenn jemand auf die Idee kommen würde, das Leben des derzeitig besten TT-Spieler der Welt, Ma Long, zu verfilmen, käme wohl für die sogenannte westliche Welt am Ehesten ein tieftrauriges Drama dabei raus.
Dass Ovtcharov im Einzelwettbewerb und Boll in allen Wettbewerben leider unter ihren Möglichkeiten spielten, braucht niemand schönreden. Ein auch 35 Jahre alter Steger hat hingegen gute Leistungen im Bereich seiner Möglichkeiten gezeigt. Warum jetzt mal wieder die Trainerfrage gestellt wird, ist mir allerdings ein Rätsel. Klar mag es sein, dass es bessere Trainer gibt, nur für mich hätte kein Trainer der Welt mit den Spielern in ihren derzeitigen Verfassungen was besser machen können. Man sollte ruhig mal akzeptieren können, dass Spieler anderer Nationen derzeit besser sind.
Statt sich bei einer Randsportart, wie TT es nun mal in Deutschland ist, darüber zu freuen, dass ein Spieler wie Timo Boll über viele Jahre zu den Besten gehörte, die unser Sport weltweit zu bieten hat, wird lieber gemosert und alles in Frage gestellt. Mit Ovtcharov gibt es ja immer noch jemanden, auf den, wenn ihn die Gesundheit nicht so plagt wie es bei Boll leider viel zu oft war, an dem man sich sicher noch einige Jahre erfreuen kann und vielleicht sogar noch Luft nach oben vorhanden ist. Auch sollte man einen Christian Süß nicht vergessen, den es leider viel zu früh ganz böse erwischt hatte.
Dass man sportbegabte Menschen - meist dürften solche Menschen für mehrere Sportarten Begabungen in sich tragen - hier in Deutschland unbedingt dazu kriegt, dass sie auf TT setzen, scheint mir eine recht verwegene Hoffnung zu sein. Meist dürfte der familiäre Hintergrund eine recht große Rolle bei der Entscheidung für den TT-Sport spielen.
Das Risiko schon im Kindesalter alles außer Tischtennis nach hinten zu stellen, damit Talente bestmöglich gefördert werden können, dürfte den allermeisten Eltern zu hoch sein. Die werden wohl eher ihre Kids dazu anhalten nach Möglichkeit auch Abitur zu machen. Das ist nun mal für eine gewisse Zeit schon fast ein full time job, wo TT auch mal hinten anstehen muss. In dieser Zeit werden wohl chinesische Talente weiter das volle TT-Programm durchziehen (müssen). Außer darauf zu hoffen, dass mal wieder Außnahmetalente wie Boll und Ovtcharov geboren werden und sich für den TT-Sport entscheiden, bleibt niemanden, der nur auf Weltmeister oder Olympiasieger steht, wohl kaum eine reelle Chance, das mal erleben zu dürfen.
Ich mag den deutschen TT-Sport allerdings auch ohne, dass es einer von "uns" zur Goldmedaille bei Olympia oder zum Weltmeister bringt. Ich finde auch, dass bei einer Randsportart wie TT hier in Deutschland über mehr als das letzte Jahrzehnt gute Arbeit geleistet wurde. Klar, wird bei allen Sportler das Ziel immer sein der oder die Beste zu werden. Wenn es nicht klappt ist das a) keine Schande und b) nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass hier schlechte Arbeit abgeliefert wird. Das Spiel gestern habe ich trotz der Niederlage genossen. Hab keinen Deutschen Spieler gesehen, der in den Verdacht geraten ist sich hängen zu lassen. Die Japaner waren gestern einfach besser.
...und zurück zum eigentlichen Thema, der Trainerfrage. Vielleicht sollte sich der eine oder andere hier einfach mal fragen, wie groß der Einfluss eines TT-Bundestrainers tatsächlich auf die einzelnen Spieler ist. Ich fürchte, dass dabei die Erkenntnis wachsen wird, dass der Einfluss nicht all zu groß ist. Deutsche TT-Spieler müssen ihren eigenen Karriereplan verfolgen, wenn sie es zu was bringen wollen. Dürfte nicht soooo einfach sein ein für Spitzenleistungen angemessenes Einkommen damit zu erzielen, damit man inem Karriereende auch einigermaßen locker entgegen sehen kann. Dabei wird der DTTB leider kaum helfen können. Dass ein Timo Boll nie das Siegerpodest bei einer WM oder einer Olympiade erklommen hatte, mag auch ein Stück daran gelegen haben, dass er es zu vielen Leuten recht machen wollte. Da scheint mir ein Ovtcharov aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein...